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Kirche in WDR 2 | 11.12.2015 | 05:55 Uhr

Paris

Auch ich liebe Paris. Die Boulevards. Die Straßencafés. Die Boutiquen und die Konzerthäuser. Die Anschläge vom 13. November haben auch mich getroffen. Im Januar habe ich „Je suis Charlie“ gesagt. Auch ich war „Charlie Hebdo“, das Satiremagazin, dessen Redaktion zum Opfer von Islamisten wurde. Und heute kann ich sagen: „Je suis Paris“: Auch ich bin irgendwie ein Teil von Paris.

Im Netzwerk Twitter wurde ein mutmaßliches Bekennerschreiben der Terroristen verbreitet. Dort heißt es: „In einer gesegneten Attacke nahm eine Gruppe von Gläubigen die Hauptstadt der Abscheulichkeit und der Perversion zum Ziel, Paris.“ Die Konzerthalle Bataclan, wo sie mehr als 80 Menschen töteten, war für die Islamisten ein Ort, „wo sich hunderte Götzendiener in einer perversen Feier versammelt hatten.“

Viele haben die Anschläge als Angriff auf unsere westliche Lebensweise verstanden. Ein Fußballspiel. Pulsierende Restaurants am Freitag Abend. Ein Rockkonzert. Für die Islamisten ist das der Ausdruck eines perversen Lebensstils, abscheulicher Götzendienst. Trotzig haben viele dagegen gehalten: Genau das sind die Symbole unserer Freiheit!

Für mich ist Paris noch viel mehr als Fußball und Rockkonzerte. Die Freiheit von Paris ist nicht nur die Freiheit zum Abtanzen und Flirten. Paris ist die Stadt, wo unsere demokratische Freiheit erkämpft wurde – in der französischen Revolution. Saint Denis, wo das Fußballstadion Stade de France steht, ist mit seiner Kathedrale der Geburtsort der gotischen Baukunst. Paris ist die Stadt der 143 Museen, vom Centre Pompidou über Picasso bis zur Kunst der arabischen Welt. Und in Paris schrieb Marcel Proust den vielleicht faszinierendsten Roman der Weltliteratur.

Die Zeichnungen in Charlie Hebdo finde ich immer wieder geschmacklos. Und auch die Band aus dem Bataclan ist nicht mein Ding. Ihr letztes Album zeigt eine barbusige Frau in schwarzen Lederklamotten. Ihre Hand im Schritt, die Finger zum Metalgruß gespreizt. Und statt ihrer Brustwarzen sieht man die Gesichter von zwei Bandmitgliedern. Ich lasse mich von keinem Islamisten dazu zwingen, auf so etwas zu stehen. Die „Eagles of Death Metal“ sind genauso wenig das Symbol unserer Kultur wie das Team von Jogi Löw.

Aber es kommt nicht darauf an, ob ich etwas vulgär finde oder nicht: Es gehört zur Vielfalt von Paris. Was unsere Kultur ausmacht, das ist die Freiheit der Wahl. Ich darf selbst entscheiden, ob ich lieber Marcel Proust lese oder Charlie Hebdo. Ob ich lieber in der Bastilleoper Fausts Verdammnis höre oder die Eagles im Bataclan. Oder ob ich je nach Stimmung beides mag.

Paulus schreibt in seinen Briefen: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll mich gefangen nehmen.“ Deshalb: „Prüft alles und das Gute behaltet.“ Darum geht es: Unsere Kultur traut ihren freien Bürgerinnen und Bürgern zu, selbst die Wahl zu treffen. Wir brauchen dazu keinen Wächterrat und keine Inquisition. Aber wir brauchen die Freiheit für die leidenschaftliche Auseinandersetzung darum, was nützlich ist und was uns nicht gefangen nimmt.

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Abspielen Foto: Michel Buchmann / Wikimedia
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