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Kirche in WDR 3 | 15.09.2021 | 07:50 Uhr

Die gute Regierung

Heute ist der Welttag der Demokratie – und in elf Tagen haben wir Bundestagswahl. Wir haben es also in der Hand, wohin unser Land steuert. Was das bedeuten kann, das habe ich vor kurzem erst als riesiges Gemälde gesehen. Das war bei meinem ersten großen Auslands-Urlaub seit Corona in Siena, in der Toskana, vor anderthalb Monaten. In Deutschland hatte da gerade die Flut ganze Ortschaften zerstört. Allerdings: Die Schlagzeilen beherrschte an jenem Tag etwas anderes: Laschet‘s Lachen. Sie wissen schon – als er hinter dem Bundespräsidenten in Erftstadt stand.

Ich war, wie gesagt, in Siena. Zum ersten Mal in meinem Leben. Und obwohl der große Platz, der „Campo“, vielen als der schönste Platz der Welt gilt, hat der mich nicht so arg beeindruckt. Was mich aber sehr nachdenklich gemacht hat, das ist der Gemäldefries im Palazzo Publico, dem Rathaus am Ende des Campo. In der ersten Etage nämlich sieht man dort das größte profane Gemälde des Mittelalters: eine Bilderzählung. Es sind die Allegorien der „guten und der schlechten Regierung“, gemalt von Ambrogio Lorenzetti – einem großen Renaissancekünstler, vor bald 700 Jahren. Die vier Fresken füllen jenen Raum des Rathauses, in dem damals die Geschicke der Stadt bestimmt wurden. Das Ganze ist wie ein großes Wimmelbild. Und man kann Stunden davor stehen und immer wieder etwas Neues entdecken. So detailreich ist das. Und so weise. Noch heute versteht man die Bildsprache eigentlich ohne Erklärung. Und was der Künstler Lorenzetti da ins Bild bringt über die Qualität einer guten Regierung und über die Kennzeichen einer schlechten, das gilt bis heute. Das ist zeitlos. Da ist es auch egal, dass die Regierungsform damals keine Demokratie war.

Die Quintessenz ist klar: Da wo gut regiert wird, da arbeiten alle fleißig und zum Wohle aller. Der Grund: Die Bürgerinnen und Bürger haben keine Angst, dass die Regierung ihnen das Werk ihrer Hände abspenstig macht, wie ein gefräßiger Tyrann. Was aber macht eine gute Regierung aus? Lorenzetti stellt dies als harmonisches Zusammen dar von Gerechtigkeit, Maßhalten, Klugheit und Tapferkeit.

Diese vier Tugenden rahmen die Regierung von Siena. Frieden und Großherzigkeit gesellen sich dazu. Über allem schwebt die göttliche Weisheit, die wiederum geht über in die Justiz, die wie ein Schirm jedem die Gerechtigkeit zukommen lässt, die er oder sie verdient – z.T. auch mit drakonischen Strafen. Nur so bleibt das Gleichgewicht in der Waage, so blüht die Stadt auf.  Auf dem Gemälde herrscht in ihr Betriebigkeit, aber auch Leichtmut – wie z.B. Tanz.

Im krassen Gegensatz dazu die Allegorie der schlechten Regierung: Hier liegt die Gerechtigkeit in Fesseln. Hier sitzt ein grausiger Tyrann auf dem Thron, über ihm schwebt nicht die Weisheit, sondern Geiz, Hochmut, Eitelkeit. An die Seite des Tyrannen gesellen sich Grausamkeit, Verrat, Täuschung, Wut, Zank und letztendlich: Krieg. Hier herrscht das „jeder gegen jeden“ und das „ich zuerst“. Und daher wächst da nicht viel, alles geht den Bach runter: Verdorrte Landschaften zeigt der Maler.

Für mich war dieses Gemälde in meinem Urlaub eine Mahnung. Und ich staunte über die Weisheit des Malers und ärgerte mich über den Wahlkampf in unserem Land. Denn da bekam ich mehr Zank und Eitelkeiten mit, als sonst was. Sei es in der Frage von Buchzitationen oder darum, wer, wann, wie falsch gelacht hat. Und dabei ist es doch gerade jetzt so wichtig, dass wir das Zusammen, das Gemeinwohl nicht aus den Augen verlieren.

Die verdorrten Landschaften, die blühen uns auch entgegen, wie auf dem Gemälde. Aber heutzutage wegen des Klimawandels, egal ob eine Regierung da etwas für tut oder nicht. Umso mehr steht die Frage im Raum: Wie wollen wir in Zukunft zusammen leben? Es braucht eine Regierung, die gerecht ist, Maß hält, klug und auch tapfer handelt und die sich am Wohle aller orientiert. Sage nicht ich, sagte damals bereits der Maler Lorenzetti. Aber im Grunde gebe ich ihm bis heute Recht. Was das genau bedeutet für die Welt von heute, für Deutschland, das muss jeder und jede für sich entscheiden. Wichtig aber vor allem ist, dass wir entscheiden, dass wir wählen gehen. Denn diese Wahl ist uns heute vergönnt, den Menschen von Siena damals nicht. Von daher, mein etwas weniger frommer Wunsch – am Welttag der Demokratie: Gehen Sie wählen – Ihr Klaus Nelißen aus Köln.

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