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Kirche in WDR 4 | 10.08.2020 | 08:55 Uhr

Von Knoten und Liebesfäden

Sprecher:

Und an seines Hauses Schwelle

Wird ein jeder festgebannt;

Aber Liebesfäden spinnen

Heimlich sich von Land zu Land.

(Theodor Storm) (1)

 

Autorin: …so lese ich in einem Gedicht von Theodor Storm. Als hätte der es damals schon geahnt.
Guten Morgen.

Festgebannt an oder gerade mal bis zur Schwelle des Hauses oder der Wohnung waren wir wochenlang. Auch wenn sich die Fesseln längst wieder gelockert haben, die Abstandsregelung gilt weiter, die Maskenpflicht auch. Und jederzeit kann es wieder zum Lockdown kommen.

„Und an seines Hauses Schwelle

Wird ein jeder festgebannt

 

Die Sehnsucht vieler Menschen steigt, sich wieder unbefangen, in aller Freiheit treffen und begegnen zu können. Ich denke an Studierende, die in Köln ihr Studium begonnen haben. Sie sitzen alleine vor dem Bildschirm, statt sich mit anderen in der Mensa zu verabreden. Eine Begegnung im Hörsaal oder Seminar findet nicht statt.

Kein gemeinsames Kochen und Feiern. Festgebannt an der Schwelle des eigenes Zimmers. Und das auch noch über einen längeren Zeitraum.

 

Sprecher:

Immer schwerer wird das Päckchen,

Kaum noch trägt es sich allein;

Und in immer engre Fesseln

Schlinget uns die Heimat ein.

 

Autorin: Heißt es weiter in Theodor Storms Gedicht.

Was werden die nächsten Wochen und Monate bringen?

 

„Aber Liebesfäden spinnen Heimlich sich von Land zu Land“, beendet Storm seine Zeilen.

Unsichtbar, unauffällig und doch zu spüren. Liebesfäden - wie ein Band, das Dinge zusammenhält und miteinander verbindet. Die Verbindung zu den Liebsten,

der Familie, den Freunden reißt nicht ab, sucht sich nur neue Wege.

Ist vielleicht sogar anders intensiv.

Und doch scheint in diesen Zeiten das Band unseres Lebens zum Zerreißen gespannt.

Als wäre der rote Faden meines Alltags zum seidenen Faden geworden.

Geduld und Nerven werden weiter auf eine harte Probe gestellt.

Dazu kommen große finanzielle, existentielle Sorgen und Nöte.

Die zarten Liebesfäden haben sich längst zu einem dicken Knoten verworren.

Nicht nur im persönlichen Leben, auch im Gesundheitswesen, der Wirtschaft,

den KiTas, Schulen, Hochschulen, dem gesamten sozialen, gesellschaftlichen Miteinander.

Es braucht Zeit und Ausdauer bis ein Knoten gerissene Fäden wieder verbindet.

Und es braucht auch lange, bis der Knoten in einem Faden so straff gezogen ist,

dass man ihn kaum noch sieht. Wie eine Narbe, die bleibt.

Wie ein Knotenpunkt auf meinem Lebensfaden und dem unserer Welt.

Ja, auch Corona wird Knoten und Spuren hinterlassen. Im Leben der Einzelnen und in unserer Gemeinschaft. Und wenn ich über das Gewebe aus Fäden in meinem Leben taste, dann bleibe ich ab und zu an so einem Knoten hängen. Er erinnert mich an Verknotungen in meinem Leben. Da ging etwas zu Bruch, wurde etwas auseinandergerissen. Aber der Knoten gibt mir zugleich auch Widerstand und ich kann an ihn anknüpfen.

Vielleicht sind gerade die Coronaknoten auf unserem Lebensfaden gute Anknüpfungspunkte für andere. Für einen veränderten Blick auf mein Leben, meinen Alltag, die Welt. Zarte Liebesfäden, die sich heimlich von Land zu Land spinnen.

Darum lasst uns nun auch heute den Faden neu aufnehmen und aneinander anknüpfen.

 



  

(1) Theodor Storm, aus: „An die Freude“, Gedichte (Ausgabe 1885), Berliner Augabe, 2016  4. Auflage, Zweites Buch, S. 96.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

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