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Choralandacht | 14.12.2013 | 7:50 Uhr

Macht hoch die Tür

Musik 1 – Macht hoch die Tür

Autorin: Türen – es gibt sie ganz unterschiedlich: Haustüren, Fabriktore, Gartenpforten, Ladentüren, Stadttore, Kirchentüren…Menschen gehen durch sie ein und aus.

Treten über die Schwelle. Von einer Welt in die andere. Wir alle sind schon durch die verschiedensten Türen gegangen. Im Kindergarten, in der Schule, an der Uni, am Ausbildungs- und Arbeitsplatz. Mit Spannung und Neugier, was sich dahinter wohl alles verbirgt. Wie damals vor vielen Jahrhunderten, als Amerika entdeckt wurde, „das Tor zur neuen Welt.“ Im Advent besingen wir die Türchen am Adventskalender. 23 kleine und ein großes für Heiligabend. Dahinter Bilder, Schokolade oder Kleinigkeiten.

Musik 1

Autorin: So ist es gewiss kein Zufall, dass mit dem Lied Nr. 1 „Macht hoch die Tür“ auch der Liederzyklus im Evangelischen Gesangbuch beginnt. Es eröffnet sozusagen den Reigen der Advents- und Weihnachtslieder.

Das Lied besingt die Türen und Tore des Tempels in Jerusalem. Sie können für Gott gar nicht "hoch" und "weit" genug sein. Wer hier einzieht, soll spüren: Ich bin eingeladen, ich werde erwartet und bin willkommen. Dabei hatte der Liederdichter Georg Weissel aus Königsberg, der diese Verse 1623 geschrieben hat, ganz anderes vor Augen. Zu seiner Zeit, vor fast 400 Jahren, gab es keine Adventskalender mit Türchen.

Das war eine schwere und traurige Zeit. Mitten im Dreißigjährigen Krieg. Jeder Dritte in Deutschland verlor sein Leben. Jede Familie war betroffen. Noch Jahrzehnte später litt das Land unter den Folgen. Und inmitten dieser Wirren verbreitete sich dieses Lied, als wollten die Menschen gegen den Krieg ansingen. In der ständigen Bedrohung wuchs ihre Sehnsucht nach Gott.

Musik 1, Wilhelmshavener Vocalensemble (1. Strophe)

1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;

es kommt der Herr der Herrlichkeit,

ein König aller Königreich,

ein Heiland aller Welt zugleich,

der Heil und Leben mit sich bringt;

derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott,

mein Schöpfer reich von Rat.

Autorin: Heute sind die Erfahrungen oft anders: Da gibt es zugemauerte Türen, Abgrenzungen von und vor anderen. Da gibt es Türen, die verschlossen sind und bleiben, abgesperrt mit großen Schlössern. Nur die mit dem richtigen Schlüssel können hindurch. Menschen stehen vor verschlossenen Türen in unserem Land und in der Welt. Fühlen sich matt, müde, nicht gewollt. Fast wie damals in Bethlehem.

Maria und Josef sind auf dem Weg. Es ist Nacht, als sie in der Stadt ankommen. Sie suchen eine Bleibe – zum Ausruhen und für die Geburt ihres Kindes. Sie klopfen an viele Türen in der Stadt, aber niemand will ihnen öffnen. Alle haben keinen Platz und keine Zeit. Es bleibt ihnen nur der Stall. "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ klingt wie ein Aufruf, dass nichts so bleiben muss wie es ist. Mauern lassen sich einreißen, Türen sich öffnen.

Musik 2, Leipziger Blechbläser, 2. Strophe

2. Er ist gerecht, ein Helfer wert;

Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,

sein Königskron ist Heiligkeit,

sein Zepter ist Barmherzigkeit;

all unsre Not zum End er bringt,

derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott,

mein Heiland groß von Tat.

Autorin: Der Liederdichter Georg Weissel dichtet hier das Bild von einem König, der ein Gott für die Menschen ist. Gerecht, sanftmütig und geduldig. Seine Zeichen der Macht – Krone und Zepter, stehen im Dienst der Menschen. "Heiland" ist sein Name. Das bedeutet auf Hebräisch: Gott hilft, rettet, und heilt. Diesem Gott soll der Gesang gelten. Diesem Gott soll die Tür weit geöffnet werden.

