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Kirche in WDR 2 | 05.03.2019 | 05:55 Uhr

Einer muss dran glauben

Einer muss dran glauben

Heute Nacht muss wieder einer dran glauben. Heute Nacht wird wieder einer brennen. Na, im Grunde ist es nicht nur einer. Dutzende Strohkameraden werden heute, Schlag Mitternacht, in Flammen aufgehen. In Köln wird es immer der Nubbel sein, in Düsseldorf der Hoppeditz, in Essen und Dortmund der Bacchus, in Bonn der Zachäus. Meist wird er vor Kneipen brennen und vorher wird ihm ein Tribunal gemacht, das aus einem Drehbuch von einem semi-schlechten Inquisitions-Schinken stammen könnte: Ein als dunkler Priester verkleideter Karnevalist liest dem Angeklagten die Leviten:

O-Ton Urs von Wulfen (2016) „Wer ist schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Der Nubbel!“

Der Nubbel ist der Sündenbock des Karnevals. Der muss für alles büßen, was in den letzten Tagen drunter und drüber gegangen ist. Das Prinzip ist uralt. In der Bibel ist es der Sündenbock, der in die Wüste gejagt wird. Und heutzutage auf dem Kinderspielplatz oder auf dem Schulhof ist es immer der oder die andere: „Ich hab die Jenny nicht getreten. Das war der Kevin – die olle Stinknase.“

Sündenböcke gibt es nicht nur bei den Kindern:  Es ist immer leichter, die Schuld bei anderen zu suchen als bei sich selbst. Die anderen sind schuld – das ist das uralte Muster, das sich in allen Gesellschaften durchzieht: seien es die Anders-Gläubigen, die Anders-Aussehenden, die Anders-Liebenden, die Anders-Denkenden. Und leider haben diese anderen Menschen in der Geschichte oft auch daran glauben müssen und sogar dafür brennen müssen. Da ist der Nubbel noch die harmloseste Variante.

Im Grunde ist die Nubbelverbrennung ein Reflex darauf, was früher an diesem letzten Karnevalstag auf der Tagesordnung stand. Als der Karneval nämlich noch nicht flächendeckend regierte, und die Fastenzeit noch nicht vom Heilfasten her abgeleitet wurde, sondern „österliche Bußzeit“ genannt wurde, da hieß der heutige „Veilchendienstag“ noch „Beichtdienstag“. Da hatte die katholische Kirche Land auf Land ab zu einem vierzigstündigen Bußgebet aufgerufen – als Vorbereitung auf den Aschermittwoch.

Da ging es also darum, seine eigene Schuld zu bekennen. Und gerade nicht auf den anderen zu zeigen. Schon Jesus, der Zimmermann aus Nazareth, sprach davon, dass man eher den Splitter im Auge des anderen sieht, als das Brett vorm eigenen Kopf. Und im Grunde hält die Nubbelverbrennung den Beteiligten auf eine lustige Weise den Spiegel vor. Denn allen, die dem Nubbel den Prozess machen, ist klar: Gemeint sind eigentlich wir selbst. Und das hat was mit dem Wissen zu tun, dass wir eben nicht nur Engel sind, sondern auch Schuld mit uns durchs Leben tragen. Jeder. Der Nubbel erinnert daran – mit kniependem Auge. Und daher ist mir der Nubbel symphatisch.

Aber noch brennt er ja nicht. Noch Veilchendienstag-Morgen, noch ist Zeit für Karneval und die „kleinen Sünderlein“, die Willy Millowitsch so schön besungen hat. Und falls Sie heute noch mal so richtig jeck sein wollen, dann rate ich Ihnen – als Linker Niederrheiner – dringend nach Mönchengladbach zu fahren. Da findet der größte Umzug an diesem Tag statt. Oder nach Krefeld-Hüls, da schmeißen sie heut Porree-Stangen und rufen „Breetlook“ – Breitlauch. Aber das ist eine andere Geschichte. In jedem Fall: noch einmal, Allaaf, Helau, Breetlook und Halt Pohl!!

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