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Das Geistliche Wort | 13.05.2021 | 08:40 Uhr

Was schaut ihr zum Himmel?

I.             „Kommt und seht“

Guten Morgen heute am Christi Himmelfahrtstag! Ich bin Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und möchte Sie mitnehmen zum dritten Ökumenischen Kirchentag, der heute in Frankfurt am Main beginnt. Auch wenn fast alles nur dezentral und digital am Wochenende präsentiert wird: Ich lade Sie ein; er steht unter dem Leitwort: „schaut hin!“

Musik I: Peter Hamburger, Schaut hin

Wer jemals Krimis im Fernsehen gesehen hat, weiß, wie wichtig bei Kriminalfällen die Augenzeugen sind. Das gilt nicht nur für diese erfundenen Fälle, sondern das ist auch ein wichtiger Beweis in Strafprozessen: wer hat was gesehen? – Das Gericht wie auch wir im Alltag vertrauen auf das, was wir gesehen haben; oder was andere wahrheitsgetreu berichten können, - weil sie es gesehen haben, weil sie hingeschaut haben.

Im Text des heutigen Festes „Christi Himmelfahrt“ geht es auch um das Hinschauen. Vom Abschied Jesu sagt die Apostelgeschichte: Jesus „wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten,  da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ (Apg 1,9-11).

Sollen die Jünger offenbar nicht in den Himmel schauen, besser gefragt nicht auf den Himmel achten? Lassen Sie uns ein wenig bei dieser Frage bleiben.

Im Johannesevangelium wird bereits am Anfang des Wirkens Jesu vom Schauen, vom Sehen erzählt. Johannes der Täufer, der am Jordan predigt, sieht Jesus vorübergehen und ruft: “Seht, das Lamm Gottes!“ (Joh 1,36) Und als dann zwei der Anhänger des Täufers diesem Jesus nachfolgen, da entspinnt sich ein Dialog. Auf die Fragen der Beiden, gibt Jesus keine langen Antworten, sondern sagt nur: „Kommt und seht!“ - und als Reaktion hören wir nur das Echo: „sie kamen und sahen’s“. Und so geht es weiter in dieser Geschichte der Berufung der ersten Jünger. Nathanael, der zweifelt, ob denn wirklich aus dem Kaff Nazareth der Messias stammen könne, er hört nun von Philippus das: „Komm und sieh!“

Und es geht noch weiter in diesem Text mit dem Sehen: Zu Nathanael sagt Jesus: „Du wirst noch Größeres sehen.“ Und dazu die Verheißung: „Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn.“

Diese Verheißung erinnert uns an eine andere Geschichte im Alten Testament, wo es auch etwas zu sehen gibt – allerdings im Traum. Da geht es um den Traum Jakobs, der eine Leiter bis zum Himmel sieht, auf dem Engel herauf und hinabsteigen. (Gen 28,11) Was für Aussichten!

Aber was gab es für die Frauen und Männer der Jüngerschaft und auch heute für uns zu sehen? Jesus sagt einmal über Johannes den Täufer: „Was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Die fein gekleidet sind, die findet man in den Palästen der Könige“. (Mt 11,8)

Und Jesus selbst gibt eine bemerkenswerte Antwort auf die Frage des offenbar zweifelnden Johannes, ob Jesus denn wirklich der Messias, der verheißene Christos, sei. Er sagt: „Berichtet ihm, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium - eine frohe Botschaft - verkündigt.“ (Lk 7,22).

Das ist es, was es bei Jesus zu sehen gibt. Es sind die Verheißungen des Propheten Jesaja. Zu sehen sind bei Jesus die Zeichen einer merkwürdigen Pracht, einer Herrschaft, die alle antiken wie auch heutigen Wertevorstellungen auf den Kopf stellt, eine wirkliche „Umwertung aller Werte“: Der Letzte als der Erste, der Diener als der Herrscher, der Besiegte als der Sieger, der am Pfahl Hingerichtete lebt.

