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Kirche in WDR 2 | 28.09.2016 | 05:55 Uhr

Gleichgewicht

Es ist wie mit einem Fahrrad,

das sich nur gerade hält,

wenn es fährt;

es lehnt schief an der Wand,

bis man es zwischen die Beine nimmt

und davonbraust.

So dichtete Madlene Delbrel, die katholische Mystikerin, vor etwa 100 Jahren. Sie war eine Prophetin: das Fahrrad ist wieder im Kommen. Mir kommt das entgegen, ich liebe das Radfahren, seit ich ein kleiner Junge war. Und mit Madlene Delbrel habe ich die geistliche Seite der Fortbewegung entdeckt.

Balance halten durch Bewegung. Vorwärtskommen, nach vorne sehen. Aus eigener Kraft. Auf einem Fahrzeug, das nur einen Bruchteil von mir selbst wiegt. Ein Fahrzeug, dessen Funktionalität ich komplett nachvollziehen kann: Räder, Lenker, Sattel, Kurbel, Antrieb – viel mehr braucht es nicht.

Einen Berg hoch strampeln, die Aussicht genießen und wieder runter rollen. Fahrradfahren, der Inbegriff von Freiheit. Ich bin sicher, Jesus würde heute auf einem Drahtesel nach Jerusalem reiten.

Glauben ist wie Radfahren lernen. Da ist jemand, der dich anstupst, schiebt, vielleicht bist du auch schon eine Zeitlang im Kindersitz mitgefahren. Hast Vertrauen in die Balance. Heute lernen Kinder mit Laufrädern. Wenn sie aufs Fahrrad umsteigen, müssen sie nur noch das treten lernen.

Eine der wichtigsten Regeln lautet: Der oder die Langsamste fährt voraus und alle anderen passen sich seinem oder ihrem Tempo an. Und wenn man doch mal schneller sein will, dann wird an der nächsten Kreuzung gewartet und wir fahren erst weiter, wenn alle so weit sind. Das heißt auch: Avantgarde ist nicht, wer voraus prescht.

Trägheit: Ein Körper, der ruht, muss viel Energie aufwenden, bis er in Bewegung kommt. Ein Körper, der in Bewegung ist, muss Energie aufwenden, um zur Ruhe zu finden. Wenn ich eingerostet bin, ob körperlich oder gedanklich, muss ich mehr Kraft aufwenden, um in Bewegung zu kommen. Und umgekehrt: Wenn ich rastlos bin, ständig unterwegs, dann kostet es viel Kraft, um Ruhe zu finden. Habe ich mein Tempo gefunden, dann komme ich ohne viel Kraft voran.

Gemeinschaft: Wir alle sind unterwegs. Im besten Fall gemeinsam. Im Auto sitzen die meisten alleine, fahren zur Arbeit, abgeschirmt von all den anderen. Das macht oft unausgeglichen, gestresst und aggressiv. Beim Radfahren begegnet man anderen, man ist an der frischen Luft, unterhält sich an der Ampel, man hat viel mehr Gespür für die anderen – man ist aber auch ungeschützter.

Vertrauen: Ich kann einen Helm tragen, eine Warnweste anziehen – aber wenn mich ein 40 Tonnen LKW übersieht, bringt all das nichts. Ich mache mich verletzlich, zugänglich, aber ich bin nicht allein. Da ist eine Gemeinschaft, die mich unterstützt. Ohne Blechkiste ist es leichter, die anderen nicht aus dem Blick zu verlieren.

„Immer weiter!“, sagst du, Gott, zu uns

so dichtet Madlene Delbrel weiter

in allen Kurven des Evangeliums.

Um die Richtung auf dich zu behalten,

müssen wir immer weitergehen,

selbst wenn unsere Trägheit verweilen möchte.

Du hast dir für uns

ein seltsames Gleichgewicht ausgedacht, ein Gleichgewicht,

in das man nicht hineinkommt

und das man nicht halten kann,

es sei denn in der Bewegung,

im schwungvollen Voran.

Sprecher: Pfarrer Titus Reinmuth, Wassenberg

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