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Kirche in WDR 2 | 02.09.2015 | 05:55 Uhr

Die Beschwörung

Baalschem – so wurden früher berühmte jüdische Gelehrte genannt. Ein Baalschem wurde man, weil die Leute einen so nannten. Weil sie spürten, dass ein Mensch die Gabe hatte, anderen zu helfen. Sie gesund zu machen. Seelisch und körperlich. So jemand wurde Baalschem genannt, ‚Meister des Namens‘. Denn er handelte nicht im eigenen Namen, sondern im Namen Gottes.

Vor 300 Jahren lebte so ein Baalschem in Wien. Er besaß eine große Sammlung alter Schriften. Es heißt, dass er sein heilsames Wissen aus diesen Schriften gewonnen hatte. Je älter er wurde, desto mehr quälte ihn die Frage: Wem sollte er seine Schriften vererben? Er hatte zwar einen Sohn. Der war fromm und gelehrt. Aber würde er diesen Schriften gewachsen sein?

Der alte Baalschem wusste, dass das in den Büchern enthaltene Wissen nicht ungefährlich ist. Man kann es zum Guten und zum Schlechten nutzen – wie ein Messer, mit dem man ein Brot schneiden oder einen Menschen töten kann. Kurz vor seinem Tod hatte er erfahren, wem er die Schriften vererben konnte: Einem Israel ben Elieser, der in Okop lebte, im Westen der Ukraine. Der Baalschem gab seinem Sohn den Auftrag, diesem Mann alles zu übergeben.

Als der Sohn in Okop ankommt, traut er seinen Augen nicht. Israel ben Elieser ist erst 14 Jahre alt und arbeitet als Aushilfskraft in einer Schule. Das iiritiert den Sohn des Wiener Gelehrten und er fragt die Leute nach ihm aus. Und alle schütteln nur den Kopf: Der habe keine Ahnung und kein Benehmen. So schnell gibt der Sohn des Baalschem jedoch nicht auf. Die weite Reise will er nicht umsonst gemacht haben. Er setzt sich in die Schule. Kommt mit dem jungen Mann ins Gespräch. Und merkt bald: Das ungehobelte Auftreten ist nur Fassade. In Wirklichkeit ist Israel ein feinsinniger und für sein Alter ungewöhnlich gebildeter Mensch.

Er übergibt Israel die alten Schriften und erzählt, was es mit ihnen auf sich hat. Erstaunlich, dass er sich nicht an sein Erbe klammert. Aber eine Bitte hat er doch: Wenn Israel die Schriften erforscht, dann möchte er dabei sein. Möchte ebenfalls erfahren, was aus den Büchern seines Vaters zu lernen ist.

Von dieser Erforschung wird Erstaunliches erzählt. Die beiden fasten tagelang. Sie sprechen die heiligen Sätze aus den Büchern. Aber weil der Sohn des Baalschem nicht aufmerksam genug ist, bricht beinahe ein Feuer aus. Um ein Haar hätte es die ganze Stadt zerstört.

Israel will das Experiment beenden. Aber der andere bedrängt ihn weiterzumachen. Wieder fasten sie und folgen den vorgeschriebenen Ritualen. Bei Einbruch der Nacht entdecken sie plötzlich, dass sie sterben müssen – wenn es ihnen nicht gelingt, die gesamte Nacht wach zu bleiben. In der Morgendämmerung, so wird erzählt, kann der Sohn des Wiener Rabbis die Augen nicht mehr aufhalten und schläft stehend ein. Umsonst versucht Israel, ihn zu wecken.

Eine erstaunliche, fantastische Geschichte! Sie erinnert mich daran, dass nicht nur Ärzte und Ingenieure große Verantwortung haben. Auch bei den Fragen des Glaubens geht es um Leben und Tod. Sie verdienen es, ernst genommen zu werden.

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