Aktuelles

Beiträge auf wdr2 

katholisch

Kirche in WDR 2 | 26.11. 2018 | 05:55 Uhr

Blaue Papierschiffchen

Heute ist schon wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja.

Wenn die Woche beginnt, liegt auf meinem Schreibtisch eine lange To-Do-Liste mit all den Dingen, die in den kommenden Tagen zu erledigen sind. Krankenkasse anrufen, Texte fertig schreiben, Termine machen und endlich wieder mal das Parkett feucht wischen. Viele schöne Dinge muss ich erledigen, aber auch viele lästige.

Und es kommt auch vor, dass ich das eine oder andere vergesse, weil ich es nicht aufgeschrieben habe oder weil es einfach zu viele Dinge gibt, an die ich denken muss.

Manchmal denke ich, mein Kopf ist einfach zu klein für alle Dinge, die wichtig sind.

Mist. Es kommt auch vor, dass ich vergesse ich mich bei Menschen zu melden. Meine Tante Maria mal anzurufen, die in ihrem Häuschen auf dem Berg wohnt und sich immer freut, wenn sie mich sieht. Bei dem Vater noch mal nachzuhören, der mir neulich erzählt hat, dass er einen Durchhänger hat. Oder Julia zu fragen, ob sie sich auf die Stelle beworben hat, über die wie neulich sprachen.

Wenn es mir dann einfällt, ärgere ich mich über mich. Und ich nehme mir vor, morgen aber ganz bestimmt an sie zu denken. Tja.

Neulich haben Schülerinnen und Schüler in unserer Kirche St. Agnes in Köln im Rahmen eine Kunstinstallation ein paar hundert blaue Papierschiffe in der ganzen Kirche verteilt. Auf dem Boden, am Eingang, an den Kerzenaltären, an den Wänden, zwischen den Bankreihen. Überall diese babyblauen Schiffchen. In ihrer Schule hatten sie über Wochen hinweg einen Tisch aufgestellt. Dort konnte sich jeder, der vorbei kam ein blaues Blatt nehmen und eins falten.

Bei der Vernissage sagte der Festredner, jeder Mensch, der ein Schiff gefaltet habe, habe dreißig Sekunden, vielleicht eine oder zwei Minuten an dem Tisch gesessen und an einen konkreten Menschen gedacht, an den außer ihm in diesem Moment wohl niemand dachte. An einen Menschen nämlich, der bei seiner Flucht auf einem der Weltmeere ertrunken ist.

Mich hat das sehr berührt. Die vielen, vielen Schiffchen in der Kirche haben mir jedenfalls gezeigt: es ist wichtig, dass Menschen aneinander denken. Denn wenn Menschen aneinander denken, dann bedeutet das: du bist mir nicht egal, selbst wenn ich dich nicht gut oder gar nicht kenne.

Beim Anblick der vielen Schiffe habe ich mich aber auch gefragt: Wer denkt an die, an die niemand denkt? Auch ich nicht? Hat nicht wirklich jeder Mensch verdient, dass einer an ihn denkt? Soll nicht für jeden Menschen gelten: Du bist mir nicht egal?

Wäre die Welt sonst nicht ein zynischer schlimmer Ort?

Ich glaube, Gott denkt an den, an den niemand denkt. Auch ich nicht, weil mein Kopf zu klein und meine To-Do-Liste zu lang ist. Ganz ehrlich: Das beruhigt und tröstet mich sehr. Du bist mir nicht egal sagt Gott dann, wenn ich das nicht schaffe. Du bist mir nicht egal. An einem Sonntag nicht und erst recht nicht an einem Montag.

?

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen