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Das Geistliche Wort | 24.03.2019 | 08:40 Uhr

Vom Mutterleib an ...

Herzlich grüße ich Sie heute Morgen aus dem CityKloster Bielefeld.

Das CityKloster ist ein geistliches Angebot mitten in der Stadt, mitten im Alltag und will Menschen berühren in ihren konkreten Lebenssituationen. Hier arbeite ich als Gemeindereferentin zusammen mit einem Team von engagierten Männern und Frauen – fast alle sind ehrenamtlich.

Heute Nachmittag erwarten wir ganz besondere Gäste; denn wir haben eingeladen zur Segensfeier für Schwangere. Zwei Mal im Jahr tun wir das. Und jedes Mal freue ich mich riesig darauf! Ich selbst habe keine Kinder. Schwangerschaft und Geburt sind eigentlich nicht mein Thema. Aber ich weiß: was ich heute Nachmittag erleben werde, das berührt mich ganz tief, und davon möchte ich Ihnen erzählen.

Musik 1

Eine unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen ist Hedi Hesse. Von ihr habe ich eine wichtige Botschaft gelernt; denn sie sagt: „Im Segen können wir Menschen erfahren, dass Gott uns seine pure Liebe zuwendet." Das wünscht sie sich für die werdenden Mütter und Väter, die heute Nachmittag zur Segensfeier kommen.

Das Angebot der Segensfeiern für Schwangere geht auf sie zurück; denn 40 Jahre hat Hedi Hesse als Krankenschwester in Geburtskliniken gearbeitet und oft erfahren, was es heißt, wenn werdende Eltern ergriffen sind, sich wundern, staunen, an ihre Grenzen kommen. „Für mich“, sagt sie, „sind das ganz eindeutig Hinweise darauf, dass Schwangerschaft und Geburt zutiefst spirituelle Ereignisse sind.“ Und sie ist fest davon überzeugt: „Es findet eine Begegnung mit dem Heiligen statt!“

Und so kommen die Schwangeren, um sich buchstäblich davon berühren zu lassen. Behutsam legt Hedi Hesse den Frauen eine Hand auf den Kopf, die andere auf den Bauch und segnet sie und ihr ungeborenes Kind. Das mitzuerleben, bewegt mich sehr. Auch für die werdenden Mütter ist dieser Segen sehr beeindruckend, das kann man ihnen ansehen. Oft fließen Tränen. Vor Freude, vor Glück! Weil sie ergriffen sind. Weil sie so etwas Großes erleben: ein Kind wächst in ihrem Schoß heran!

Aber auch das andere Weinen gibt es, das ängstliche, manchmal sogar verzweifelte. Weil diese Schwangerschaft zum Beispiel gar nicht sein sollte, weil sie das ganze Leben auf den Kopf stellt, weil der Partner weg ist, weil nicht alles so glatt läuft und Sorgen sich breit machen. Alle Sorgen, Nöte und Freuden und die damit verbundenen Gefühle finden in der Segensfeier ihren Platz. Hedi Hesse nimmt sich Zeit. Die Frauen spüren: hier geht es um etwas ganz Kostbares. Etwas Großes ist ihnen zugetraut. Worte zur Meditation fassen es zusammen: Gott ist mit mir, mit dem kleinen Wesen, das in mir heranwächst. Ich darf an der Schöpfung mitwirken. Das berührt auch die Männer, die ihre Partnerinnen begleiten. Neben den zarten Gesten des Segnens drücken Lieder und Gebete in der Segensfeier aus, dass der angesprochene Gott zugewandt ist, dass er ein liebender Gott ist. Da heißt es etwa im Psalm 139: „Du selbst, (Gott,) hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen“ .

Ist das nicht wirklich zum Staunen, wie Gott und Mensch zusammenwirken, jedenfalls wenn man glaubt, dass man ein Kind nicht einfach machen kann, sondern empfängt? Auch wenn keiner mehr dieses etwas altmodische Wort benutzt – dass ein Kind ein Geschenk ist, das spüren viele, vielleicht sogar, dass Gott mit dem Ereignis der Schwangerschaft zu tun hat. Hin und wieder erzählen die Paare, die bei der Segensfeier dabei waren, davon. Manche kommen später nach der Geburt sogar noch einmal im CityKloster vorbei, und wenn sie dann freudestrahlend ihr Baby präsentieren, dann kann man das Glück und den Stolz auf ihren Gesichtern ablesen: So etwas Tolles, so ein Wunderwesen, das haben wir zusammen mit Gott zur Welt gebracht!

Musik 2

Wie eng Gottes Handeln mit den Menschen und ihrer Körperlichkeit verbunden ist, das weiß auch die Bibel. Auch die Bibel erzählt von schwangeren Frauen, von werdenden Vätern und von den Ereignissen rund um Schwangerschaft und Geburt, Es sind Freud- und Leidgeschichten wie im richtigen Leben.

Eine solche Geschichte wird morgen in der katholischen Kirche erzählt, denn morgen in neun Monaten ist Weihnachten, die Geburt Jesu. Und morgen wird genau dieses Ereignis angekündigt: es ist die „Verkündigung des Herrn“.

