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Kirche in WDR 3 | 26.06.2019 | 07:50 Uhr

Vom Du Gottes

Guten Morgen!

In der Eisenbahn neben mir sitzt eine junge Frau. Sie liest in einer Zeitschrift

und isst einen Apfel. Wir fahren am Rhein entlang und ich betrachte die Burgen

auf den Felsvorsprüngen. Plötzlich sagt die junge Frau zu mir: Kannst du mal den Deckel vom Papierkorb aufhalten? Klar kann ich das und der Apfelrest, Papiertaschentücher, Zettel und eine leere Brötchentüte wandern hinein.

Wo fährst du denn hin?, fragt mich die junge Frau. Nach Mainz, antworte ich.

Als ich wieder aus dem Fenster schaue, muss ich schmunzeln. Sehe ich mit meinen ergrauten Haaren und meinem lebensfaltigen Gesicht so jugendlich aus, dass ich geduzt werde? Ein Kompliment? Mamaaa, würden meine erwachsenen Kinder sagen, das ist doch heute völlig üblich so! Ich denke darüber nach, dass ich die jungen Menschen in meinen Schreibseminaren sieze. Als Ausdruck meines Respekts für sie. Mamaaa, würden meine erwachsenen Kinder sagen, wenn du sie duzt, zeigst du viel mehr deine Sympathie. Egal, ob Du oder Sie – in einer Anrede wende ich mich an jemand anderen. Stelle einen persönlichen Bezug zu ihm her.

Solch ein persönlicher Bezug wird in der Bibel von vielen Menschen zu Gott aufgenommen. Gott ist darin nicht der anonyme Kosmos oder die abstrakte Realität hinter der Realität. Mit der Anrede Du, Gott löst sich der heute weitverbreitete "Etwas-ismus“ auf. Der Etwas-ismus, der vage davon ausgeht, dass irgendetwas

da ist.

In beiden großen Büchern der Bibel wird Gott immer wieder als persönliches Gegenüber angeredet und erfahren.

So auch in den Psalmen.

Du hast mir Raum geschaffen, als mir Angst war, heißt es dort oder

Ich will Dir danken, Gott, aus ganzem Herzen oder

Gott, Du mein Fels, meine Burg, meine Zuflucht.

Erfahrungen vieler Frauen und Männer in Vergangenheit und Gegenwart

zeigen, dass Gott zu uns Menschen eine persönliche Beziehung eingeht.

Auch, wenn wir nicht genau wissen, wer und wie Gott ist.

Auch, wenn wir Gott mit unserem Verstand nicht ergründen können.

Aber Gott bietet uns seine Anteilnahme an unserem Leben an.

In der Stille, im Gebet, in der Natur, in jedem Moment unseres banalen Alltags.

Ich bin für dich da, verspricht Gott.

Wer versucht, sich an Gott zu wenden, bleibt nicht allein.

Diese Grunderfahrung überliefert der Religionsphilosoph Martin Buber in einem Gebet aus jüdischer Tradition. Darin münden all unsere Namen und Bilder und Vorstellungen von Gott als Vater, als Mutter in einem einzigen Wort: Du.

Das Gebet ist wie ein Schutzmantel, in dem es sich im Alltag getrost leben lässt.

Die ersten Zeilen lauten:

Wo ich gehe –du!

Wo ich stehe –du!

Nur du, wieder du, immer du!*

                      

 

Es grüßt Sie Petra Fietzek aus Coesfeld


* (M. Buber, Die Erzählungen der Chassidim.  Zürich 1984, Manesse Verlag, S. 342)


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