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Kirche in WDR 2 | 13.05.2015 | 05:55 Uhr

Ich kann nicht die Welt retten

Gibt es eigentlich so was wie eine christliche Politik? In den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Bundesrepublik noch jung war, wurde um diese Frage zwischen der CDU und der SPD gestritten. Richtig gestimmt hat der Gegensatz schon damals nicht; in der SPD gab es mehr Christen als man glaubte, und in der CDU war die Überzeugung durchaus verbreitet, dass man mit Glauben keine Politik machen kann.

Solche Erinnerungen sind aktueller als man meint. Es mag ja sein, dass unser öffentliches Leben immer religionsloser wird. Aber Rechtspopulisten aller Art, die ja in ganz Europa und auch bei uns wieder hoffähig werden, schwadronieren oft und gern vom christlichen Abend-land. Der allmählich anlaufende us-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf zeigt, dass große Teile der republikanischen Partei davon überzeugt sind, die richtige Weltpolitik aus der Bibel ableiten zu können. Und dass größere politische Bewegungen speziell in der arabischen Welt ganz genau wissen, dass die passende staatsrechtliche Ordnung für das 21. Jahrhundert im Koran steht und deshalb notfalls mit brutaler Gewalt durchgesetzt werden muss, dürfen wir Abend für Abend im Fernsehen beobachten.

Wie ist das also mit Glaube und Politik? Aufgeklärte liberale Menschen werden die Frage damit beantworten, dass Religion Privatsache ist und das Wohlergehen des Gemeinwesens nicht mit Glaubenssätzen, sondern mit politischer Vernunft zu steuern ist. Das ist auch richtig. Aber es ist dann doch nicht die ganze Wahrheit. Immerhin beanspruchen die großen Weltreligionen, auch das Christentum, nicht einfach nur für die persönliche Erbauung des Einzelnen von Bedeutung zu sein. In der Theologischen Erklärung von Barmen aus dem Jahr 1934 heißt es zum Beispiel, dass „Jesus Christus Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben“ ist. Damals bedeutete das: Als Christ kann ich nicht tief in meinem Herzen Jesus Christus und ansonsten in allen Alltagsbezügen Adolf Hitler gehorchen. Wenn ich Christ bin, dann gilt das für alle Bereiche meines Lebens.

Wer Christ ist, legt das also nicht an der Garderobe ab, sobald es politisch wird. Wie kann das aber nun praktisch funktionieren? Das hat die Wochenzeitung Die Zeit kürzlich den grünen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gefragt. Der ist praktizierender Christ und hat geantwortet: Meine Konsequenz aus der Tatsache, Christ zu sein, ist – ich kann die Welt nicht retten.“ Das fand Die Zeit „deprimierend“, vermutlich weil es so unspektakulär und demütig klingt. Und Kretschmann erläuterte: „Erst wenn man von der totalitären Erlösungsfantasie ablässt, die Welt retten zu wollen, wird man reif zur Politik und trägt womöglich etwas zu ihrer Rettung bei. Erlösung ist etwas für den Erlöser – und davon gibt es für Christen nur einen, und der sitzt im Himmel.“

Politik aus christlicher Überzeugung bedeutet also gerade nicht, sich im Besitz der Wahrheit zu fühlen. Wer sich als Christ politisch engagiert, wird sich vielmehr der eigenen Fehlbarkeit und Unzulänglichkeit bewusst sein. Auch der Politiker ist nur ein Mensch und nicht der Mes-sias. So gesehen ist christlicher Glaube der beste Schutz vor politischen Heilsbringern aller Art. Man erkannt sie daran, dass sie genau wissen, dass sie die Guten sind, dass sie die Bösen gern auch mal um die Ecke bringen, und dass nur so die Welt zu retten sei. Das aber ist garantiert keine christliche Politik.

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