Ein Engel – so heißt es im Lukasevangelium – wird von Gott nach Nazareth zu einer jungen Frau gesandt. Er tritt bei ihr ein und sagt: „Sei gegrüßt du Begnadete, der Herr ist mit dir! Fürchte dich nicht, Maria; … du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ Was für eine Geschichte! Nun, wahr ist sie nicht, jedenfalls wenn man „wahr“ so versteht, als hätte einer mitgeschrieben, fotografiert und nachher darüber in der Zeitung berichtet. Nein, diese Geschichte ist vielmehr kunstvoll komponierte Poesie, verdichtete Erfahrung. Und in diesem anderen Sinn ist sie sogar noch viel wahrer; denn in der Beschreibung der Begegnung des Engels mit Maria ist das zentrale Thema des christlichen Glaubens zusammengefasst: Mit Haut und Haar lässt Gott sich ein auf diese Welt.

Der Gruß des Engels gilt eigentlich jedem, der ihn seitdem liest oder hört, auch jetzt heute Morgen: „Gott ist mit dir!“ Wie eine Ouvertüre steht diese Botschaft am Beginn des Lukas-Evangeliums. Alles, was von Jesus und durch Jesus gesagt wird über Gott und Gottes Beziehung zu jedem einzelnen Menschen, das kündigt sich hier an: Gott ist ein Gott bei den Menschen.

Eine Liedzeile fasst wunderschön zusammen, was damit alles gemeint ist: „Gott teilt mit uns ein Menschenlos vom ersten Tag im Mutterschoß bis in die Nacht des Todes.“

Musik 3

Gott teilt das Leben mit uns Menschen. Oder mit Blick auf die Menschwerdung Jesu gesagt: Gottes Liebe zu den Menschen bekommt in Jesus Hand und Fuß. Er ist das Lebenszeugnis von der bedingungslosen Liebe Gottes. Mit diesem nahen zugewandten Gott lebt Jesus, zu ihm betet er. Er spricht den großen Gott so vertraut an, wie es vorher noch niemand gehört und getan hatte, so vertraut wie Kinder in der Familie ihren Papa ansprechen. Jesus nennt ihn zärtlich Abba. So erfahren die Menschen damals wie heute eine ganz neue Qualität der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Niemand muss Gott durch Opfer, durch Leistung gnädig stimmen. Seine Liebe ist gratis, einfach geschenkt! Ich stelle mir vor: nichts wünscht Gott sich mehr, als dass wir ihm diese Liebe glauben. Vor solch einem Gott, wie Jesus ihn verkündet, muss niemand Angst haben. Er ist kein richtender, sondern ein aufrichtender, ein absolut liebender, barmherziger Gott.

„Barmherzigkeit“ ist ein biblisches Schlüsselwort. Wenn Jesus von der Barmherzigkeit als Gottes innerstem Wesen spricht, dann hören hebräisch sprechende Menschen noch viel mehr als wir. Wörtlich bedeutet das hebräische Wort für Barmherzigkeit nämlich „Mutterschoß“. Der Theologe Pater Reinhard Körner hat auf diesem Hintergrund das Wort von Gottes „Mutterschoßigkeit“ geprägt, ein ganz schönes Wort, finde ich. In diesem Wort verbirgt sich einerseits der unvorstellbar große Schöpfergott, aus dessen Schoß das ganze Universum und alles was lebt ins Leben drängt, und gleichzeitig klingt in diesem Wort so eine zärtliche Liebe Gottes, wie sie – sucht man nach einem menschlichen Vergleich - vielleicht nur eine Mutter zu ihrem Kind fühlen kann. Schon beim Propheten Jesaja findet sich dieser Vergleich, der Bezug nimmt auf dieses innerste Wesen Gottes: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht.“

Musik 4

Wer könnte Gottes Mutterschoßigkeit besser nachempfinden als werdende Mütter und Väter? Bei der „Segensfeier für Schwangere“ heute Nachmittag im CityKloster darf ich es wieder miterleben, wie Hedi Hesse, die Leiterin der Feier, die schwangeren Frauen vor dem Segnen bittet: „Nehmen Sie innerlich Kontakt zu Ihrem Kind auf, stellen Sie sich sein Köpfchen vor, seine kleinen Füße und Hände. Senden Sie ihm Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Liebe!“ Und ich stelle mir vor: Sollte es Gott nicht genauso machen, Kontakt mit jedem einzelnen Menschen aufnehmen? Und ihm Aufmerksamkeit und Liebe senden - ein Leben lang?

Ich kann jedenfalls von Gott nicht anders denken: Er ist doch unser Gott vom Mutterleib an. Und manchmal durchzuckt mich der Gedanke, dass er es schon lange, lange vorher war.

Zwar weiß ich auch: Gottes Liebe wird mich nicht vor allem Leid bewahren wird - diese Garantie gibt es nicht - aber Gott wird mich im Leid bewahren, darauf vertraue ich!

Bleiben Sie behütet! Ihre Bärbel Lödige aus Bielefeld

Jesaja 49,15, Die Bibel, Einheitsübersetzung 2016

Lukasevangelium 1,30ff, Die Bibel, Einheitsübersetzung 2016

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Nr. 528, 2

Psalm 22,11b, Die Bibel, Einheitsübersetzung 2016

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