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Kirche in WDR 4 | 01.05.2019 | 08:55 Uhr

Rote Fahnen

Rote Fahnen. Ja, heute am 1. Mai wehen wieder viele davon. Ganz in der Nähe von meinem Kloster in Duisburg-Hamborn zum Beispiel treffen sich tausende Arbeiterinnen und Arbeiter zur Mai-Kundgebung, so wie seit vielen Jahren am Tag der Arbeit. Und dann skandieren die Arbeiterinnen und Arbeiter lauthals: „Hoch die internationale Solidarität“ und schwenken dazu die roten Fahnen. Die Fahnen sind das Symbol der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Sie stehen für soziale Gerechtigkeit und sozialen Fortschritt, für Frieden, Völkerfreundschaft und internationale Solidarität.

Dass rote Fahnen auch in der Kirche zu finden sind, habe ich erst jetzt herausgefunden. Auf einem Wandgemälde im Bonner Münster nämlich, also der Hauptkirche in Bonn, die gerade aufwendig restauriert wird, ist der heilige Josef zu sehen. Und – was trägt er über der Schulter? Eine rote Fahne. Das hängt damit zusammen, dass das Wandgemälde aus der Zeit um 1890 stammt, also der Zeit der Industrialisierung. Schon früh kamen christliche Arbeiter darauf, Josef aus Nazareth als heiligen Arbeiterhelden zu feiern. Immerhin soll er Handwerker gewesen sein: Zimmermann, heißt es in der Bibel. Und im 19. Jahrhundert sagten katholische Arbeiter dann: Josef ist einer von uns. Der ist Teil der Arbeiterklasse. Und so hat ein Maler im Bonner Münster dem Heiligen Josef die rote Fahne verpasst, lange bevor die offizielle Kirchenleitung aus Josef, dem Mann Mariens und Nährvater Jesu, den Patron der Arbeiter gemacht hat. Erst 1955 nämlich, als der Kalte Krieg so richtig heiß wurde, hatte Papst Pius XII. den 1. Mai zum Josef-Gedenktag erklärt.

Und das nicht so sehr, weil der Papst mit den Ideen des Sozialismus sympathisiert hätte. Sondern eher, weil der Kommunismus für ihn ein rotes Tuch war.

Warum aber hat sich die Kirche mit dem Sozialismus und dem Kommunismus meist so schwer getan? Schließlich steht in der Bibel auch von den ersten Christen, dass sie solidarisch waren, nämlich „ein Herz und eine Seele“. Und dass sie all ihr Hab und Gut teilten. Da heißt es dann (Apg 4,32): „Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam“. Karl Marx hätte an so einem Satz doch seine wahre Freude gehabt.

Aber was macht den Unterschied aus zwischen den Sozialisten und den Christen?

Ein Mitbruder in meinem Kloster hat das einmal auf eine griffige Formel gebracht: Der Sozialist sagt: „Was dein ist, ist mein!“ Der Christ sagt dagegen: „Was mein ist, ist dein!“

Will heißen: der Sozialist und der Christ, die meinen in Besitzfragen letztlich dasselbe. Am Ende gehört allen alles. Sie denken das nur von einer entgegengesetzten Richtung her: Nehme ich mir, was anderen gehört, oder gebe ich freiwillig ab von dem, was mir gehört. Es hängt also von meiner Haltung ab, wenn es um echte Solidarität und Gerechtigkeit, um Frieden und Völkerfreundschaft geht.

Sicher: die Kirche hat genau so oft gegen ihren eigenen Anspruch verstoßen wie der Sozialismus gegen seine Ideale. Ich denke, da schenken sich beide nichts.

Aber dass freiwilliges Geben besser ist als mutwilliges Nehmen, das sollten sich alle Menschen guten Willens auf die Fahnen schreiben – nicht nur heute, am Tag der Arbeit.



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