War es das, was die Jünger wirklich sehen wollten? Oder suchten sie nicht vielmehr nach starken Bildern, die Zeichen eines Befreiers und starken Herrschers? Und das war nun alles? So scheinen die Jünger sogar noch zum Zeitpunkt seiner Himmelfahrt zu fragen als die Engel ihnen sagten: „Was schaut ihr zum Himmel empor?“

Musik II: Peter Janssens / Wilhelm Willms, Der Himmel geht über allen auf

 

II.            „schaut hin“

Wenn Sie dieses Lied hören, werden vielleicht Erinnerungen an schöne Kirchen- oder Katholikentage wach. Nicht zum Himmel schauen, sondern hinschauen auf die Welt, darum geht es. „schaut hin!“ das ist das Motto des dritten Ökumenischen Kirchentages. Von heute bis zum Sonntag wollten wir, der Deutsche Evangelische Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, zum dritten Mal diesen gemeinsamen Kirchentag feiern. Wir haben lange geplant für ein großes Fest mit über 150.000 Menschen in Frankfurt, der Stadt der religiösen, weltanschaulichen, ethnischen, wirtschaftlichen und auch sprachlichen Vielfalt – auch der sozialen Unterschiede. Wir wollten gemeinsam feiern, diskutieren, beten und uns begegnen.

Und nun sind wir die Augenzeugen einer Pandemie. Das grausame Virus, das inzwischen fast 85.000 Menschen allein bei uns in Deutschland und allein über 3 Millionen Registrierte weltweit getötet hat, hat einen Strich durch alle diesen Planungen gemacht. Und dennoch senden wir ein starkes ökumenisches Zeichen beim „3. ÖKT digital und dezentral“. Wir nutzen die digitalen Möglichkeiten aus und hoffen am kommenden Wochenende auf möglichst viele Aktivitäten auch vor Ort in vielen Gemeinden und Gemeinschaften – immer natürlich unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Aus Frankfurt werden wir Diskussionen, Podien und Konzerte mit interessanten Menschen senden. Wir werden Gottesdienste feiern, heute, am Samstag in ökumenischer Offenheit und Gastfreundschaft für die je andere Konfession und am Sonntag ein Sendungsgottesdienst, der unserem Leitwort entspricht und auch im Fernsehen übertragen wird. Inhaltlich geht es um unser Leitwort „schaut hin!“ Das reibt sich mit dem „was schaut ihr zum Himmel?“ des heutigen Evangeliums. Wohin sollen wir denn schauen? Und wie sollen wir schauen?

Was sieht man, wenn man nach Frankfurt kommt: vor allem die Bürotürme der Banken, Hochhäuser, Menschen - eine pulsierende Großstadt. Aber sieht man auch die Obdachlosen, die im Eingang einer Einkaufspassage übernachtet haben? Auch die Gestrandeten und unter die Räder Gekommenen? Die kann man leicht übersehen. Goethe, der Frankfurter, hat einmal formuliert: „Was ist das Schwerste von allem? Was dir das Leichteste dünket: mit den Augen zu seh‘n, was vor den Augen dir lieget.“ (J. W. von Goethe, Xenien aus dem Nachlass, 45)

Der Blick muss zu den Menschen gehen. Denn das ist uns als Christgläubige aufgetragen: den Menschen zu dienen, Not zu lindern, die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes zur Tat werden zu lassen. Schaut hin! – das ist der Auftrag für uns als die an Christus Glaubenden.

Auf den Gründer der christlichen Arbeiterjugend Kardinal Joseph Cardijn (1882 - 1967) geht eine Regel zurück, die auch für die Ökumene Richtungsweisend ist: „Sehen - Urteilen - Handeln“. – Am Anfang steht das genaue Hinsehen. „schaut hin!“, sehen wir hin und erkennen wir daraus, was es zu tun gibt, welche Aufgaben vor uns liegen!

