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Kirche in WDR 2 | 22.05.2020 | 05:55 Uhr

Vor der eigenen Haustüre

„Wir müssen nach vorne schauen“ – eine motivierende Einstellung, die meistens absolut berechtigt ist. Gerade, wenn man sich im Krisenmodus befindet. Aber ich schaue heute nach hinten. Ganz bewusst. In die Vergangenheit. Denn auch das kann inspirieren.

Ich schaue auf den 22. Mai 1943. An diesem Tag wird Betty Williams in Nordirland geboren. Nordirland – Sie erinnern sich. An die religiös und politisch motivierten Konflikte. Schon als Kind erlebt sie wie unfassbar schrecklich es sein kann, wenn der Vater Protestant, also evangelisch ist und die Mutter Katholikin.

Die Zugehörigkeit zu verschiedenen Konfessionen ist damals in Belfast, Nordirland, ein absolutes No Go. Die Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken sind über Jahrzehnte blutig. Williams Großvater wird tätlich angegriffen, weil sein Sohn, eine Katholikin heiratet. Also Bettys Mutter. Doch das ist nur der Anfang.

Als drei Kinder vor Bettys Augen ums Leben kommen, kann sie nicht mehr tatenlos zusehen. Sie gründet mit Anderen die ´Community of Peace People´. Und zwar direkt vor ihrer Haustür. Sie versucht, ihre Nachbarn von der Sinnlosigkeit dieser Gewalt zu überzeugen. Die Community wächst und wächst. Sie wird zu einer der einflussreichsten Friedensbewegungen in Nordirland. Betty Williams bekommt sogar den Friedensnobelpreis.

Sie hat andere Menschen aufgerüttelt. Die Medien berichten über sie und ihren unermüdlichen Einsatz. Sie geht von Tür zu Tür. Diskutiert und motiviert. Die Friedensbewegung wächst unaufhaltsam. Im Jahr 1976 demonstrieren knapp eine halbe Million Menschen in Großbritannien und Nordirland gegen die Gewalt und für Versöhnung.

In den letzten Jahrzehnten ist es relativ still geworden um Betty Williams. Und in diesem Frühjahr ist sie im Alter von 76 Jahren gestorben. Ich finde diese Frau beeindruckend. Sie hat einfach losgelegt. Vor ihrer Haustür. Es war nicht ihre Absicht, einen Preis zu bekommen.

Also, wenn jemand mal wieder sagt: „Wir müssen nach vorne schauen! Lasst uns die Welt verbessern!“

Und dann sagt ein anderer: „Aber was kann ich schon ausrichten?“

Dann sage ich: „Ne Menge! Und zwar direkt vor der Haustür.“

Und dann geht’s los. Oder weiter. Denn zum Glück ist Betty Williams nicht der einzige Mensch auf der Welt, der sich für den Frieden einsetzt oder eingesetzt hat. Aber es dürfen gerne immer mehr Menschen werden, die aus der Haustür treten und mitmachen.



angeregt durch: https://www.bbc.com/news/uk-northern-ireland-51955163


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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