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Kirche in WDR 2 | 03.09.2014 | 05:55 Uhr

Ruts Lösung

„Komm, nimm von meinem Brot. Und tauche etwas davon in diesen Essig-Dip. Das wird Dir schmecken!“ Der Mann ist freundlich zu Rut. Fast etwas unheimlich. Erst hat er ihr erlaubt, auf seinem Feld die Nachlese zu halten. Was bei der Ernte stehen geblieben war, durfte sie für sich sammeln. Dann hat er sie aufgefordert, nicht auf andere Äcker zu gehen. Sondern bei ihm zu bleiben. Und jetzt lädt er sie auch noch zum Essen ein. Ist ihm zu trauen?

Rut fühlt sich ausgeliefert. Als junge, kinderlose Witwe in einem fremden Land. Sie kennt dort nur ihre Schwiegermutter. Mit ihr war sie nach dem Tod ihres Mannes nach Israel gegangen. Hat darauf vertraut, dass die Israelis tatsächlich so fürsorglich mit ihren Nachbarn umgehen, wie ihre Gesetze es von ihnen fordern.

Mit der Zuwendung eines Mannes hat sie nicht gerechnet. Ist er ganz ohne Hintergedanken? Oder will er ihre Armut ausnutzen? Sie vertraut sich ihrer Schwiegermutter Noomi an. Erzählt ihr jede Einzelheit. „Wie heißt dieser Mann?“, fragt Noomi. „Boas.“ „Gesegnet sei Gott, der seine Barmherzigkeit nicht abwendet von den Lebendigen! Er ist ein Verwandter von uns. Nach unseren Gesetzen muss er für Dich sorgen. Vielleicht sogar, indem er Dich zur Frau nimmt.“

Rut fehlen die Worte. Soll das ihre Zukunft sein? An der Seite eines wohlhabenden Grundbesitzers? Würde es zwischen ihnen nicht immer ein Gefälle geben: Er, der großzügige Gönner, dem sie nichts abschlagen kann? Sie, die Abhängige, die auf sein Wohlwollen angewiesen ist?

Noomi macht jedoch schon Pläne: „Bade Dich und parfümiere Dich. Wenn er heute Abend nach der Arbeit getrunken hat und schläft, dann lege Dich zu ihm. Wenn er aufwacht, wird er Dir sagen, was Du tun sollst!“ Meint ihre Schwiegermutter das ernst? Soll sie sich so erniedrigen? Oder wird sie auf diese Weise die Initiative gewinnen? Diesen Mann für sich erobern und so auf Augenhöhe mit ihm geraten? Er ist so anders als ihr schüchterner erster Mann. Aber er gefällt ihr auch mit seiner Geradlinigkeit und Fürsorglichkeit. Sie spürt, wie eine Sehnsucht in ihr lebendig wird.

Tut sie deshalb, was ihre Schwiegermutter ihr rät? Oder weil sie Noomi vertraut? Oder ist es doch die Not, die ihr keine Wahl lässt? Als Boas in der Nacht aufwacht, erschreckt er. „Wer bist Du?“, fragt er im Dunkeln. „Ich bin Rut. Deine Verwandte.“ „Das weiß ich,“ antwortet er leise. „Und ich habe auch von Deiner Treue zu Deiner Schwiegermutter gehört. Wenn Du gehst, nimm ein Tuch voller Gerste mit. Damit niemand denkt, Du hättest die Nacht bei mir verbracht.“

Rut ist gerührt. Dass er so einfühlsam, so zurückhaltend bliebe, hatte sie heimlich gehofft. Diesen Mann würde sie lieben können. Sie hat schon damit begonnen. Nach der Heirat bekommt sie einen Sohn und nennt ihn Obed. Er wird der Großvater des Königs David von Israel.

Vielleicht erzählt die Bibel deshalb die Geschichte von Rut, die vor 3.000 Jahren spielt. Mich berührt die Geschichte dieser Frau, die einen Flüchtling liebt und dann selber zur Migrantin wird. Die dadurch den Gott Israels entdeckt. Und seine Gesetze, die den Schutz von Armen und Fremden fordern. Bis heute.

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Abspielen Foto: Michel Buchmann / Wikimedia
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