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Kirche in WDR 2 | 07.01.2014 | 05:55 Uhr

Forever young

Irgendwas ist nicht mehr so wie früher, hat sich verändert. Das Gefühl hatte er schon eine ganze Weile. Aber er konnte gar nicht genau sagen, was es war.

Er merkte nur, dass er sich nicht mehr so wohl fühlte. Lag es daran, dass seine Haare inzwischen deutlich angegraut waren? Das heißt – die, die noch da waren, denn die Zeiten seiner Hippie Frisur waren lange vorbei. Seit neuestem hatte er auch immer wieder mal diese Knieschmerzen – der Meniskus meinte sein Orthopäde. Das wäre eben der normale Verschleiß. Und die Musik im Radio wurde von Jahr zu Jahr schrecklicher – irgendwie spielte die Bands heutzutage nicht mehr den guten alten Rock’n Roll…

Seltsam: Nach der Fete zu seinem 25. Geburtstag mussten sie den Flur der WG neu streichen, weil auf den Wänden überall Fußabdrücke und Lippenstift waren.

(Und die Party zum 30. endete in einer wüsten Schlägerei….) Seinen 40. hatten sie in kleiner Runde beim Italiener gefeiert – mit Antipasti und einem gepflegten Glas Wein.

Im Radio bekannte Töne. Alphaville: Forever young. Plötzlich wusste er, was es war. Forever Young! Die Hymne seiner Jugend stimmte nicht mehr. Ich werde alt durchzuckte es ihn.

Ist das nicht ungerecht, fragte er sich, während sein Fuß den Takt mitwippte. Früher – da hatte man so viele Ideen, so viele Pläne – und auch so viel Zeit. Wollte Reisen machen, Hobbys ausprobieren und so weiter. Nur Kohle hatte man keine. Aber heute? Das Geld für den Motorradführerschein wäre da. Schließlich bezahlt ihn seine Firma gut. Aber wann bitteschön sollte er mal Zeit zum Moppet fahren haben? Und hinterm Lenker könnte er ja auch gar nicht telefonieren, wäre nicht erreichbar…

Was ist eigentlich aus all den Träumen, Plänen von früher geworden? Beruflich hatte er sich in den letzten Jahren hochgearbeitet. Eigentlich hatte er nun seine Traumstelle. Nicht wie sein Kumpel, der hatte neulich noch mal von vorne angefangen und doch noch mal studiert. Wenn nicht jetzt, dann nie wieder, hatte er gesagt… .

Und mit der Familie, seiner Frau, den Kindern läuft es doch ganz gut, fand er. Aber ob er die Weltreise mit dem Rucksack noch mal machen wird? Und spanisch lernen? Naja, vielleicht wenn er mal in Rente geht… Also unterm Strich, sagte er sich, geht es mir gut. Bin ich oben auf. Da wo ich immer hin wollte. Und trotzdem!

Das kann doch nicht alles gewesen sein! Ich werde mir was suchen. Noch mal was anfangen, was neues. Vielleicht doch das Motorrad. Ich will noch nicht mental in Rente gehen. Das halbe Leben liegt noch vor mir. Und dann fiel ihm wieder ein, was er neulich in der Zeitung gelesen hatte:

»Wenn das Leben ein sechswöchiger Sommerurlaub ist, haben wir noch gut drei Wochen vor uns. Wir kennen schon den schnellsten Weg zum Strand und wissen, wo es die leckersten Brötchen gibt. Wir haben noch einige Ausflüge in die Umgebung vor uns und freuen uns schon aufs Baden am nächsten Tag. Und das Ende des Urlaubs? Das liegt nun wirklich noch in weiter Ferne.«

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