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Sonntagskirche | 18.11. 2018 | 08:55 Uhr

Wurzeln von Gift und Wermut

Gut, dass ich Gerd fragen kann. Zum Beispiel danach, wie alt die sechs mächtigen Rosskastanien wohl sind neben dem griechischen Lokal in unserem Stadtteil. Gerd kennt sie, seit er denken kann. Er wurde hier in der alten Zechensiedlung geboren, wo wir heute leben.

Als Schattenspender seien die Bäume einst gepflanzt worden für die Gartenwirtschaft Nolle. Nolle sei so richtig in Schwung gekommen in den dreißiger Jahren mit dem Bau des Heereszeugamts. Damit sei Geld in die Zechenkolonie geflossen. Führungsleute der Wehrmacht hätten sich gerne im Gasthaus Nolle vergnügt. So an Kulturabenden. Kabarett und Schauspiel habe es gegeben, ganz im Geiste der Nazis. Alle Anwohner seien dazu willkommen gewesen.

In den Vierzigern habe man dann - direkt hinter den Kastanien - Baracken gebaut. Für Zwangsarbeiter, mit hohem Stacheldrahtzaun. Täglich seien die Kriegsgefangenen von dort zur Arbeit getrieben worden ins Heereszeugamt. In geschlossenen Kolonnen, hungrig, hohlwangig, frierend, schutzlos der Willkür ihrer Antreiber ausgesetzt. Essbares zustecken sei strengstens verboten gewesen.

Auch Bombengeschwader habe das Heereszeugamt nun auf sich gezogen. Bergleute hätten Stollen in die mächtige Abraumhalde getrieben, die sich wie ein Berg mit einem Wäldchen erhoben habe zwischen dem alten Schacht und dem Lokal Nolle. So seien Schutzräume entstanden mit Eingängen aus vier Richtungen.

Am 5. März 1945 wurde Gerd - damals 13 Jahre alt- vom Bombenalarm überfallen, auf dem Nachhauseweg von der Schule. Sofort sei er in Richtung Schutzräume gerannt. In vier Wellen hätten 300 Bomber wohl 500 Spreng- und 8000 Brandbomben abgeworfen. Nach Stunden -endlich wieder draußen- habe er nur noch tote oder blutüberströmte Menschen gesehen - und brennende Häuser. Auch Gastwirt Nolle habe tot auf der Straße gelegen, neben seinem Fahrrad. 39 Zwangsarbeiter seien den Bomben - völlig schutzlos - zum Opfer gefallen.

Sein Onkel habe ihm den Weg versperrt, als er - mit Mutter und Schwester – endlich habe heimgehen wollen. Da steht nichts mehr, habe der Onkel nur gesagt.

Dass die sechs Kastanien dieses Inferno unbeschadet überstanden, ist fast unbegreiflich. Zeitzeugen sind sie. Wohl noch hundert Jahre können sie dort stehen. Aber erzählen können sie nicht, was geschah, wenn die Gefährten aus Gerds Generation nun immer weniger werden.

Und zugleich solche Töne öffentlich immer lauter werden wie diese:

Sprecher/in: Wir brauchen endlich wieder Krieg. Oder ... eine Krankheit, die vor allem die sozial Schwachen dahinrafft... Sie ziehen die Gesellschaft nur ...herunter und behindern die Eliten. Ob sie auf der Autobahn mit ihren Kleinwagen die linke Spur verstopfen oder uns mit Hartz IV auf der Tasche liegen. (1)

Heute ist Volkstrauertag. Tag des Gedenkens zahlloser Opfer von Kriegen. Und der Erinnerung an die Wurzeln von Menschenverachtung, Rassismus, Hass und Krieg.

Ein alter Text der Bibel mahnt an: Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt. (5. Mose 29,17)

Da lauert wieder eine riesige Gefahr. Darum lasst uns Gott bitten: Richte du unsere Füße auf den Weg des Friedens.

(1)http://www.jerkos-welt.com/wir-brauchen-wieder-einen-krieg/

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