Musik III: Peter Hamburger, Schaut hin


III.           Gott sehen?           

Im Blick auf das Leitwort des dritten Ökumenischen Kirchentags „schaut hin!“ bleibe ich noch etwas bei der Frage nach dem Sehen. Können wir beim Blick auf die Welt sogar etwas von Gott kennenlernen, kann man ihn sehen? Das Sehen ist für uns zentral: die Naturwissenschaften sind auf der Grundlage des Sehens entstanden. Galilei blickte 1609 durch sein Fernrohr und sah, dass das Weltbild des Kopernikus richtig ist. – Heute ist das ganz anders geworden: der Augenschein ist längst nicht mehr hinreichend für die moderne Physik; ihre Erkenntnisse entziehen sich der Sichtbarkeit. Ein schwarzes Loch kann man nicht fotografieren. Es gibt Etwas über die Sichtbarkeit hinaus. Gilt das nicht auch für den Glauben? Wie kann man auch das sehen, was sich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Berechnung entzieht? - Ein alter Mann mit Bart - das war noch nie eine richtige Weise, um den Einen Gott im Bild darzustellen.

Jesus selbst sagt uns, wie wir Gott sehen können: Wer den Vater sehen will, muss auf Jesus blicken. Jesus tadelt einmal einen Jünger für dessen Bitte Gott zu sehen: " Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater?“ - „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen." (Joh 14,9).

Auf Jesus zu sehen, auf das, was er getan hat, an ihn zu glauben, seinen Willen zu tun, so lässt sich Gott sehen. In seiner Nachfolge erkennen Christgläubige ihren Gott und Vater. Und Jesus Christus lässt sich auch 2.000 Jahre nach seiner Himmelfahrt finden, man kann ihn sehen – wie er es selber sagt – in den ‚Geringsten‘, den Deklassierten, Ausgestoßenen, denen, die an den Rand der Gesellschaft geraten sind. So wollen wir es gemeinsam als Christgläubige der verschiedenen Konfessionen auch beim ÖKT tun. Und ich sehe mich da in einer Verpflichtung, die im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 eindrucksvoll bekräftigt wurde. Wir wollen Zeichen setzen für mehr Gemeinschaft der Gläubigen nicht zuletzt im gemeinsamen Dienst.

Musik IV: Judy Bailey, Remember we are One

Lassen Sie mich schließen mit einer vielleicht erstaunlichen Wendung. Das Christentum, so haben wir gesehen, bezieht den Aufruf „schaut hin“ nicht auf den Himmel, sondern auf die Welt. Und genau dieses Christentum verspricht als letzte Erfüllung des Menschen ein Sehen, eine Schau. Es beruft sich dabei auf jenen Saulus, der nach einer Blendung wieder sehen konnte und zum Paulus wurde. Dieser Paulus, sagt in einem Brief an die Gemeinde in Korinth, im sogenannten Hohelied der Liebe: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“ (1 Kor 13,12). Mit anderen Worten: Bei Gott fallen alle Zweifel, da wird alles offensichtlich: Fragen und Sorgen, der Sinn meines Lebens liegen mir vor Augen.

Schauen wir jetzt in diesen Tagen des Ökumenischen Kirchentags nicht zum Himmel empor, sondern auf unsere Welt, auf unsre Nächsten, auf uns und gemeinsam auf Jesus Christus - dort können wir Gott erkennen.

Der Dichter, Arzt und Mystiker aus dem 17. Jahrhundert mit dem Künstlernamen Angelus Silesius (Johannes Scheffler 1624-1677) formulierte einmal in einem kleinen Gedicht:

„Halt an. Wo laufts du hin?

Der Himmel ist in Dir!

Suchst Du Gott anderswo,

Du fehlst ihn für und für.“

Musik V: Neuer Chor Würselen, Christoph Leuchter, Unterwegs Zuhaus

Aus Münster wünsche ich Ihnen ein schönes Fest Christi Himmelfahrt.

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