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Kirche in WDR 2 | 20.06.2022 | 05:55 Uhr

Im Kuhaltersheim

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und neulich, ich glaube, es war ein Montag, da hat mich einer gefragt: „Ihr bei der Kirche, ihr habt doch die Caritas. Und die kümmert sich doch um alte Menschen. Wäre es nicht auch ihre Aufgabe, sich um alte Tiere zu kümmern? Warum habt ihr bei der Kirche eigentlich zum Beispiel keinen Gnadenhof für Tiere?“ Und er hat mich auf einen Film hingewiesen, den ich mir dann auch angeschaut habe. Und der in mir noch lange nachgehallt hat.

Der Film erzählt von der Arbeit von Jan Gerdes und Karin Mück. Sie haben in Norddeutschland ein Altersheim für Kühe eröffnet: Den Hof Butenland. Jedes Tier, das es auf den Hof geschafft hat, darf dort leben, bis es von selbst stirbt, sagen sie. Sie finden, die Menschen sollten den Tieren Beachtung zu schenken, deren Leiden sie nicht sehen und deren Bedürfnisse keine Rolle spielen. Denn: Kühe sind Individuen wie wir Menschen auch, sagen sie. Sie haben Gefühle und Verhaltensweisen, die wir Menschen beobachten und deuten könnten, wenn wir sie in Freiheit erleben würden. Kühe sind Herdentiere, haben feste soziale Strukturen, lieben ihre Kinder, pflegen Freundschaften und helfen einander sogar. Kühe sind einfühlsame, intelligente, liebevolle Wesen. Manche von ihnen sind zurückhaltend, andere frech, forsch und neugierig, manche schätzen das Zusammensein mit vielen Artgenossen, andere bleiben lieber etwas für sich. Keine ist wie die andere, auch wenn wir das bisweilen vergessen oder verdrängen angesichts der über vier Millionen Milchkühe, die allein in Deutschland gehalten und ausgebeutet werden.

Inzwischen leben über 100 Tiere auf dem Hof, und inzwischen sind auch Schweine, Pferde, Hunde, Hühner und noch einige andere Tierarten dazu gekommen, die Jan Gerdes und Karin Mück vor dem Schlachter gerettet haben, vor Vernachlässigung oder Verwahrlosung. Es ist berührend, mit welcher Aufmerksamkeit und Augenhöhe sie den Tieren begegnen. Wie sie den Körperkontakt suchen. Wie sie die riesigen Tiere kraulen und streicheln. Als sich eines Tages eine Kuh einen Trümmerbruch in einem Bein zuzieht, telefonieren sich ihre Helfer durch Arztpraxen und Tierkliniken. Um am Ende festzustellen, dass die Heilung solcher Brüche Tierärzten schlicht nicht gelehrt wird. Weil es sich nicht lohne. Tja.

Mich hat der Film sehr beeindruckt. Ich erlebe ja selbst jeden Tag, wie segensreich der Kontakt zu unseren Tieren ist. Ins weiche Fell von Greta zu greifen oder den warmen Hals von Ramina, unserem Pferd an meiner Backe zu spüren – wie schön, tröstlich und wunderbar ist das. Alles, was atmet, lobe den Herrn! Wie schnell und gedankenlos ist das gebetet und gesungen. Was das aber wirklich meint, das kapiere ich, wenn ich Jan Gerdes und Karin Mück zusehe. Es bedeutet, Gott im Muhen einer alten Kuh zu entdecken. Im Scharren eines altersschwachen Hahns seine Spuren zu sehen. Und dann denke ich: es ist höchste Zeit, damit anzufangen. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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