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Choralandacht | 10.10.2020 | 07:50 Uhr

Wir glauben Gott im höchsten Thron (eg 184)

Autorin: „Glauben gibbet nich anner Bude, dat lerntze mitte Kumpels.“  Diesen Satz im schönsten Ruhrpott-Deutsch hat jemand an die Hauswand gesprüht. Es ist das Kinder- und Jugendhaus unserer Kirchengemeinde. Jeden Dienstagnachmittag gehen die Jugendlichen an diesem Satz vorbei, wenn sie zum Konfirmandenunterricht kommen: Glauben gibbet nich anner Bude, dat lerntze mitte Kumpels.

 

An diesem Dienstag ist das Glaubensbekenntnis dran. Um den Jugendlichen den Zugang zu den alten Worten zu erleichtern, liegen die einzelnen Sätze auf dem Boden ausgebreitet. Sie gehen durch den Raum, von einem Satz zum anderen, halten inne, tauschen sich aus, gehen weiter. Jeder markiert die Sätze, die ihm etwas bedeuten. Und auch die, die fremd wirken. Am Ende wählen sie für sich die Stelle aus, wo sie im Moment gut stehen können.

 

Jana stellt sich gleich zum ersten Satz: „Ich glaube an Gott, den Vater“. Sie glaubt, das Gott sie beschützt und für sie sorgt wie ein guter Vater. Tobias bleibt ganz woanders stehen: „Gemeinschaft der Heiligen“. Gemeinschaft ist ihm wichtig. Wie das mit den Heiligen gemeint ist, will er noch fragen. „Vergebung der Sünden“ ist an diesem Tag der richtige Platz für Sophie. Sie hat sich mit ihrer besten Freundin verkracht. Sie hofft, dass sie ihr verzeiht.

 

Musik: Choral, Strophen 1+2: „Wir glauben Gott im höchsten Thron“; Text: Schröder, Rudolf Alexander; Komposition: Lahusen, Christian; Interpret: Solistenensemble; Leitung: Schnitter, Gerhard; CD: Ja, ich will euch tragen. Jochen Klepper und seine Zeitgenossen; Label: hänssler-music; LC: 07224


 

Sprecher (overvoice):

Wir glauben Gott im höchsten Thron, wir glauben Christum, Gottes Sohn,

aus Gott geboren vor der Zeit, allmächtig, allgebenedeit.

Wir glauben Gott, den Heilgen Geist, den Tröster, der uns unterweist,

der fährt, wohin er will und mag, und stark macht, was daniederlag.

 

Wenn die Jugenlichen an einem solchen Nachmittag das Glaubensbekenntnis abschreiten, ist das ein aufschlussreicher Weg. Sie werden sich ihres eigenen Glaubens bewusst. Was sie brauchen oder worauf sie sich verlassen. Und wo sie im Moment Fragen haben oder Zweifel. Glauben ist lebenslang ein solcher Weg. Ein Vorangehen und Innehalten, ein Nachfragen und Zweifeln und sich vergewissern.

 

Rudolf Alexander Schröder ist das Glaubensbekenntnis auf eigene Weise abgeschritten und hat daraus Satz für Satz ein Glaubenslied gedichtet. „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Rubrik „Gottesdienst“.  

Ohne Umweg führt das Lied in die Mitte des christlichen Glaubens:

 

Sprecher:

Wir glauben Gott im höchsten Thron

wir glauben Christum, Gottes Sohn

Wir glauben Gott den heilgen Geist.

 

Autorin: Rudolf Alexander Schröder, geb. 1878, war Architekt in Bremen. Kein Glaubensprofi also. Kein Pfarrer oder Kirchenmusiker, sondern einer, der sich mit Bauplänen auskennt. Doch neben seiner Arbeit begeisterte er sich für Literatur, Dichtung, Musik. Diese Leidenschaft machte er mit Anfang 50 ganz zu seinem Beruf. Er dichtete, übersetzte, schuf Kirchenlieder, etwa das bekannte „Abend ward, bald kommt die Nacht“.  Er gehörte dem „Eckart-Kreis“ an, einer Gruppe theologisch interessierter Schriftsteller.

