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Kirche in WDR 5 | 28.11. 2018 | 06:55 Uhr

Den Tod hinter sich haben

Guten Morgen!

Dieser Wunsch der geht mir hier im Aufnahmestudio leicht über die Lippen. Und ich hoffe, dass es für die meisten von Ihnen ein guter Morgen ist. Aber es ist November, die dunklen Tage, die haben es in sich. Nach dem strahlenden Sommer, nach einem goldenen Herbst, finden sich manche in gar nicht guten Erinnerungen wieder an so einem November-Morgen. Es macht unser Leben aus, dass es nicht nur die lichten Momente gibt, sondern auch die dunklen. Es gibt diese Erfahrungen im Leben, bei denen die Worte fehlen. Bei denen das Erleben so viel stärker ist, als etwas beschreiben zu können oder gar zu verstehen. Und das ist erst recht beim Thema Sterben der Fall. Immer neu, und mit jedem, der weit vor der Zeit geht, erst recht. Als Seelsorgerin muss ich mich diesen Erfahrungen vielleicht ein Quäntchen häufiger stellen. Wie geht das? Manchmal nehm ich mir dann extra eine kurze Zeit vor und eine bestimmte Wörterzahl, eine kleine Aufgabe, kreatives Schreiben, wie eine Portion frische Luft bei einem Gang um die vier Ecken. Nicht viel Nachdenken, einfach genau jetzt etwas aufschreiben. Ausgehend von einem Thema, oder einer Formulierung mit den Worten spielen, Erlebtes einfließen lassen. Und manchmal ist genau das hilfreich und bringt viel mehr ins Wort, und gibt auch ein wenig Trost.

Christliche Hoffnung auf Auferstehung, ist da so ein großes Ding. Das in Worte zu fassen ist Teil meines Umgangs als Seelsorgerin mit dem Sterben. Die Theologin und Dichterin Dorothee Sölle fand beim Umkreisen dieses großen und alles anderen als einfachen Themas mal folgende Redewendung: „den Tod hinter sich haben“. Das waren ihre Worte und die gehen seit dem bei mir mit, die hab ich oft im Kopf. Was immer das mit der Auferstehung ist und sein könnte: Eins steht fest, man hat den Tod hinter sich. Wie das sein wird, weiß ich nicht. Ich habe bloß, aber immerhin, den Tod anderer hinter mir. Das ist nicht schön und schmerzt weiter. Ich fühle mich verwaist, beraubt.

Aber, wenn ich mich zurückerinnere an die Tode lieber Menschen, dann war da neben und zwischen all dem schlimmen Schmerz, auch so viel Liebe. Die Liebe zum Verstorbenen. Der Zusammenhalt der anderen, die zurückbleiben. Die Gespräche übers Leben und die Liebe und was jetzt alles fehlt. So viel Liebe.

Was für mich im Umgang mit dem Tod wichtig bleibt: Den Tod niemals schön zu reden.

Was meine Erfahrung und meine Hoffnung ist: Den Tod hinter mir zu lassen. Auch meinen eigenen. Und vorsichtig mit einem Wort aus der Bibel zu hoffen: Stark wie der Tod ist die Liebe.

Beim Spiel mit diesen Worten sind mir in diesem Herbst folgende Zeilen gekommen. Die möchte ich Ihnen mitgeben:

Sprecherin? Sprecher?:

Den Tod hinter sich haben. Wie sich das wohl anfühlt.

Tode anderer hinter mir wissen.

Verwaist sein, beraubt.

Und auch:

So viel Liebe

die angesichts des Todes eines Menschen

Raum nimmt.

Bestenfalls.

Den Tod niemals schönreden.

Den Tod hinter sich lassen.

Stark wie der Tod

ist die Liebe.*

Es ist keine leichte Übung, sich an bestimmten Gedanken fest zu halten, wenn die Erfahrung gerade anders fühlen lässt. An nicht so guten Morgen ist das die Grundübung eines jeden Christen, einer jeder Christin, die den Gedanken an Auferstehung nicht aufgeben wollen: Die Hoffnung darauf, dass die Liebe stark ist wie der Tod.

Ihnen einen guten Morgen – was auch immer dieser Tag bringt, Ihre Susanne Moll aus Aachen.

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