Musik 2, Leipziger Blechbläser, 3. Strophe

3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt,

so diesen König bei sich hat.

Wohl allen Herzen insgemein,

da dieser König ziehet ein.

Er ist die rechte Freudensonn,

bringt mit sich lauter Freud und Wonn.

Gelobet sei mein Gott,

mein Tröster früh und spat.

Sprecher: "O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat..."

Autorin: Das klingt beinahe wie eine Gratulation. Einer Stadt, die einen solchen König bei sich hat, kann man nur gratulieren. Da geht es den Menschen gut, erst recht, wenn sie ihr Herz öffnen für diesen König, Jesus Christus. Und wenn die Machthaber und Verantwortlichen in der Welt sich von solch einem König in Dienst nehmen lassen, dann können sich die Menschen freuen und glücklich sein. Georg Weissel hatte hier eine Kirchentür vor Augen, nämlich die Tür der neuerbauten Kirche in Königsberg. Für ihre Einweihung schrieb er sein Lied.

Am 2. Advent 1623 öffnete sich das Portal der Kirche zum ersten Mal - für die neue Gemeinde und für ihn als neuen Pastor. So nimmt die 4. Strophe noch einmal den Anfang der ersten auf:

Musik 3, Orgel

Sprecher: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eu’r Herz zum Tempel zubereit’. Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud.“

Autorin: Ein Aufruf im übertragenen Sinn: ein „Sich Einstellen“ auf Gott, der auch in meinem Herzen, in und bei mir, Einzug halten will. Ich selbst soll ein Tempel sein, ein Haus für Gott.

Wem man Tor und Tür öffnet, das ist eine Entscheidung. So wie in meiner Stadt vor einigen Jahren. „Eine Stadt hält zusammen“ – das war das Motto, als Neonazis ihr großes Treffen organisieren wollten. Alle Einwohner, ob Wirt, Taxifahrer oder Stadtverwaltung hielten zusammen und ließen keinen herein. Die Türen wurden – symbolisch – geschlossen, damit keinem rassistisches Gedankengut Tür und Tor geöffnet werden konnte.

Sind die ersten vier Strophen Rede von Gott, so ist die letzte Strophe Rede zu Gott, ein Gebet. Ausdrücklich wird darin Jesus Christus als der persönliche Retter angeredet und gebeten, durch die offene Herzenstür herein zu kommen.

Und da schließt sich nun für mich die Tür, mit einem letzten Bild: Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Ich bin die Tür.“ Wer durch diese Tür geht, ist willkommen, wird erwartet, mit offenen Armen empfangen. Hier wird gelacht und geweint. Gefeiert und getröstet. Gottes Haus – ein Zuhause, jedenfalls für alle, die danach suchen - für einen kurzen Augenblick oder auch für länger, für Stunden oder ein ganzes Leben. Hier kann ich abladen, erzählen, was belastet und mitnehmen, was Mut macht. Die Tür zum Leben.

Musik 1, 5. Strophe

…den Weg zur ewgen Seligkeit.

Dem Namen dein, o Herr,

sei ewig Preis und Ehr.

Musikinformationen

Musik 1

CD-Titel: Es ist ein Ros entsprungen

Titel: Macht hoch die Tür

Text: Georg Weissel (1623)

Melodie: Halle 1704

Chor: Wilhelmshavener Vocalensemble

Leitung: Ralf Popken

Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus Gmbh, Hamburg

Label: Edition Chrismon

Musik 2:

CD-Titel: Weihnacht – Calmus Ensemble und Leipziger Blechbläsersolisten

Tracktitel: Macht hoch die Tür

Komponist: Traditional, bearbeitet von R. Mauersberger

Interpret: Calmus Ensemble und Leipziger Blechbläsersolisten

LC-Nr.:03722

Label:Querstand

Musik 3

CD-Titel: Singt, singt dem Herren neue Lieder – Orgelbegleitsätze zu 60 Melodien aus dem EG

Tracktitel: Macht hoch die Tür (für Orgel – Choralvorspiel)

Komponist: Schneider, Michael

Interpret/ Solist: Sabine Horstmann

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