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Kirche in WDR 2 | 24.05.2014 | 05:55 Uhr

Ansage für einen Reichen

Der x-te Spendenaufruf, die soundsovielte Bitte „um Hilfe in der Not“: Was gibt man nicht alles, wo hilft man nicht, man macht ja auch alles. Und dann muss man sich immer noch anhören, man täte ja nicht genug, man hätte zuviel und als Reicher soll man auch an die Armen denken. Ja, was soll man denn noch tun?

Was soll ich denn noch tun? Genau das war seine Frage gewesen, die Frage jenes jungen und reichen Mannes, der eines Tages zu Jesus kam. Völlig unangemeldet übrigens. Womöglich zutiefst beunruhigt. Als ob er schon geahnt hätte, dass das alles nicht reicht. Als wäre das alles nicht genug. Als gäbe es da noch etwas, das Gott von ihm wollte, ausgerechnet von ihm. Und diese innere Unruhe, dieses Grummeln, dieses in ihm nagende, ihn so unzufrieden Machende, das war womöglich überhaupt der Grund gewesen, warum er zu jenem seltsamen abgefahrenen Rabbi gegangen war, von dem alle erzählten: Jesus von Nazareth – naja, nicht gegangen, er hatte sich natürlich bringen lassen, von den Angestellten seines Vaters.

Vielleicht war das nicht so klug gewesen. So ein öffentlicher Auftritt eines reichen Jüngelchen – vor einem Prediger, der es vor allem mit den Armen hielt, wie es hieß: Dieser Jesus pries die Armen und versprach ihnen einen Platz im Himmelreich Gottes und war auf die Reichen nicht gut zu sprechen, ja er verglich sie hin und wieder mit Kamelen. Vielen Dank.

Dass er reich war – wenn auch nicht so auf die prahlerische Art - das konnte der Jüngling nicht verbergen. Das sahen alle sofort, auch Jesus sah das, als er zu ihm gekommen war. Aber Jesus sah auch, dass dem jungen Mann der Reichtum nicht reichte. Das er zu ihm kam, mit einer Frage, weil er ahnte, dass das nicht das ganze Leben sein konnte. In seinem Inneren hatte sich eine Leere auszubreiten begonnen. Und mitten in ihr die Frage: Warum das alles? Was ist der Sinn? Deshalb wollte er wissen: Was kann ich tun – Gutes in den Augen Gottes? Der junge Mann wollte das nicht schlau philosophieren sondern ganz konkret wissen: Was muss ich machen, dass mein Leben am Ende nicht vergebens ist? Wie kann ich das Geschenk meines Lebens dankbar zurückgeben an DEN, der es mir gegeben hat? Es war noch früh genug für ihn diese Frage zu stellen, er war noch jung, hatte das Leben noch vor sich. Aber die Antwort, die er von Jesus bekam, war zunächst mal enttäuschend für ihn. Halte die Gebote Gottes, liebe deinen Nächsten, ehre Deine Eltern und sorge für die Armen. Kurz: Nix Neues unter dem Himmel. Nichts, was er nicht schon gekannt hätte. Deshalb war er nicht gekommen. Das habe ich mein ganzes Leben schon getan, sagte er. Und etwas an dem Ton, wie er es sagte, hat Jesus wohl aufhorchen lassen müssen und er hat gespürt, dass er ihm noch eine Antwort schuldig war. Und so sagte Jesus: Eines fehlt dir noch. Das ließ wiederum den jungen Mann aufhorchen. Also doch, es gab noch etwas, etwas anderes. Dieser seltsame Rabbi würde ihm einen Weg zeigen, einen anderen Weg, weg von allen Konventionen, hin zum Eigentlichen, zum Wesentlichen. Und er wird an seinen Lippen gehangen haben: Sage es mir, koste es, was es wolle, wird er gedacht haben. Und dann kam es: Nimm all dein Geld und gebe es den Armen, sagte Jesus.

TATAAA: Das war sie – die Lösung. Oder? So ein Blödsinn. Das hätte man ja ahnen können. Bei Jesus, diesem Freund der Armen, diesem Prophet der Straße, der sich selber aushalten und auf jede Feier einladen ließ, der ohne festen Wohnsitz und ohne Steuernummer lebte. Klar, dass der nix Besseres wusste als ihm zu empfehlen, alles hinzuschmeißen, auszusteigen und von der Hand im Mund zu leben. Nun könnte man meinen, der junge Reiche hätte ihn für diesen Vorschlag ausgelacht. Hat er aber nicht. Er hat nicht gelacht. Im Gegenteil: Er war zutiefst betrübt. Warum? Vielleicht weil er ahnte, dass dies die Antwort seines Lebens war.

Er würde natürlich nicht alles hinschmeißen, all sein Hab und Gut verschenken und fortan ein Leben auf der Straße führen – er würde nicht aussteigen. Er würde gar nicht alles lassen wollen. Und das wusste er. Er war nicht frei zu gehen, wohin er wollte. Zu tun, was er wollte, das wurde ihm klar in diesem Moment. Er war gefesselt an seinen sozialen Status. Er brauchte das. Gib, was Dir geschenkt wurde, zu gleichen Teilen wieder zurück. Das war es, was Jesus zu ihm gesagt hatte. Und das war zu viel für ihn.

Warum war er nicht glücklich, jener junge Mann, hatte er nicht alles? Ja, er hatte alles. Aber es bedeutete ihm nichts. Weil es anderen nichts bedeutete. Glück ist niemals nur etwas, das man für sich allein behält.

(Copyright Vorschaubild dry2 CC0 Pixabay)

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