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Choralandacht | 13.12.2014 | 07:50 Uhr

Nun komm, der Heiden Heiland (eg 4)

Autorin: Advent 2014: Tannengrün, rote Kerzen, Plätzchenduft. Und die beliebten Lieder: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, „Tochter Zion, freue dich“ „Wir sagen euch an den lieben Advent“. Mitten hinein ganz andere Klänge, ein halbes Jahrtausend alt.

Musik 1: Choral, Kantionalsatz (1. Strophe): Nun komm, der Heiden Heiland/ der Jungfrauen Kind erkannt/dass sich wunder alle Welt/ Gott solch Geburt ihm bestellt.

Autorin: Advent 1975: Seit einem halben Jahr habe ich Orgelunterricht, nach der Konfirmation im Frühjahr habe ich damit angefangen. Jetzt übe ich einen vierstimmigen Begleitsatz zu einem alten Adventslied: „Nun komm, der Heiden Heiland“. Zum Glück ist mir dieser Begleitsatz schon aus der letzten Chorprobe bekannt. Ich bin fasziniert von diesem Lied. Die Melodie ist einfach, wirkt aber sehr fremdartig. Und dieser Text! „Nun komm, der Heiden Heiland“: wieso Heiden? Das sind doch Ungläubige - und wir sind doch eine christliche Kirchengemeinde?

Musik II: Orgel

Autorin: Heute weiß ich längst, dass die Bibel mit den „Heiden“ die Menschen meint, die nicht zum erwählten Volk Gottes, dem jüdischen Volk, gehören. Die ersten Jesus-Anhänger waren Juden. Aber bald gab es auch welche außerhalb des jüdischen Volkes. Und dann entstand die Frage, ob die Erwählung auch für sie gilt. Man erinnerte sich an die Geschichten von Jesus. Er hat mit Nicht-Juden gegessen. Er hat den Knecht eines römischen Hauptmanns geheilt. Er hat sogar einen Samariter als Vorbild für barmherziges Verhalten hingestellt. Also fühlten sich auch die nicht-jüdischen Mitglieder der jungen Gemeinde von Jesus erwählt. Deshalb sprach man von der christlichen Gemeinde aus Juden und Heiden.

Musik II: Orgel

Autorin: Advent 1523. Martin Luther schreibt einen Großteil seiner Kirchenlieder. Er möchte, dass die Gemeinde sich aktiver als bisher am Gottesdienst beteiligt, und zwar in ihrer Muttersprache. Bisher wird die Messe in Lateinisch gefeiert. Luther weiß: gemeinsames Singen ist leichter als gemeinsames Sprechen, also müssen neue geistliche Lieder her, und zwar in deutscher Sprache. Einige Lieder erfindet Luther ganz neu, andere dichtet er nach den biblischen Psalmen. Und er überträgt alte Lieder, die auf lateinische Vorlagen zurückgehen.

Denn Luther will gute Traditionen nicht abschaffen, sondern Vertrautes neu zugänglich machen. Nun nimmt er sich einen Hymnus des Bischofs Ambrosius von Mailand vor, der schon seit 1200 Jahren von Christen gesungen wird

Musik II: Hymnus: Veni redemptor gentium

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Autorin: Im Jahre 386 nach Christi Geburt. Bischof Ambrosius in Mailand verfasst einen Weihnachtshymnus. Gerade tobt ein Streit unter den Theologen: war Christus nun Mensch oder war er Gott? Ambrosius geht es in seinem Hymnus um eine theologische Klarstellung. Er möchte herausstellen, dass Christus voll und ganz Gottes Sohn ist. So formuliert es zur gleichen Zeit das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel.

Sprecherin: Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Musik I: Choral, Kantionalsatz (1. Strophe)

Nun komm, der Heiden Heiland/ der Jungfrauen Kind erkannt/dass sich wunder alle Welt/ Gott solch Geburt ihm bestellt.

