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Hörmal | 11.11. 2018 | 07:45 Uhr

Gerechtigkeit

Nach einem anstrengenden Tag entspanne ich schon mal gerne, indem ich noch etwas Fernsehen gucke. Am liebsten sind mir dann einfache Serien: Krimis, Actionfilme oder Rettungsgeschichten von der Bergwacht oder aus dem Krankenhaus. Ich will es dann nicht kompliziert. Die Rollen im Film müssen klar verteilt sein und das Zuschauen leicht machen: Hier ist der Held und da der Schurke. Einfaches Schema: Freund – Feind, Gut – Böse. Und am Ende muss es natürlich ein wirkliches Happy End geben, bei dem die Guten gewinnen und die Bösen bestraft werden. Ausgleichende Gerechtigkeit eben. Dann ist die Welt wieder in Ordnung und ich kann entspannt und beruhigt ins Bett gehen.

Aber so einfach wie in den Fernsehserien ist das alles in Wirklichkeit natürlich nicht und schon gar nicht, wenn es um Gerechtigkeit geht. Die ARD widmet diesem Thema ab heute ja eine ganze Themen-Woche. Aber ich bin mir sicher: Für dieses komplexe Thema reicht eine ganze Woche nicht aus. Denn Gerechtigkeit, die gibt es praktisch nicht. Sie ist ein Ideal, dem man sich nur annähern kann. Aber erreichen? Das ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Dennoch tue ich gut daran, mich um Gerechtigkeit zu bemühen, immer wieder aufs Neue.

Warum das aber so schwierig ist, liegt wohl daran, dass es zwei Vorstellungen gibt, die sich nur schwer miteinander verbinden lassen. Da heißt es zum einen: Gerecht ist es, wenn alle gleich behandelt werden. Aber dann gilt zum anderen: Alle brauchen nicht das Gleiche, dazu sind wir Menschen doch zu verschieden. Es reicht eben nicht, wenn alle z. B. das gleiche Grundeinkommen erhalten, denn der eine kann damit wirtschaften und kommt damit aus und der andere nicht. Daher geht es bei der Gerechtigkeit wohl eher darum, dass jedem das Seinige zukommt. Aber „Was ist das je Seinige?“

Bei den Fernsehserien ist das schnell klar mit dem „Jedem das Seinige“. Aber fragen Sie mal einen Richter am Gericht – im echten Leben, nicht im Fernsehen. Da sieht es dann anders aus. Da ist zum Beispiel jemand zu Tode gekommen und der Täter gefasst. Die Beweislage ist klar. Jetzt muss der Richter ein gerechtes Urteil sprechen. Handelt es sich um Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, Körperverletzung mit Todesfolge? Ich bin froh, dass ich kein Richter bin, der das zu beurteilen hat.

Kein Wunder, dass sich so mancher Prozess sehr lange hinzieht, wenn möglichst alle Fakten berücksichtigt werden sollen. Psychologische Gutachter und andere Fachberater untersuchen, ob der Täter zurechnungsfähig war, ob er im Affekt gehandelt hat oder unter Drogen stand. Wie sieht sein soziales Umfeld aus? Ist er überhaupt schuldfähig? Je nach den jeweiligen Umständen fällt das Urteil dann so oder anders aus: Immer mit Blick darauf, dass für jeden das Seinige gilt. Und eines ist klar: Dem Opfer kann sowieso keine Gerechtigkeit mehr widerfahren; kein Urteil bringt das Opfer zurück ins Leben.

Für mich zeigt sich hier auch noch etwas viel Grundsätzlicheres in Bezug auf Gerechtigkeit: Ist es gerecht, dass ich in einem wohlhabenden Land zu einer friedvollen Zeit geboren wurde und gleichzeitig Millionen von Menschen unter Hunger und Krieg leiden? Wie Gerechtigkeit walten lassen, wenn die Lebensbedingungen so unterschiedlich sind?

Gerechtigkeit ist und bleibt ein hohes Ideal. Und dieses Ideal zu erreichen, kann ich mich eben nur immer wieder bemühen. Das ist klar. Aber als Christ habe ich doch noch eine Hoffnung, über all mein Bemühen hinaus: Ich hoffe nämlich, dass Gott einmal Gerechtigkeit walten lassen wird, indem er jedem das Seinige zukommen lässt und doch alle gleich behandelt.

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