#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr4 

evangelisch

Sonntagskirche | 27.06.2021 | 08:55 Uhr

Von Rattenfängern und Menschenfischern

Guten Morgen.

Am 26. Juni 1284 – also gestern vor genau 737 Jahren - soll es passiert sein: In Hameln entführte ein bunt gekleideter Rattenfänger alle Kinder der Stadt. Der Mann hatte Hameln zuvor von einer Rattenplage befreit, war aber nicht, wie vereinbart, bezahlt worden - so erzählt es die Sage der Brüder Grimm. Daraufhin lockte er 130 Jungen und Mädchen aus der Stadt hinaus mit seinem betörenden Flötenspiel und verschwand mit ihnen auf Nimmerwiedersehen.

 

Die Sage hat wohl einen historischen Kern: Der Rattenfänger mag einer der Werber gewesen sein, die Halbwüchsige in die östlichen Regionen lockten - nach Brandenburg, Pommern, Mecklenburg – wo damals neues Land urbar gemacht wurde. Eine rosige Zukunft versprach er den jungen Leuten. Hameln musste wohl den Verlust einer ganzen Generation verschmerzen. Noch heute darf in der Bungelosenstraße der Hamelner Altstadt keine Bunge – keine Trommel - erklingen und nicht getanzt werden, aus Respekt vor den verlorenen Kindern.

 

Die Geschichte ging nicht nur den Menschen von Hameln ans Herz – in mehr als 30 Sprachen wurde die Sage übersetzt - und weitererzählt wird sie in vielen Ländern der Erde.

 

Rattenfänger wurde gar zum geflügelten Wort für Leute, die die Not anderer schamlos ausnutzen und das Blaue vom Himmel versprechen, um sie einzuspannen für eigene Interessen.

 

Rattenfänger. Jetzt - während Fußball-EM – gehen die Blicke vermehrt nach Katar, wo Frauen und Männer aus Nepal, Indien oder afrikanischen Ländern unter miesesten Bedingungen schuften, und schon mehrere Tausend Menschen auf den Baustellen ihr Leben verloren für die WM im nächsten Jahr. Aber auch hierzulande gibt es immer noch solche Schlagzeilen: „Quartier mit Ratten und Schimmel – Schlimme Zustände in Leiharbeiter-Unterkünften der Fleischindustrie. (1)

 

Rattenfänger waren und sind eine schlimme Plage zu allen Zeiten.

 

Aber - hat Jesus nicht Ähnliches getan und gesagt? „Von nun an wirst du Menschen fangen“ sagte er zu dem Fischer Petrus. (2) Am See Genezareth hatte er ihn getroffen. Mit zwei Gefährten hatte Petrus müde am Ufer gehockt und die Netze gewaschen. Die ganze Nacht hatten die drei diese Netze ausgeworfen, aber nichts gefangen. Und jetzt: Menschen fangen? Menschenfischer werden?

Tatsächlich: „Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.“ Folgten sie Jesus so nach, wie die Kinder dem Rattenfänger von Hameln?

 

Zwischen Rattenfängern und Menschenfischern gibt es einen himmelweiten Unterschied:

Rattenfänger verlocken Kinder, egal, ob die dabei flötengehen - Menschenfischer aber widmen sich Kindern, dass die froh-locken, und segnen sie, wie Jesus es tat. Menschenfischer ködern nicht, auch umgarnen und bedrängen sie nicht. Das machen nur Rattenfänger, leider auch in frommem Gewand. Petrus und seine Gefährten brachten damals die Boote an Land und folgten Jesus nach, um Menschenfischer zu werden, um Freude, Licht und Hoffnung zu den Menschen zu bringen. Machen wir’s ihnen nach!

  

 

(1) Hellweger Anzeiger vom 22.04.2021 Titelseite.

(2) Die Bibel, Lukas 5,10.

 

  

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen