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Kirche in WDR 2 | 04.06.2021 | 05:55 Uhr

Was du willst und was du brauchst

„Bevor du nimmst, was du kriegen kannst, warte lieber, bis du bekommst, was du brauchst.“

 

Steht da. Handgeschrieben. Auf einem Zettel, etwa Din A 5 groß. Einfach so an die graue Häuserwand geklebt. Von wem auch immer. „Bevor du nimmst, was du kriegen kannst, warte lieber, bis du bekommst, was du brauchst.“ Wer das wohl da hingehängt hat? Ein Möchtegern-Künstler? Ein unbekannter Dichter? Oder einfach nur jemand, der einen dieser Facebook-Kalendersprüche unter das Volk bringen wollte? Wie auch immer. Mich spricht das an. Ich denke noch eine ganze Weile darüber nach, während ich weitergehe Richtung Supermarkt.

Es stimmt ja. Was einer will und was einer braucht, das ist nicht dasselbe. Bei mir passt das: Wie oft bin ich auf der Suche nach dem, was ich noch alles gerne hätte. Und dies könnte ich noch haben. Und das wäre noch nett. Dabei geht’s nicht nur ums Kaufen und Haben. Dieses Ziel noch erreichen, diese Sehenswürdigkeit noch abhaken. Sowas gehört auch dazu. Und oft bin ich enttäuscht, manchmal regelrecht sauer. Weil ich es nicht bekomme, obwohl andere es doch auch haben. Manchen Sachen jage ich mit echt viel Aufwand an Zeit und Energie hinterher. Aber wenn ich in Ruhe nachdenke: Eigentlich brauche ich das Meiste von dem gar nicht wirklich.

Was brauche ich? Meine Familie. Auf jeden Fall. Frau, Kinder. Jemanden, der sich freut, mich zu sehen. Jemanden zum lieben und geliebt werden. Freunde. Die brauche ich wirklich. Und natürlich, ganz praktisch: Eine Wohnung. Zu essen. Eine Krankenversicherung. Eine Aufgabe, für die es sich lohnt, morgens aufzustehen. Vielmehr muss gar nicht sein. Wenn ich so überlege: Eigentlich könnte ich zufrieden sein. Denn Vieles davon habe ich.

 

Dass ich so rastlos auf der Suche bin nach immer mehr und mehr, liegt gar nicht daran, dass ich zu wenig habe. Eher daran, dass ich das, was ich habe, nicht genug wertschätze.

 

Jesus erzählt einmal von einem reichen Bauern. Als es eine besonders gute Ernte gibt, freut der sich: Nur noch einmal größere Scheunen bauen, dann kann ich mich zur Ruhe setzen und das Leben genießen. Endlich das tun, was ich immer schon tun wollte. In dieser Nacht stirbt er. Ohne wirklich gelebt zu haben. Weil er, chronisch unzufrieden, sein Leben immer verschoben hat. Auf den Moment, wenn er endlich all das hat, was er haben will.

 

Danke, lieber Zettelschreiber. Unbekannterweise. Danke für die Erinnerung daran, wie reich ich eigentlich bin. Weil ich zwar längst nicht alles habe, aber doch viel von dem, was ich wirklich brauche.

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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