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Kirche in WDR 5 | 21.01.2019 | 06:55 Uhr

Von Gott reden

„Bitte reden sie bloß nicht über Gott“. Das bekam eine katholische Religionslehrerin zu hören. In Bayern. An einer Grundschule. Von ihrer Direktorin. Die Lehrerin sollte einen Vertretungsunterricht übernehmen, die Grippewelle hatte das Lehrerkollegium erfasst. Und da sie zu den Gesunden gehörte, musste sie halt ran. Die Schule schreibt sich Vielfalt und Toleranz auf ihre Fahnen. Und die Direktorin hatte Sorge, dass sich die Kinder anderer Religionen oder die konfessionslosen Kinder aufregen würden – wahrscheinlich aber eher deren Eltern: In der Vertretungsstunde etwas von Gott oder Glauben hören – das könnte als Einflussnahme gewertet werden.

Ich war überrascht bis befremdet als ich das hörte. Als ob schon das Reden über Religion Ansteckungsgefahr bedeutet. Um mal im Bild der Grippewelle zu bleiben: Wir bekommen doch auch Impfempfehlungen ohne dass wir gezwungen sind, uns impfen zu lassen. Aber lassen wir mal den Vergleich. Ich weiß: das Thema Impfung ist mittlerweile auch hoch sensibel.

Wir sind schon eine seltsame Gesellschaft geworden. Auch beim Thema Religion. Für mich heißt Vielfalt und Toleranz, dass ich eben offen bin von anderen zu hören, Andersartigkeit und Andersgläubigkeit respektiere und neugierig bin auf Neues. Ohne Ansteckungsgefahr. Ohne, dass ich selbst deswegen anderes glauben oder leben muss. Mich inspirieren lassen, ja, vielleicht auch weiterbringen, aber ich entscheide doch immer selbst, was mich beeinflusst. Zumindest versuche ich das. Bin mir aber durchaus bewusst, dass es genug psychologische Beeinflussung in unserer Gesellschaft gibt, von der ich oft gar nicht mitkriege, wie sehr sie mein Denken oder Verhalten prägt. Aber eine Religionslehrerin, die das Wort „Gott“ in den Mund nimmt, gehört für mich definitiv nicht dazu.

Meine besten und intensivsten Gespräche über Gott hatte ich meist mit Menschen, die sich selbst als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen und mit Menschen anderer Religionen. Vor sieben Jahren bin ich durch den Nahen Osten gereist, durch die Türkei, den Libanon und Israel. Da habe ich viele Gespräche geführt mit Leuten, die anders glauben als ich. Deren Glaubenszeugnis hat mein eigenes inspiriert.

Entweder habe ich mich gefreut, wie ähnlich unsere Gottesbilder sind, oder mir sind noch mal meine eigenen Schätze bewusst geworden, weil ich meinen Glauben erklären musste. Hierzulande, in dieser angeblich christlich geprägten Gesellschaft, sprechen wir viel zu wenig über unseren Glauben. Selbst ich als Ordensfrau. Ok, wenn ich mich als Schwester Jordana vorstelle fällt es vielen leichter, etwas über ihren Glauben oder Nichtglauben zu sagen, denn bei mir wissen sie ja, dass ich sie deswegen nicht auslachen würde. Aber ganz generell? Da höre ich oft die bayerische Direktorin im Hintergrund: „Sprechen Sie bloß nicht über Gott.“ Ich würde noch mal zuspitzen: Sprechen Sie bloß nicht über den christlichen Gott.

Wobei: wem stößt das wirklich vor den Kopf? Gibt es da nicht genug Neugier? Stört es sie auf einer Urlaubsreise eine Moschee zu besuchen oder hinduistischen Mönchen beim Beten zuzuschauen? Eher nicht. Solange wir im gegenseitigen Respekt leben, kann keine Glaubensbezeugung bedrohlich sein – eher eine Bereicherung. Daher: Falls Sie das hier hören und selbst an Gott glauben: Sprechen Sie doch bitte diese Woche einmal über Gott. Haben Sie den Mut, das Wort „Gott“ ruhig mal in den Mund zu nehmen. Und haben Sie die Neugierde, was andere über Gott sagen. Kommen Sie gut in diese Woche!

Ihre Sr. Jordana Schmidt von den Dominikanerinnen von Bethanien aus Waldniel

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