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Das Geistliche Wort | 24.05.2021 | 08:40 Uhr

vom Geist bewegt

Dieser Beitrag enthält Musik, daher finden Sie hier aus rechtlichen Gründen kein Audio zum Nachhören


Autor: Mit ihren hochstehenden Flügeln halten sie manche für einen Adler. Doch ihr fehlt der bedrohliche Blick, der zupackende Schnabel und die scharfen Krallen. Wer näher herantritt, erkennt die gutmütigen Augen einer Taube, ihr schmaler Schnabel ist nur angedeutet und mit ihren schlanken Füßen will sie nicht nach Beute greifen, sondern nur sanft auf der Erde landen. So hat sie Platz genommen am Taufstein in der kleinen Kirche in Dortmund, in der ich als Pfarrer tätig bin. Nicht in Wirklichkeit, sondern als Bild. Hier taufe ich Kinder und manchmal auch Erwachsene. Und das Bild von der Taube gehört dazu. Oft erzähle ich dann ihre Geschichte.

 

Sprecherin: Damals kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes. Er wollte sich von ihm taufen lassen. Als Jesus getauft war, stieg er sofort aus dem Wasser. In diesem Moment öffnete sich der Himmel über ihm. Er sah den Geist Gottes, der wie eine Taube auf ihn herabkam. Da erklang eine Stimme aus dem Himmel: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.« (1)

 

Autor: So schildert Matthäus in seinem Evangelium die Rolle der Taube in der Geschichte von der Taufe Jesu. Die Taube selbst spielt in dieser Geschichte eigentlich gar nicht mit. Sie dient nur als Vergleich für das Unaussprechliche, sie ist ein Bild für das Unfassbare. Ein Symbol für den Geist Gottes. Wie eine Taube kommt dieser Geist über Jesus.

 

Eine Taube kann sanft gleiten, aber auch mit wenigen Flügelschlägen die Richtung ändern. Seit Urzeiten ist sie den Menschen vertraut. Schließlich konnten sie Tauben dazu bringen, von weit her immer wieder den Weg nach Hause zu finden. Bergleute im Ruhrgebiet spürten Freiheit, wenn sie nach schwerer Arbeit unter Tage ihre Tauben in den Himmel fliegen ließen. Weil sie fliegen kann, ist sie auch ganz anders als der Mensch. So wird die Taube zu einem idealen Zeichen für den Geist Gottes. Sie ist da und doch nicht greifbar. Sie kommt Menschen nahe und ist doch oft himmelweit von ihnen entfernt. Und sie findet sicher den Weg von A nach B.

So ist es auch mit dem Geist Gottes. Er ist nicht verfügbar, aber doch gegenwärtig.

 

Musik 1: Like a Dove

Text und Musik: Through the Sparks; Album: Worm Moon Waning; Label: 2010 Skybucket Records; LC: 46329.

 

Autor: So beginnt das öffentliche Auftreten von Jesus: Der Geist Gottes erscheint wie eine Taube. Und Jesus begeistert Menschen mit seiner Botschaft der Liebe. Viele werden gesund an Leib und Seele, nachdem sie ihn gehört haben. Er nimmt in Diskussionen kein Blatt vor den Mund. Sein Weg scheint mit dem Tod am Kreuz zu enden. Doch Jesus ist auferstanden, seine Geschichte geht weiter. Er möchte, dass diese Geschichte erzählt wird. Er will, dass der Glaube an die Liebe Gottes weitergetragen wird in die Welt. Dies ist nun Sache der Menschen, die an ihn glauben, die ihm vertrauen.

 

Sprecherin: Und ich werde den Vater um etwas bitten: Er wird euch an meiner Stelle einen anderen Beistand geben, einen, der für immer bei euch bleibt. Das ist der Geist der Wahrheit. Diese Welt kann ihn nicht empfangen, denn sie sieht ihn nicht und erkennt ihn nicht. Aber ihr kennt ihn, denn er ist mit euch verbunden und wird immer mit euch verbunden bleiben. Es dauert nur noch kurze Zeit, dann wird diese Welt mich nicht mehr sehen. Aber ihr werdet mich sehen, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. (2)

 

Autor: Das Johannesevangelium schildert wie Jesus seine Freunde darauf vorbereitet, dass alles anders wird. Jesus wird auf dieser Welt nicht mehr für jeden zu erkennen sein. Der Geist bleibt als Beistand da und wird sie trösten. Aber auch der gibt sich nicht gleich zu erkennen.

