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Das Geistliche Wort | 06.01. 2019 | 08:35 Uhr

Wie sie ihn jetzt anbeten...!?!

Musik 1 : Avishai Cohen, Colors, Colors, Track 5

Sprecher: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen ihn anzubeten.“

Autor: So fragen, laut dem biblischen Bericht, die Weisen aus dem Morgenland beim Könug Herodes in Jerusalem. Da kommen sie schon zusammen: Leute aus verschiedenen Ländern, mit ganz verschiedenen Interessen und Absichten und verschiedenen Religionen - so wie bei uns heutzutage; ob das gut gehen kann?

In der biblischen Erzählung fragen sie erst einmal in der Hauptstadt nach dem neuen König, hat seine Logik - nur ist dieser neue König so ganz anders, als alle vermuten – und deswegen auch nicht in der Hauptstadt zu finden – und damit löst dieser neue, merkwürdige König schon von Anfang an, schon bei seiner Geburt Verwirrung aus.

Fremd müssen sie ausgesehen haben, diese Weisen aus dem Morgenland. Und fremd ist ihre Kunst, den Lauf der Sterne zu deuten. Die Legenden haben aus diesen Fremden drei Könige gemacht. Heute am 6. Januar ist ihr Tag. In vielen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden wird an ihre Geschichte erinnert. In der katholischen Tradition machen sich zur Erinnerung an die Wanderung dieser fremden Sterndeuter Kinder und Jugendliche auf den Weg. Sie besuchen Menschen in ihren Häusern, sie singen von dem Stern, der den Weisen erschienen ist und der sie zu Jesus, dem neugeborenen Kind geführt hat. Und sie singen von Jesus selbst, der allen Menschen – auch den fremdesten und fernsten - Gottes Nähe bringen wird. Sie sammeln Geld für Hilfsprojekte in armen Regionen unserer Erde. Und am Ende des Besuches bringen die Sternensinger einen Segensspruch an der Tür des Hauses an. Die aktuelle Jahreszahlen, also 20 und 19, rahmen drei Buchstaben: C – M – B. Diese drei Buchstaben können zweierlei bedeuten: Entweder die Namen der drei Weisen, nämlich Casper, Melchior und Balthasar oder sie erinnern an einen lateinischen Segensspruch: „Christus mansionem benedicat - Christus segne das Haus“

Musik 2: Avishai Cohen, Continuo, Calm, Track 7

Autor: Die drei Weisen stehen für die drei damals bekannten Erdteile, für Afrika, Asien und Europa. Aber auch für die drei Lebensstufen, für den Jüngling, für den Erwachsene und für den Greis; mit anderen Worten: alle Menschen, alle Alterstufen aus allen bekannten Erdeteilen kommen zum neugeborenen Kind, um ihm die Ehre zu erweisen. So die traditionelle Deutung dieser Geschichte.

In den vielen Jahren seit der Geburt Jesu hat sich die Richtung aber auch umgekehrt: die Menschen kommen nicht allein zu Jesus hin, in der Zwischenzeit sind die Jesusgeschichten auch zu den Menschen in allen Erdteilen und in ganz verschiedenen Religionen hingekommen. Sie alle machen sich ihren eigenen Reim auf diesen Jesus, der schon durch seine Geburt sehr unterschiedliche Haltungen und Meinungen provozierte. Seine Eltern waren wahrscheinlich einfach nur froh, dass ein gesunder Junge auf die Welt gekommen ist – so wie alle Eltern nach der Geburt eine Kindes; der Herrscher in Jerusalem, König Herodes, der hat einen Konkurrenten befürchtet – und ließ deswegen alle Jungs aus der Region Bethlehem, die unter zwei Jahren waren, vorsichtshalber umbringen; und die Sterndeuter aus dem Osten – sie sahen in ihm einen neuen König, dessen Stern sie haben aufgehen sehen – aber wer oder was ist dieser Jesus nun wirklich?

Musik 3: Avishai Cohen, continuo, Track 4, Ani Maamin

Sprecher: Als Gott sagte: „Jesus, Sohn Marias, hast du etwa zu den Menschen gesagt: `Nehmt euch außer Gott noch mich und meine Mutter zu Göttern!´?“ Da sagte Jesus: Gepriesen seist du! Es kommt mir nicht zu, etwas zu sagen, wozu ich kein Recht habe. Wenn ich es gesagt hätte, dann wüsstest du es. Du weißt, was in mir ist. Ich aber weiß nicht, was in dir ist. … Ich habe ihnen nur gesagt, was du mir geboten hast: `Dient Gott, meinem und eurem Herrn´“ (Sure 5, 116f) (1)

Autor: In diesem Zitat wird die Sicht der Muslime auf Jesus deutlich. Der Koran, das heilige Buch der Muslime, nimmt sich an dieser Stelle eine besondere Variante des christlichen Glaubens vor. In der Zeit von Mohammed (laut muslimischem Glauben, dem letzten und entscheidenden Propheten) gab es auf der arabischen Halbinsel eine Gruppe von Christen, die an eine eigene Variante der Dreieinigkeit glaubte. Für diese Christen bestand diese Dreieinigkeit aus Gott-Vater, aus Jesus, seinem Sohn und aus Maria, der Mutter Jesu. Das konnten die Muslime nur ablehnen und auch in der Kirchengeschichte hat diese Variante des Glaubens keine Mehrheit gefunden. Für Muslime aber ist wichtig geblieben, dass Jesus, Sohn der Maria nichts anderes gesagt hat, als alle anderen Propheten vor und nach ihm. Nämlich, dass es nur einen Gott gibt, dem allein man dienen soll – und diesem Gott darf man nichts beigesellen. Das wäre Götzendienst - und der ist strengstens untersagt.

