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Kirche in WDR 3 | 11.07.2019 | 07:50 Uhr

Wie ein Kind werden

Guten Morgen!

Ich bin nun 70 Jahre alt und gehöre auch zu jener Generation von  Kindern, die sonntags nachmittags im Kinderfunk des Radios die Geschichten von Astrid Lindgren geliebt haben: „Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv. “Pippi Langstrumpf“ und „Die Kinder aus Bullerbü“. Wir liebten diese Geschichten über alles, denn es gefiel uns, dass sie nicht von eingeschüchterten, sondern von aufgeweckten Kindern erzählt haben. Ich zumindest hatte die Nase voll von den bösen Buben Max und Moriz oder dem garstigen Struwwelpeter, der damals in keinem Kinderzimmer fehlen durfte. Astrid Lindgren hat mit ihren Büchern einen neuen Ton in die Kinderliteratur ge-bracht. Und sie hat mit dazu beigetragen, dass seit dem Jahr 2000 Kinder ein gesetzlich verbrieftes Recht auf eine gewaltlose Erziehung haben. 1978  wurde Astrid Lindgren in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Und für mich steht sie da in einer Reihe mit Frere Roger von Taize, mit dem latein-amerikanischen Priester und Dichter Ernesto Cardenal und  dem Theologen Romano Guardini.

In ihrer Dankesrede erzählt sie von einem kleinen Jungen, der von seiner Mutter zum ersten Mal in seinem Leben eine Tracht Prügel bekommen sollte. Die Mutter schickte ihr Kind in den Garten, um einen Stock zu suchen, mit dem die Strafe erteilt werden sollte. Der Junge bleibt lange weg. Und als er schließlich wiederkommt, sagte er der Mutter: „Ich habe keinen Stock gefunden. Aber hier hast Du einen Stein, den kannst Du ja nach mir werfen“. Die Mutter begreift sofort, was ihr Sohn sagen will. Beide weinten. Und Astrid  Lindgren schließt ihre Geschichte in der Paulskirche, indem sie erzählt, dass dieser Stein als Mahnmal aufgehoben wurde.  Niemals sollte in Zukunft Gewalt zwischen Mutter und Sohn stehen.

 

                                                                                                                                           

Diese Rede wurde im Vorfeld der Feier zum Stolperstein. Die Preisverleiher befürchteten Ärger in der deutschen Öffentlichkeit. Frau Lindgren wurde unter Druck gesetzt, auf diese Rede zu verzichten. Doch sie bestand darauf sie zu halten und wollte lieber auf den Preis verzichten als auf diese Rede. Und sie hatte Erfolg. Die Rede fand statt.

Wie ein Kind werden, das ist ja im Evangelium eine Eintrittsbedingung für das Reich Gottes. Was das für einen erwachsenen Menschen heißt, wie ein Kind zu werden, das hat Astrid Lindgren in ihrer Geschichte gezeigt und vorgelebt. Kein angepasstes Kind, kein rebellisches Kind, sondern ein kindliches Kind. Ein Kind also, für das ein Spiel der Ernstfall ist und das den Ernstfall spielend zu nehmen weiß. Wie ein Kind werden, heißt für Erwachsene die Vorbildhaftigkeit eines kindlichen Kindes anzuerkennen. Auch ein Kind hat Autorität. Und die liegt jenseits aller Anbiederung und jenseits aller Überfürsorge in der Frage: „Wer bist Du wirklich“, „Was brauchst Du wirklich?“, „Was macht Dich aus?“      

Astrid Lindgren hat die Autorität des Kindes entdeckt und anerkannt. Als es noch hieß, dass eine Ohrfeige uns nicht geschadet hätte, entgegnete sie: „Man kann nichts aus einem Kind herausprügeln, man kann aber vieles in ein Kind hineinstreicheln“.    

Es grüßt Sie Pfarrer Friedhelm Mensebach aus Köln



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