Woran sollen sie sich halten? Und wenn es für die schon so schwer ist, die Jesus tatsächlich begleitet haben, wie wird das erst für zukünftige Genrationen werden?

Menschen brauchen etwas, woran sie sich halten können. Sie brauchen Zeichen und Symbole. So ist die Taube aus der Taufgeschichte zum Sinnbild des Geistes Gottes geworden. In meiner Kirche in Dortmund sitzt sie am Taufstein. Im Berliner Dom breitet sie im Fenster hochhoben in der Kuppel ihre Flügel aus. So scheint der Geist Gottes über der großen Gemeinde zu schweben. An vielen barocken Kanzeln befindet sich in der Haube über der Predigerin oder dem Prediger eine kleine Taube, so als will sie dafür sorgen, dass der Gemeinde die rechten Worte verkündigt werden.

 

Musik 2: Up Above My Sky

Text und Musik: Walter Trout & Marie Trout; Album: Ordinary Madness; Label: 2020 Mascot Label Group/Provogue; LC: 03090.

 

Autor: Menschen brauchen Symbole. Wie eine Taube kam der Geist Gottes über Jesus Christus. Aber im entscheidenden Moment reicht das Sinnbild der sanft schwebenden Taube nicht aus:

 

Sprecherin: Als das Pfingstfest kam, waren wieder alle zusammen, die zu Jesus gehörten. Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten. Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. (3)

 

Autor: So schildert die Apostelgeschichte des Lukas das erste christliche Pfingstfest. Ein starker Wind, vielleicht ein Sturm, und dazu Flammen sind die Kennzeichen dafür, dass dieser Geist nun auf die Menschen übergegangen ist. Sie haben die Aufgabe, nun die gute Nachricht weiterzugeben, für die Jesus Christus in diese Welt gekommen ist.

Er vergibt der Ehebrecherin, als alle auf sie zeigen und sie verurteilen. Er teilt Brot und Fisch, als jeder nur an sich denkt. Er stärkt Menschen, die sie für Frieden einsetzen. Das ist die Botschaft von Liebe und Solidarität.

Damit das gelingt, müssen Menschen innerlich für diese Botschaft brennen. Die Flammen, von denen die Apostelgeschichte berichtet, sind ein Bild für Tatendrang und Freude an dieser Aufgabe. Aber genau wie bei der Taube, die für den Heiligen Geist steht, sind die Flammen nur ein Sinnbild für das innerliche Brennen für eine Sache, die mir am Herzen liegt. Der Geist kommt wie eine Taube auf Jesus zu, und es erscheint etwas wie züngelnde Flammen, das die Freunde von Jesus mit dem Heiligen Geist erfüllt.

 

Heiliger Geist, so nennt Lukas in der Apostelgeschichte diesen Geist, den Matthäus als Geist Gottes bezeichnet und den Johannes Geist der Wahrheit nennt. Dieser Geist ist so vielfältig, dass eine einfache Bezeichnung dafür nicht ausreicht. Dieser Geist ist unfassbar wie der Sturm, der weht. Ich kann diesen Geist nicht festhalten, aber ich spüre seine Wirkung. Ich werde von diesem Geist bewegt, so wie eine starke Brise ein Segel aufbläht, damit das Schiff Fahrt aufnehmen kann.

Und das Feuer, das in mir brennt, gibt mir Energie, mich einzusetzen für etwas, das mir wichtig ist.

Diese sprachlichen Bilder sind die Zeichen des Pfingstfestes. Zeichen für einen Aufbruch, die Werte, für die Jesus Christus steht, in die Welt zu tragen und mit Leben zu erfüllen, die Botschaft von Liebe, Vergebung und verantwortungsvollem Miteinander.

 

Musik 3: Benjamin, Interpret: Knudsen, Kenneth, Label: STUNT RECORDS; LC: 09237.

 

Autor: Beim ersten Pfingstfest wurden die Freunde, die Jesus auf seinem Weg gefolgt sind, vom Geist bewegt, vom Geist Gottes, dem Geist der Wahrheit, dem Heiligen Geist. Sie waren begeistert, sie waren Feuer und Flamme, ihren Glauben an die Liebe Gottes weiterzugeben.

Und heute? Ist die Kirche Jesu Christi noch begeisterungsfähig? Brennen Christinnen und Christen noch für ihre Sache? Ich selbst habe oft das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Ich erlebe nur selten solch einen starken Wind wie den, der beim ersten Pfingstfest für Begeisterung gesorgt hat. Viel zu oft habe ich das Gefühl, dass der Wind mir ins Gesicht bläst.