 

Wir glauben Gott im höchsten Thron. Das ist eine Standortbestimmung und ein Bekenntnis. Als das Lied entstand, 1937, klangen die Bekenntnisse meist anders. „Führer befiehl - wir folgen dir.“ Schröder stand dem Nationalsozialismus und seinem Führerkult distanziert gegenüber. 1935 zog er von Bremen nach Bayern und nannte dies einen „Schritt in die innere Emigration“.  Er trat der Bekennenden Kirche bei, die 1934 auf der Bekenntnissynode in Barmen theologisch klar Stellung bezog:

 

Sprecher: Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

 

Autorin: So beginnt die erste von 6 Thesen, in denen sich die Bekennende Kirche zu Jesus Christus als dem einen Wort Gottes bekennt und die „falsche Lehre“ anderer Mächte, Gestalten und Wahrheiten verwirft.  Schröders Glaubenslied versteht sich in dieser Linie. Das dreimalige „Wir glauben“ ist eine Absage an den Ungeist seiner Zeit. Eine klare Verortung. Ein Standpunkt.

 

Musik: Choral, Strophen 3 und 4

 

Sprecher (overvoice):

Den Vater, dessen Wink und Ruf das Licht aus Finsternissen schuf,

den Sohn, der annimmt unsre Not, litt unser Kreuz, starb unsern Tod.

Der niederfuhr und auferstand, erhöht zu Gottes rechter Hand,

und kommt am Tag, vorherbestimmt, da alle Welt ihr Urteil nimmt.

 

Autorin: Ich liebe dieses Lied in seiner großen Klarheit. Die Melodie unterstreicht den bekenntnishaften, feierlichen Charakter. Der Komponist Christian Lahusen, ein Zeitgenosse Schröders, wählt ausschließlich halbe Töne in ausgreifenden Intervallen.

 

Wir glauben - ich glaube. Wann habe ich das zuletzt gesagt?

Wann habe ich zuletzt meinen Glauben in Worte gefasst?

Habe ausgesprochen, was mich trägt und hält im Leben?

 

In die von Generationen geprägten Worte des Glaubensbekenntnisses einzustimmen, ist das eine. Meine eigenen Worte zu finden und dazu zu stehen, ist das andere. Bei diesem immer währenden Versuch sind mir die alten Worte wie ein Geländer. An manchen Passagen halte ich mich fest, sie bedeuten mir viel und stärken mein Vertrauen; andere lasse ich los und gehe frei von ihnen - vielleicht brauche ich sie später wieder, vielleicht auch nicht.

 

Musik: Choral, Strophe 5

 

Sprecher (overvoice):

Den Geist, der heilig insgemein lässt Christen Christi Kirche sein,

bis wir, von Sünd und Fehl befreit, ihn selber schaun in Ewigkeit.

 

Autorin: „Glauben gibbet nich anner Bude, dat lerntze mitte Kumpels.“ Stimmt! Glauben kann ich nicht allein. Ich brauche die „Kumpels“, die mich herausfordern im Glauben, die mich mal bestärken und ermutigen, mal halten und trösten. Ich brauche die Gemeinde. Wir glauben, dichtet Schröder. Denn manche Dinge kann ich mir nicht selber sagen. Die muss und darf ich mir von anderen sagen lassen:

Dass ich geliebt bin, auch wenn ich mich selber nicht liebenswert finde.

Dass ich trotz Schuld und trotz Scheitern neu anfangen kann.

Dass ich gehalten bin, auch wenn der Boden unter meinen Füßen schwankt.

Dass mein Leben ein Ziel hat und der Tod nicht das Ende ist.

Dass ich mit Kraft und Liebe beschenkt bin - für mich und für andere.

Dass es mehr gibt als ich hier und jetzt sehe, eine Wirklichkeit von Gott durchwirkt.

 

Mit anderen in der Gemeinde zusammen das Glaubensbekenntnis zu sprechen, stärkt.

Unter freiem Himmel gemeinsam zu singen „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ - berührt. Und bringt zusammen.

 

Um solchen Glauben will ich bitten. Denn ich kann ihn nicht an der Bude kaufen und nicht selber machen. Er wird mir geschenkt durch Gottes heiligen Geist. Für diesen Moment will ich mich öffnen.

 

Musik: Amen

 

Autorin: Ja und Amen. So möge es sein!

 


 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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