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Kirche in WDR 3 | 25.06.2019 | 07:50 Uhr

Vom Ansehen

Guten Morgen!

Marina Abramovi? ist eine der bekanntesten internationalen Performance-Künstlerinnen. Vor 9 Jahren sitzt sie 736 Stunden lang auf einem Stuhl. Drei Monate sitzt die Künstlerin so jeden Tag im Museum of Modern Art in New York.

Ihr gegenüber steht ein leerer Stuhl. Dieser Stuhl ist eine Einladung an die Besucherinnen und Besucher des Museums, darauf Platz zu nehmen. Eine Einladung, der Künstlerin gegenüber zu sitzen und sich von ihr ansehen zu lassen. Schweigend, ruhig und freundlich. Aber auch, die Künstlerin selbst anzusehen.

Diese persönliche Performance offenbart meine Verwundbarkeit und meine Offenheit für das Publikum, sagt Marina Abramovi? über ihre Veranstaltung.

Nach jeder Begegnung schließt die Künstlerin die Augen und öffnet sie, wenn der nächste Mensch auf dem Stuhl Platz genommen hat. Es scheint, als ob sie kurz

Kraft schöpfen möchte für den nächsten Augenblick.

Es ist still in dem großen Saal, an dessen Seiten sich zahlreiche Menschen

drängen. Museumswärter haben die großzügig quadratische Absperrung in der Raummitte im Blick, lotsen den nächsten Besucher zum leergewordenen Stuhl.

The artist is present – die Künstlerin ist anwesend, nennt Marina Abramovi?

ihre Performance. Eine nüchterne Feststellung für ein tiefes Erlebnis, das sie mit 1.700 Menschen teilt.

Wie reagieren die Menschen, als sie angesehen werden? Das kann man noch heute in Videos im Internet sehen. Manche blicken regungslos zurück. Manche lächeln verlegen. Manche rutschen nervös auf dem Stuhl hin und her. Manchen steigen Tränen in die Augen.

Ja, selten wagen wir Menschen es, uns einem aufmerksamen Blick länger auszusetzen, Ansehen zu erhalten. Dabei ist genau das so wichtig.

Ich sehe dich heißt ich nehme dich wahr. Ich sehe dich und du siehst mich bedeutet lebendige Beziehung.

Davon handelt die Performance von Marina Abramovi?.

Nur einmal steigen der Künstlerin selbst die Tränen in die Augen. Dann, als sie ihre Augenlider öffnet und ihr ehemaliger Lebensgefährte Ulay auf dem leeren Stuhl Platz genommen hat. Diesen Besuch hat sie nicht erwartet. Beide reichen sich spontan die Hände, lächeln sich schweigend an, etwas unsicher, etwas verlegen. Sind tief berührt von diesem intimen Augenblick.

Guter Gott, in der Bibel lese ich im Ersten und im Zweiten Testament, wie genau Du Menschen wahrnimmst.

Abraham, Hannah, Rut oder Jakob spüren Deine aufmerksame Gegenwart und erhalten von Dir Kraft für ihren eigenen Weg.

Jesus sieht den Zweifler Thomas, die chronisch kranke Frau, den Steuerhinterzieher.

Er sieht seinen Freund Petrus, der kurz zuvor behauptet hat: Ich kenne diesen Jesus nicht.

Jesus sieht all diese Menschen an. Er gibt ihnen Ansehen. Verständnisvoll, manchmal mit Mitleid, nie abwertend.

Guter Gott, das Ansehen, das Du mir schenkst, gibt mir Halt in meinem Leben. Manchmal kommen mir die Tränen, wenn wir uns im Alltag überraschend begegnen. Manchmal denke ich, wie es Dir geht, in Deiner Verletzbarkeit und Offenheit für uns Menschen.

Es grüßt Sie Petra Fietzek aus Coesfeld

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