In muslimischer Sicht steht Jesus in der langen Reihe von Propheten und hat eine herausragende Stellung, weil er am Ende von Gott in den Himmel entrückt worden ist, aber er kann auf keinen Fall als Gottes Sohn Teil der Gottheit sein.

Musik 4: Avishai Cohen, Continuo, Nu Nu, Track 1

Autor: Hindus sehen anders auf Jesus. Im Unterschied zur muslimischen Sicht ist für sie genau das der entscheidende Punkt: Jesus gehört in die Götterwelt, denn die Götter können sich in ganz verschiedenen Gestalten auf der Erde zeigen, denn schließlich ist das Göttliche in den Menschen angelegt. Während es für Muslime eine strikte Trennung zwischen Schöpfer und Geschöpf gibt, sind die Übergänge zwischen Himmel und Erde in den Hindu-Religionen fließend. Durch englische Missionare kamen viele Hindus mit den Geschichten Jesu in Kontakt. So sagt der hinduistische Gelehrte Swami Vivekananda:

Sprecher: Jesus ist ein spiritueller Meister, der eine geistliche Schau hat. Er lehrt die volle Selbstentsagung. In jedem Menschen ist das Göttliche bereits da. Nur durch die Unwissenheit wird das Göttliche in den Menschen nicht aktiv. (2)

Musik 5: Omer Avital, New Song, Yemen Suite, Track 10

Autor: Wer ist der neugeborene König – und wo ist er heute zu finden? Im Koran wird er als einer der Propheten in einer langen Reihe von Propheten beschrieben – aber er ist Mensch, nur Mensch! Hindus halten ihn für eine göttliche Erscheinung – eine besondere zwar, aber auch Jesus als göttliche Erscheinung tritt in einer langen Reihe von anderen göttlichen Wesen auf, die in immer wieder verschiedener Gestalt Kontakt zu den Menschen aufnehmen, um sie aus ihrer Unwissenheit zu befreien.

Für Christen nun steht Jesus aber nicht in einer langen Reihe von menschlichen oder göttlichen Wesen. Das Besondere an Jesus für die Christen ist es gerade, dass er diese beiden Welten in sich verbindet. Er ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Er ist wahrer Mensch, wird von einer Frau auf die Welt gebracht, wächst ganz unscheinbar in der unbedeutenden Stadt Nazareth auf und wird erst mit gut 30 Jahren von sich reden machen. Dann allerdings wird er auf eine Weise von Gott reden und Gott den Menschen nahebringen, wie sie es noch nicht erlebt haben. Die Menschen haben mehr und mehr den Eindruck: hier redet und handelt nicht irgendeiner. Hier, in dieser Person redet und handelt Gott selbst. So voller Freundlichkeit und Zuneigung zu allen Geschöpfen, so voller Klarheit und Entschiedenheit in allen Streitfragen – das kann doch nur Gott selbst sein – oder?! Ist das überhaupt möglich? Gott und Mensch in einer Person gegenwärtig. Das hat es doch noch nie gegeben.

Genau, das hat es wirklich noch nie gegeben und das wird es auch in Zukunft hier auf dieser Erde nicht noch einmal geben. So glauben es wir Christen. In Jesus hat Gott sich klar und deutlich geäußert. Gott hat sich entäußert. Er hat sein Innerstes nach außen gekehrt, hat sich gezeigt, offenbart. Das haben die Weisen aus dem Morgenland schon damals irgendwie geahnt. Deswegen wird von ihnen erzählt, nachdem sie ihn in Jerusalem nicht gefunden hatten:

Sprecher: Der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er vor dem Ort stand, an dem das Kindlein war. Da sie den Stern sahen wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. (Matthäus 2, 9-11)

Musik 6: Omer Avital, New Song, New Midle East, Track 6

Autor: So, wie diese Weisen, so stelle ich mir die Leute vor, bei denen Jesus auch noch heute anzutreffen ist. Ein bunter Haufen von Männern und Frauen aus ganz verschiedenen Regionen unserer Welt; und fröhlich muss es bei ihnen zugehen und sie teilen ihre Schätze aus. Sie geben gerne von dem ab, was ihnen wichtig und wertvoll ist. Denn sie wissen, dass alles, was wir auf dieser Welt haben niemals unser Besitz ist, sondern nur vom Geber aller guten Gaben für eine zeitlang ausgeliehen. Und dort, wo die Menschen so unbeschwert mit einander umgehen, wo sie ihr Können und ihre Kultur, ihre Kunst und ihre Eigenheiten, ihre heilenden und ihre verbindenden Kräfte mit einander teilen, dort ist Jesu Geist, ist er selbst dabei. Denn das hat Jesus seinen Leuten versprochen: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Musik

(1) Der Koran, übersetzt und eingeleitet von Hans Zirker, Darmstadt, 2013, 4. Auflage

(2) nach Henning Wrogemann, Wem gehört Jesus? Interreligiöse Streifzüge und dogmatische Wegmarken, in: ders., Das schöne Evangelium inmitten der Kulturen und Religionen, Neuendettelsau 2011, S. 15

Angaben zur Musik

Musik 1: Avishai Cohen, Colors, Colors, Track 5, 2000, Streck RecordsUSA, SCD 9031.2

Musik 2: Avishai Cohen, Continuo, Calm, Track 7, 2005, Made in EU, RAZDAZ Records RD 4603

Musik 3: dto, Track 4

Musik4: dto, Track 1

Musik 5: Omer Avital, New Song, Yemen Suite, Track 10, 2013, abeille musique, Made in EU, PL 4568

Musik 6: dto, Track 6

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