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Kirche in WDR 5 | 03.11.2020 | 06:55 Uhr

Wüstenzeiten

Guten Morgen!

Kopfschüttelnd sehe ich zum wiederholten Mal zu meinem Fensterbrett. Nicht die kleinste Knospe ist zu sehen. Ich untersuche die Pflanze genauer, aber meine Orchidee zeigt sich nach wie vor sehr spartanisch: nur dünne braungrüne Stiele ohne Triebe. Kaum vorstellbar, dass sie vor einigen Wochen noch voller großer weißer eleganter Blüten war – fast stolz in ihrem blühenden Überfluss. Jetzt gleicht sie eher einer Wüstenpflanze mit ihren kargen Stängeln. Wüstenpflanze – Wüstenzeiten.

Gefühlsmäßig befinde ich mich seit Monaten in einer Wüstenzeit. Auch - aber nicht nur - wegen Corona.

Mir fehlen die Dinge, die das Leben in der Gemeinde bereichern: gemeinsames Singen, liebevolle Umarmungen, das gemeinsame Abendmahl. Gespräche sind seltener, Beziehungen distanzierter geworden. Wüstenzeiten.

Auch das Volk Israel wanderte vor tausenden von Jahren durch die Wüste. 40 Jahre lang (5. Mose 2,7). Sie folgten einem Versprechen Gottes. In dieser Wüstenzeit leiden die Menschen an Wassermangel und an Hunger. In ihrer Not wünschen sie sich sogar „zu den Fleischtöpfen Ägyptens“ (2. Mose 16,3) zurück. Dass sie dort Sklaven gewesen waren, scheint nicht mehr wichtig zu sein. Wüstenzeiten. Das Volk hat sein Ziel aus den Augen verloren. Gottes Versprechen von einer besseren Zukunft im „Gelobten Land“ schenkt ihnen keine Hoffnung mehr, zu weit scheinen sie von diesem Ziel entfernt zu sein. Sie werden immer unzufriedener und sind wütend.

Wüstenzeiten. Es gibt sie in jedem Leben. Man tritt auf der Stelle, alles erscheint hoffnungslos und trüb, kein Ziel vor Augen, für das sich die Anstrengung lohnt. Die karge Wüste erstreckt sich, soweit das Auge reicht.

Nach langer Zeit hat Gott sein Volk aus der Wüste in das „Gelobte Land“ geführt. Das ist das Ende der Wüstenzeit: Gott hatte sein Versprechen erfüllt, auch wenn niemand mehr daran geglaubt hat. Die Menschen leben wieder auf und gestalten ihre Zukunft.

Wenige Wochen später gieße ich fast mechanisch meine verkümmerte Orchidee. Da fällt mir ein grüner Trieb auf, an dem zwei kleine Knospen hängen. In den nächsten Tagen kommen weitere Triebe hinzu. Hoffnung ist wie eine zarte Pflanze. Ich bekomme ein Gefühl dafür, dass auch meine Wüstenzeit ein Ende haben wird. Nicht sofort – auch die Blüten meiner Orchidee brauchen noch Zeit. Aber das Vertrauen darauf, dass ich den Menschen, die ich liebe und schätze, wieder näher sein kann, erfüllt mich mit Freude. Schritt für Schritt geht es voran – längst ist nicht wieder alles so, wie man es sich wünscht – aber das Ziel scheint erreichbar zu sein. Mit kleineren Gruppen, mit viel Kreativität ist ein Gemeindeleben möglich. Das macht mich froh.

Und allen, die heute Morgen zuhören, wünsche ich für die Wüstenzeiten Ihres Lebens vor allem Durchhaltevermögen. Bleiben Sie gerade in diesen Zeiten Gott befohlen!

Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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