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Kirche in WDR 2 | 01.12.2020 | 05:55 Uhr

Warten

Und? Schon das erste Türchen aufgemacht am Adventskalender? Ab heute werden die Tage gezählt. Weihnachten rückt in Sichtweite. Viele Kinder können es kaum noch erwarten. Bei uns zuhause gibt’s immer zwei Adventskalender: einen mit Schokolade, ganz traditionell, und einen zum Lesen. Da gibt es jeden Tag eine kleine Geschichte, ein Gedicht – und manchmal eine Aufgabe. Am Sonntag ging’s schon los, passend zum ersten Advent.

„Stell dich bei Dämmerung vor ein großes Wohnhaus und warte, bis elf Fenster erleuchtet sind.“ Zugegeben, diese Aufgaben sind seltsam, aber alle drehen sich ums Warten. Und darum geht’s ja im Advent: Warten darauf, dass Gott zur Welt kommt.

Soll ich das wirklich machen? Mich vor ein großes Haus stellen und warten, bis elf Fenster erleuchtet sind? Es klingt so absurd. Aber es reizt mich. Also versuche ich es. Stelle mich an die Straße und warte. Elf Fenster? Wird schon klappen. Früher oder später. Ich brauche nur ein bisschen Vertrauen.

Ich rieche den Regen. Ich warte. Nichts geschieht. Warum stört es mich so, wenn ich nichts tun kann? Ich muss wohl beim Warten, beim Nichtstun tatsächlich innehalten. Loslassen. Wirklich mal auf andere Gedanken kommen. Vielleicht hat Vertrauen auch etwas mit Geduld zu tun.

Worauf warte ich? Auf Weihnachten, klar. Auch wenn dieses Jahr alles anders wird. Unsere Tochter kommt nach Hause, das erste Mal. Hätte nie gedacht, dass ich sie mal so erwarten würde. So gespannt, so froh. Spät abends in der Kirche all die andern wiedertreffen? Glühwein trinken, quatschen, lachen? Das wird wohl nichts. Wie sehr mir das fehlt: Die Freunde sehen, sich in den Arm nehmen, zusammenstehen. Oh ja, ich warte auf Nähe. Gott kommt zur Welt? Ich würde gerne etwas davon spüren.

Hört der Regen auf? Gegenüber sind fünf Fenster erleuchtet. Tatsächlich warte ich darauf, dass eine Freundin gesund wird. Alle vier Wochen bekommt sie eine Chemotherapie. Die Aussichten sind gut, aber es dauert. Ach, und ich erwarte, dass ein Freund sich endlich meldet.

Ich fange an zu sortieren: Für manches kann ich selbst etwas tun, bei anderen Sachen brauche ich Geduld. Oder eben Vertrauen. Dass das schon werden wird. So wie hier draußen im Nieselregen. Inzwischen sind acht Fenster hell. Die drei schaffe ich auch noch. Und dann gehe ich rein und mache überall zur Straße hin das Licht an. Vielleicht steht ja irgendwo noch jemand und wartet.

 

 

 

 

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