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Sonntagskirche | 28.07.2019 | 08:55 Uhr

Worauf kann ich mich verlassen


An so einem stillen Sonntagmorgen komme ich manchmal gut ins Nachdenken. Erst kürzlich war das wieder so. Ausgelöst durch etwas ganz banales. Ich gehe ins Bad unter die Dusche. Wie jeden Morgen. Erfrischend, gerade dann, wenn man schon frühmorgens eine Ahnung von der Hitze des Sommertages bekommt, die einen erwartet. Ich drehe den Hahn auf – das Wasser fließt. Herrlich! Und im gleichen Augenblick mein Gedankenblitz, der mich dann durch den ganzen Morgen begleitet hat: Ich verlasse mich einfach darauf, dass da sauberes Wasser aus der Dusche kommt. Nicht verschmutzt oder gar vergiftet. Ich verlass‘ mich einfach da rauf. Und ich spiele den Gedanken immer weiter durch: Ich schalte das Licht ein: Helligkeit. Ich löffele Kaffeepulver in die Maschine – Knopfdruck: Köstlicher Kaffee entsteht. Einfach, weil ich mich auf etwas verlasse. Und mir wird nach und nach bewusst, an wie vielen Stellen ich mich alltäglich auf etwas verlasse. Bis hin zur Frage von Leben und Tod… Ich fahre auf eine Kreuzung zu, die Ampel leuchtet grün – und ich verlasse mich darauf, dass die anderen Verkehrsteilnehmer eine rote Ampel vor sich haben und tatsächlich auch anhalten. Ich nehme ein Medikament und verlasse mich darauf, dass die Zusammensetzung dem entspricht, was der Arzt mir als Therapie verschrieben hat. Alles scheinbare Selbstverständlichkeiten – weil wir uns so an sie gewöhnt haben. Doch warum verlasse ich mich drauf? – Klar: Umgekehrt halte ich mich auch an die Regeln, darauf können sich dann wieder andere verlassen. Doch wenn es einmal nicht so ist, wenn einer die Regeln und Vereinbarungen nicht einhält, wird es schwierig: Das Trinkwasser, die Ampel, das Medikament… Das Gesamtgefüge unseres alltäglichen Lebens gerät aus den Fugen – nichts scheint mehr sicher, alles wird unsicher: Dieser Gedanke macht mir, je weiter ich ihn spinne, Angst. Und die Angst wird immer größer, je mehr ich über die immer komplexeren Zusammenhänge auch meines alltäglichen Lebens nachdenke. Meine Erfahrungen als Seelsorger bestätigen mir: Mit dieser Angst stehe ich nicht alleine da. Viele Menschen überblicken nicht mehr, wie diese Welt funktioniert – sie fühlen sich bisweilen hilflos ausgeliefert in den Netzwerken und in immer komplizierteren Zusammenhängen. Da kannst du nur noch überleben, wenn du dich einfach auf alles Mögliche verlässt. Eine solche wohltuende Erfahrung des „Aufeinander-Verlassens“ ist eine gute Freundschaft. Ich hoffe, dass sie hin und wieder auch diese Erfahrung machen dürfen: Sich blind auf den Freund, die Freundin verlassen können. Einfach so. Bis hin zu der Erfahrung, dass man einem guten Freund oder einer guten Freundin sogar sein Leben anvertrauen kann. Erfahrungen etwa beim Klettern, wenn man vom Freund im Seil gesichert wird. Das sind Erfahrungen, die Energie für’s Leben geben können. Jesus erzählt in der Bibel von solchen Erfahrungen. Heute wird in den katholischen Gottesdiensten wieder eine solche Geschichte erzählt. Und Jesus macht Mut zu weiteren, solchen Erfahrungen in Bezug auf Gott, wenn er sagt: „Bittet, und es wird euch gegeben, sucht, und ihr werdet finden, klopft an und es wird euch geöffnet“ (Mt 7,7). Heißt: Verlass dich drauf, dass da jemand ist, der dich hört und deine Nöte und Anliegen ernstnimmt. Auch wenn dich scheinbar keiner hört: Er ist da. Er gibt, er hilft finden, er macht die Tür ganz weit auf. Auch, wenn die alltägliche Erfahrung etwas anderes zu vermitteln scheint. Auch, wenn alles zu kompliziert zu werden droht: Er ist da, hört dich und hilft dir. Natürlich vielleicht nicht im Sinne eines Wunsch-Automaten. Aber im Sinne eines guten Freundes, der dich auf deinem Weg begleitet. Oft still und unerkannt, aber immer da. Darauf kann ich mich verlassen. Und darauf können Sie sich Verlassen – trotz aller Unsicherheiten, trotz aller Ängste. Denn er hält sein Versprechen, davon bin ich zutiefst überzeugt.

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