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Kirche in WDR 2 | 02.10.2019 | 05:55 Uhr

Krankenhaus

Sie schnarcht. Ganz fürchterlich sogar. Die Frau neben mir im Krankenhausbett. Ein Bett weiter piept irgendein Gerät. Und ich selber wälze mich auch von einer auf die andere Seite, weil mein Schmerz mich nicht schlafen lässt, bis ich mich entschließe,  um Nachschub in der Medikation zu bitten. Ich drücke die Klingel und eine halbe Ewigkeit später kommt die Nachtschwester. Ich sehe ihr an, dass es viel ist, in so einer Nacht für eine ganze Station zuständig zu sein. Aber sie ist freundlich und geduldig, auch wenn ich spüre, dass es schnell gehen muss.

Krankenhausnächte sind lang und unruhig. Das habe ich vor einigen Wochen am eigenen Leib erfahren. Nicht dass die Tage ruhiger wären. Da macht sich dann die Hektik des Alltags breit mit den vielen Anforderungen an die Patienten, Ärzte und Schwestern. Aber die Nacht bringt kaum Ablenkung und ich bin alleine mit der neuen Situation. Das Kopfkino läuft und die Sorgen darum wie es weitergehen soll haben mehr Macht über mich als am Tage.

Aufgeboben und gut gepflegt? Das fühle ich mich nicht. Gerade wer die die Bilder so mancher Krankenhausserie vor Augen hat, wird von der Realität des Pflegenotstandes schnell eingeholt Die Visite der Ärzteschar rauscht vorbei. Und noch ehe ich eine Frage formuliert habe, sind sie weg und ich bleibe zurück mit der Unsicherheit einer Diagnose. Keine ausführlichen Gespräche und Händchenhalten am Bett. Wie auch, bei vierzig, teils bettlägerigen, Patienten und zwei Schwestern im Dienst. Oder einem Facharzt für´s ganze Haus – und das vielleicht schon seit über 30 Stunden.

Ich war ja noch eine der fitteren Kranken, eine die sich zu helfen weiß, eine, die ein gutes Netzwerk an Menschen hat, die sich sorgen und kümmern. Da ist aber auch die Vierundsiebzigjährige, die niemanden hat, der sich kümmert oder für sie sorgt. Die bei der Entlassung in eine leere Wohnung zurückgeht und schauen muss, wie sie ihren Alltag regelt. Wir bräuchten wieder Gemeindeschwestern oder Gesundheitscoaches. Menschen, die in Hilflosigkeit Hilfe anbieten, selbstverständlich da sind, beraten, etwas erledigen. Denn Krankheit ist ein Ausnahmezustand.

Ich weiß von NachbarInnen, die diese Funktion ganz selbstverständlich übernehmen. Von Söhnen und Töchtern, Freundinnen oder Bekannten, die nicht lange fragen, sondern zupacken, helfen, begleiten. Diesen besonderen Menschen heute ein großes Dankeschön. Ich selbst verliere das viel zu schnell aus den Augen. Und erst meine eigene Hilfsbedürftigkeit in diesen Krankenhausnächten mit schnarchenden Zimmernachbarinnen, macht mich wieder sensibel dafür, dass ich meine Augen aufhalte und einfach mal aktiv werde, wenn ich sehe oder ahne, dass da jemand meine Hilfe braucht. Das sind manchmal nur die kleinen Gesten, die das Gefühl eines Kranken schmälern, lästig zu sein. Kleine Dinge, die den Unterschied machen zwischen aussichtslos und hoffnungsvoll.

Und allen, die heute krank sind, allein, einsam, hilflos, schicke ich meine guten Gedanken und den Wunsch, dass ihnen Menschen begegnen, die diese Engel sind.

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