Vielleicht ist es ein Trost, dass es manchen anderen ähnlich geht. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Wie kann ich mich vom Geist Gottes bewegen lassen?

 

Bevor die Freunde von Jesus die innere Begeisterung spürten, verging etwas Zeit. Es fiel schwer zu verstehen, dass Jesus nun, so wie sie ihn kannten, nicht mehr unter ihnen war. Sie mussten das Vergangene innerlich verarbeiten. Und das taten sie vor allem im Gebet. Sie brachten ihre Gedanken vor Gott und hofften, Gott würde ihnen einen Weg zeigen. Und sie blieben zusammen. In dieser Gemeinschaft spürten sie das Wirken des Heiligen Geistes, der sie dazu brachte, von ihrem Glauben zu reden. So ging ihre Begeisterung auf viele andere über.

So werden schließlich die ersten christlichen Gemeinden beschrieben: Sie blieben zusammen in der Lehre, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet. (vgl. Apg 2,42)

Es gab sicher auch immer wieder Rückschläge, und viele hatten Anfragen an die Gebote Gottes. Manche waren damit groß geworden und andere nicht. Woran soll man sich halten? Doch sie gewannen immer wieder Kraft, auf den Geist Gottes zu vertrauen, wie durch diese Worte des Apostels Paulus:

 

Sprecherin: Denn das ganze Gesetz ist erfüllt, wenn ein einziges Gebot befolgt wird. Nämlich folgendes: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!« Damit will ich sagen: Lasst euer Leben vom Geist Gottes bestimmt sein und richtet es danach aus. Der Geist bringt als Ertrag: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Güte und Großzügigkeit, Treue, Freundlichkeit und Selbstbeherrschung. Wenn wir durch den Geist Gottes das Leben haben, wollen wir auch aus diesem Geist heraus unser Leben führen. (4)

 

Autor: Wie kann ich mich von etwas bewegen lassen, dass ich nicht sehe? Ich kann versuchen, es zu verstehen. Bevor die Menschen beim ersten Pfingstfest die Wirkung des Geistes wie eine Flamme erleben, spüren sie einen starken Wind, so wird es erzählt. Ich kann vor dem Wind fliehen und mich hinter Mauern verbarrikadieren, aber ich kann mir diesen Wind auch zu Nutze machen.

 

Ein erfahrener Segler weiß, wie er den Wind am besten nutzt. Er weiß, welche Segel er bei welcher Windstärke setzen muss. So kommt er voran, mal langsamer, mal schneller. Und selbst wenn der Wind ihm entgegen weht, kann er kreuzen und so durch Seitwärtsbewegungen doch Stück für Stück in Richtung auf das Ziel zusteuern. Bei zu starkem Wind oder bei völliger Flaute bleibt er im Hafen. Auch dort gibt es Dinge zu erledigen, die ihm bei der nächsten Fahrt helfen. Er macht sich immer wieder schlau, bleibt mit anderen Seglern im Gespräch, studiert den Wetterbericht und pflegt seine Ausrüstung.

 

Wenn ich das Segeln im Wind als Sinnbild für das Leben im Geist verstehe, dann kann mein Glaube immer wieder Fahrt aufnehmen. Dann muss ich mich nicht verstecken, wenn der Wind mir ins Gesicht weht. Ich kann zusammen mit anderen überlegen, wie wir andere Menschen begeistern können. Ich kann Worte wie Liebe, Freude, Frieden, Geduld und Güte mit Leben erfüllen. Dabei helfen mir die alten Symbole, die für den heiligen Geist Gottes seit langem stehen: sanft wie eine Taube, stark wie der Wind und lodernd wie eine Flamme.

Dann werde ich spüren, wie andere mich fragen, woher ich dazu die Kraft bekomme. Dann kann ich sagen: Ich mache es wie die ersten Jünger. Ich bin mit anderen zusammen und tausche mich aus. Ich bete und bleibe mit Gott im Gespräch.

 

Aus Dortmund wünsche ich Ihnen einen gesegneten zweiten Pfingsttag,
Ihr Pfarrer Michael Nitzke

 

Musik 4: Burning,

Text und Komposition: Ida Sand; Album: Do You Hear Me?, 2021 ACT Music+Vision; LC: 07644.  



(1) Matthäusevangelium 3,13.16f. Übersetzung Basisbibel

(2) Johannesevangelium 14,16f.19. Übersetzung Basisbibel

(3) Apostelgeschichte 2,1-4. Übersetzung Basisbibel

(4) Galaterbrief 5,14.16.22.25. Übersetzung Basisbibel

 

  

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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