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Kirche in WDR 3 | 29.11. 2018 | 07:50 Uhr

Postkarte sein

Als ein Besuch im Internet sich noch wie eine Mond-Reise anhörte - oder was waren das für Geräusche, die das Modem machte? - und als die Email nicht nur einen eigenen Kinofilm bekam (mit Tom Hanks und Meg Ryan) sondern auch breites Kommunikationsmittel der Wahl geworden war, da wurde auch die elektronische Grußkarte erfunden. Vielleicht erinnern Sie sich: Man besuchte eine Seite im Internet, suchte ein Motiv aus, eventuell war das Herz oder der Luftballon darauf sogar auch animiert und wackelte fröhlich vor sich hin. Man tippte ein paar Zeilen Grüße in ein Formular und konnte über die Website diese Grußkarte dann an eine Mailadresse verschicken. Wer die elektronische Grußkarte erhielt, bekam einen Link zugeschickt und ein Ablaufdatum, und konnte dann innerhalb von 4 Wochen meist die Grüße lesen und das zugehörige Bild und die Animation angucken.

Heute ist in den USA der Jahrestag der elektronischen Grußkarte. Und es wird wahrscheinlich nicht mehr sehr lange dauern, und man weiß gar nicht mehr, was das ist.

Die elektronische Grußkarte klingt wie ein Gruß aus der Steinzeit der digitalen Kommunikation. Sie hat sich überlebt. Was noch immer lebt, ist der Brief – handgeschrieben, mit Briefmarke auf dem Kuvert und allem was dazu gehört, dass der persönlich wird. Besonders in der Weihnachtszeit. Wobei: Die Postzusteller müssten allein für persönliche Briefe nicht mehr täglich kommen, jenseits der hohen Festtage, soviele gibt es davon übers Jahr nicht mehr. Aber es gibt ihn noch, den Brief, und es wird ihn weiter geben. Da bin ich mir sicher.

Und die Christen können sie darüber glücklich schätzen. Denn sie sind, wenn man so will, eine Briefreligion. Experten würden den Apostel Paulus wohl für ein PR-Genie der frühen Stunde halten, denn er hat mit seinen Briefen eine ganz eigene Art der Glaubenskommunikation begründet. Paulus hat über lange Entfernungen hinweg Brieffreundschaften an ganz unterschiedlichen Orten im römischen Reich gepflegt und die sind eingegangen in die Schriften des Neuen Testamentes. Noch heute werden sie in Gottesdiensten verlesen und durch die Art ihrer Anrede – das direkte „Ihr“ – haben sie nichts von ihrer Unmittelbarkeit verloren.

Das ist nämlich das Geheimnis des Briefes, dass er eine vermittelte Unmittelbarkeit schafft, was nicht nur mit den Worten zu tun hat, sondern auch mit dem Material. Ein Brief ist im besten Sinne „griffig“. Ein Brief ist konkret – was die digitale Grußkarte nie war. Und so lässt sich Paulus an einer Stelle sogar zu einer Formulierung hinreißen, in der er die Briefform noch mal auf das Christsein an sich deutet.

„Ihr seid der Brief Christi“, schreibt er an die Leute in Korinth, „geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern - wie auf Tafeln - in Herzen von Fleisch" (2 Kor 3,3)

Sie merken, auch Paulus erwähnt unterschiedliche Materialien: Tinte, Tafeln aus Stein. Aber das ist ihm nicht das Wichtigste. Heute würde er vielleicht sagen: „Ihr seid der Tweet Christi, oder die WhatsApp. Das Wichtige ist wohl, dass das, wovon das Herz voll ist, einen Kanal zum überlaufen findet und andere Herzen erreicht. Was ja nicht nur für Christen gilt sondern für alle Menschen guten Willens. Das was Paulus da meinte, das hat sich nicht überlebt.

Welchen MessengerDienst würden Sie wählen, wenn Sie ein Bild bräuchten, wie Sie ihre Grundüberzeugung an den Mann und an die Frau bringen sollten? Oder wären es YouTube-Tutorials? Ich merke, bei mir wird es an der Stelle altmodisch, so sehr ich viel und sehr gerne täglich digital kommuniziere. Nein, die elektronische Grußkarte Christi will ich ganz bestimmt nicht sein, ich nehme ihre analoge ältere Schwester, die Postkarte. Emojiis male ich bei Bedarf selber rein, vorne ist ein Bild von einem Ort, an dem ich schonmal war und der mir gut gefallen hat drauf, und hinten ist Platz für ein paar Worte drauf, leicht, aber nicht belanglos und immer persönlich. Ich hoffe, es kommt was beim Adressaten an.

Einen erfreulichen Tag mit freundlichen Nachrichten wünscht Ihnen - Susanne Moll aus Aachen.

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