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Kirche in WDR 2 | 25.06.2016 | 05:55 Uhr

Der Garten der Harten

Mitten in Berlin-Neukölln liegt ein Garten. Ein Veilchenbeet, Obstbäume, eine Wildwiese und mittendrin ein Pavillon. Eine 7000 Quadratmeter große Fläche, auf der ein 67 Jahre alter Mann sich an einem Wunder versucht: Sein Garten soll eine Rettungsstation sein für all die schwierigen Jugendlichen, die in der Gegend wohnen.

Der Mann heißt Henning Vierck, ist zwei Meter lang und hat Hände, die größer sind als die Köpfe der meisten Kinder, die hier herkommen. Seine Wutanfälle sind genauso berüchtigt wie seine Warmherzigkeit. Seine Stimme ist voll und weich, wenn er will. Aber wenn er brüllt, dann in druckreifen Sätzen.

In seiner Geduld, seinem Sinn für Gerechtigkeit und in seinem Zorn hat er etwas von einem alttestamentlichen Patriarchen. Der Bart tut sein Übriges.

Henning Vierck will mit seinem Garten einen Vergleich wahrmachen: die Seele als Garten, angelegt von Gott, vollendet durch Erziehung. In einem guten Garten vollendet der Mensch die Natur, heißt es. Henning Vierck nennt seinen Garten: Das Paradies.

Ein Paradies mit klaren Regeln. Kein Alkohol, keine Drogen, keine laute Musik. Die Wiese mit den seltenen Gräsern darf nicht betreten werden und Früchte dürfen nur gemeinsam abends gepflückt werden, so viele, wie man mit den Händen tragen kann. Gewalt gegen Pflanzen und Menschen ist ein Skandal.

Aber wenn die Regeln im Garten aus Henning Viercks Mund kommen, klingen sie immer auch wie Poesie. „Manchmal kommen Kinder mit Tüten in den Garten, um Früchte zu pflücken und sie mit nach Hause zu nehmen. Dann bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen, dass es im Paradies keine Tüten gibt. Da lebt man von der Hand in den Mund.«

Mit den Obstbäumen im Garten wuchsen auch die Jungs von der R44 auf, bis vor einigen Jahren eine der härtesten türkischen Jugendgangs in Neukölln. R44 stand für Richardstraße und 44 für den alten Postcode von Neukölln. Bei Prügeleien mit anderen Gangs wurde mit Holzlatten aufeinander eingedroschen und mit Messern aufeinander eingestochen. Ali Kaya, der auffälligste, unruhigste und vorlauteste Junge war Gangchef und die selbst ernannte »Stimme von Neukölln«. Henning Vierck kennt ihn, seit er klein war. „Vierck“, sagt Kaya, „war für mich wie ein Vater. Er hat uns aufgenommen, selbst als alle anderen mit uns nichts zu tun haben wollten.“

Kaya saß mit seinen Freunden oft im Pavillon in der Mitte des Gartens. Sie haben da gerappt, sie haben sich über den Koran unterhalten oder über Mädchen.

Vierck ließ sie in Ruhe. Ein Vorschussvertrauen, dass Früchte zeigte.

Kaya hat hier seine Getränke-Dosen wieder aufgesammelt. Die anderen haben ihre Kippenstummel aufgelesen. Sie haben keine Äste abgebrochen und Früchte nur zusammen mit Vierck gepflückt.

Die Früchte des Gartens. Einer aus der R44 hat 2012 das beste Abitur von Berlin gemacht, einige sind Filialleiter geworden oder Angestellte in mittelständischen Unternehmen. Andere sind im Gefängnis gelandet oder sind drogenabhängig geworden.

Henning Vierck macht weiter. Er möchte „die Sachen wieder ganz, wieder heile machen.“ Auf die Frage, was es denn genau sei, das er heile machen wolle, antwortet er: „Eigentlich all das, was seit Adam und Eva außer Kontrolle geraten ist.“ Für die Kommune Berlin ist Henning Vierck ein städtischer ein Angestellter. Er selber bezeichnet sich als einen weltlichen Pfarrer.

Angeregt durch: JOHANNES BÖHME, SZ Magazin

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