Autorin: Noch einmal Advent 1975. Im Deutschunterricht behandeln wir mittelalterliche Lyrik. In Luthers Adventslied entdecke ich vieles von dieser Stilistik wieder: zum Beispiel den Stabreim „Heiden - Heiland“, „Kind – erkannt“, „wunder – alle Welt“, oder den bewussten Einsatz nur dunkler Vokale: „wunder – Gott solch Geburt“. Beim Singen fällt mir auf, dass die Sprachbetonung mit den melodischen Akzenten nicht immer übereinstimmt: „Nun komm, der Heiden Heiland“. Deshalb empfinde ich das Lied als sperrig. Aber dann erfahre ich, dass das für Luther noch kein Problem war. Erst hundert Jahre später, 1624, wurde in der Dichtkunst die Regel aufgestellt, dass die sprachliche und die rhythmische Betonung zusammenfallen müssen. Und was erzählt Martin Luther im Advent von Jesus?

Musik I: Choral, motettischer Satz (2. und 3. Strophe)

Er ging aus der Kammer sein, / dem königlichen Saal so rein, / Gott von Art und Mensch ein Held, / sein Weg er zu laufen eilt.

Sein Lauf kam vom Vater her / und kehrt wieder zum Vater, / fuhr hinunter zu der Höll / und wieder zu Gottes Stuhl.

Autorin: Kurz und knapp schildern diese beiden Strophen die ganze Geschichte von Jesus, seinen Lebensweg von der Geburt bis zur Auferstehung. So, als ob dieser Weg in einer mathematischen Kurve an die Tafel gezeichnet wird. Von Gott her und zu Gott hin.

Und dann, in der nächsten Strophe: Szenenwechsel. Von der umfassenden Linie zu einem prägnanten Bild, von der ganzen Geschichte Jesu zurück zum Anfang, zur Geburt.

Musik I: Choral, motettischer Satz (4. Strophe)

Die Krippen glänzt hell und klar,/ die Nacht gibt ein neu Licht dar./ Dunkel muss nicht kommen drein,/ der Glaub bleibt immer im Schein.

Autorin: Plötzlich strahlen und glitzern helle Vokale: „Die Krippen“ „hell“ , „gibt“, „Licht“ – das ist, als ob mit jedem Wort eine weitere Kerze auf dem Adventskranz angezündet wird. Und als ob das Licht von Weihnachten schon aufscheint.

Advent 2012: Ich besuche meine Tochter an ihrem Studienort. Am Sonntagmorgen gehen wir in den Gottesdienst. Das erste Lied ist Luthers „Nun komm, der Heiden Heiland“. Da sagt sie zu mir: „Mama, ist das nicht klasse, dass wir heute noch Lieder singen, die schon vor 500 Jahren gesungen worden sind?“

Musik I: Choral, Kantionalsatz (5. Strophe)

Lob sei Gott dem Vater g‘tan/ Lob sei Gott, seim eingen Sohn,/ Lob sei Gott, dem Heilgen Geist/ immer und in Ewigkeit.

Musikinformationen:

Musik I.

Musik-Titel: Nun komm, der Heiden Heiland

Interpret/Chor: Solistenensemble

Leitung: Gerhard Schnitter

Komponist: Einsiedeln 12. Jh., Martin Luther

Text: Martin Luther

LC-Nr.: 07224

Verlag: Hänssler Verlag

Label:Hänssler-music

Musik II.

Musik-Titel: Nun komm, der Heiden Heiland

Interpret/Chor: Bach-Chor Siegen

Leitung: Ulrich Stötzel

Komponist: Einsiedeln 12. Jh., Martin Luther

Text: Martin Luther

LC-Nr.: 00895

Verlag: Gerth Medien, Asslar

Label: Schulte & Gerth

Zitat:

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel,

in: Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe Rheinland-Westfalen-Lippe-Reformierte Kirche, Nr. 854, Verlagsgemeinschaft Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh; Luther-Verlag, Bielefeld; Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, 1997

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