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Sonntagskirche | 25.11. 2018 | 08:55 Uhr

Tante Hanna - Totensonntag

Guten Morgen.

Heute ist Totensonntag. In der evangelischen Kirche gedenken wir unserer Toten. Die erste Tote meines Lebens war meine Großtante Hanna. 78 Jahre war sie alt und ich elf, als sie starb. Vier war ich gerade geworden, als wir einzogen in das Bauernhaus, wo sie allein wohnte, seit sie Witwe war. Nein, nicht wirklich allein. Eine im Raum Hannover ausgebombte Familie hatte bei ihr Obdach gefunden am Ende des Krieges. Vorübergehend. Als wir einzogen, schliefen wir deshalb noch eine Zeitlang im Heu.

Ich war der jüngste Spross unserer Familie, anders als meine vier Geschwister erst nach dem Krieg geboren. Die Älteren mussten mitarbeiten in Flur, Feld und Stall. Als der Kleinste war ich für Besorgungen und Hilfestellungen zuständig. So ging ich auch Tante Hanna zur Hand, kaufte ein, holte Gemüse vom Acker und oder schleppte Wasser heran, wenn sie die roten Steinwege schrubbte. Danach war Erzählstunde in der Abenddämmerung. Tante Hanna erzählte von alten Zeiten, als sie jung war und neugierig aufs Leben, sich verliebte, und Liebschaften auch zerbrachen. Riesige Kriegsbegeisterung entfachte damals den 1. Weltkrieg. Ihr einziger Bruder fiel auf dem Schlachtfeld. Wie er umgekommen war, trieb sie um, immer noch. Sie wusste es nicht. Trost fand sie einzig in dem tiefen Vertrauen, dass ihr Bruder bei Gott war. Aufgehoben.

Ja, Tante Hanna kannte viele Facetten des Lebens, und ließ mich teilnehmen daran. Manchmal spukte es auch in ihren Geschichten.

Eines Morgens dann eröffnete mir meine Mutter beim Frühstück: Tante Hanna ist ins Krankenhaus gekommen. In der Nacht. Mit starken Schmerzen. Besuchen durfte ich sie nicht, weil ich noch Kind war. Die Erwachsenen berichteten, sie sei verwirrt und erzähle völlig verrückte Geschichten. Ich nahm mir vor, mit ihr über den Unsinn zu lachen, wenn sie nur erst wieder da wäre.

Aber sie kam nicht wieder. Doch - als Tote wurde sie aufgebahrt im Wohnzimmer. Ich ging an ihren Sarg. Hoffte, sie würde sich doch noch bewegen. Aber selbst die Uhr stand still. Angehalten wurde die, ob ihres Todes.

Erst war‘s mir unheimlich. Doch dann setzte ich mich zu Tante Hanna und erzählte unsere Geschichten wieder, von Gott und der Welt. Aus sieben Jahren Dämmerstunde. Leise, die musste ja sonst keiner hören. Nur sie.

Als ihr Sarg dann nach vier Tagen hinabgelassen wurde ins Grab, begriff ich unmittelbar, was ich sah: Von Erde bist du genommen, Erde sollst du werden. Das ist der Kreislauf des Lebens. Und doch fiel mir damals viel Wichtigeres ins Herz: Es gibt eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Ich bin hier und Tante Hanna ist aufgehoben bei Gott. Seitdem sind Friedhöfe (1) für mich nicht nur Orte der Erinnerung. Sie sind Orte der Hoffnung. Orte der Gewissheit: Gott hatte Tante Hanna nun von der einen Hand in die andere genommen, auf ewig.

Einen gesegneten Totensonntag wünsche ich Ihnen. Er wird auch Ewigkeitssonntag genannt.

(1)www.ort-der-hoffnung.de

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