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Kirche in WDR 2 | 04.08.2017 | 05:55 Uhr

Sonntagspanik

Zwei Espresso. Und fünf Eiskaffee. Die Kellnerin muss zweimal gehen, um die großen Becher sicher zu unserem Tisch zu bringen. Die Sonne strahlt. Es ist Sonntag. Hinter uns liegt ein mitreißender musikalischer Gottesdienst mit Chor und Orchester. Viel Arbeit für die Beteiligten, aber es hat sich gelohnt.

An unserem Tisch herrscht gute Laune. Die Musik. Das Wetter. Die nahen Ferien. „Es lebe die Sonntagsarbeit!“, sagt mein Nachbar plötzlich. Alle sehen ihn verdutzt an. „Nein, wirklich. Erst dieser tolle Gottesdienst. Und was würden wir machen, wenn das Café jetzt zu wäre? Zur Tankstelle gehen? Selbst die wäre zu ohne Sonntagsarbeit.“

„Du meinst das jetzt nicht ernst?“, meint eine der Frauen am Tisch. Sie hat selbst ein Geschäft und weiß, wovon sie spricht. „Wieso?“ Mein Nachbar guckt sie herausfordernd an. Aber sie ist genervt: „Der Handelsverband bringt das Thema gerade auch wieder auf den Tisch. Er will ganz Deutschland mit der Berliner Regelung beglücken. Mindestens acht verkaufsoffene Sonntage im Jahr soll es geben. Dahinter steckt doch die reine Panik.“ „Panik?“

Ist doch klar. Wie immer die Angst vor dem Online-Handel. Der hat schließlich pausenlos geöffnet. Die Läden sollen dagegen halten. Aber das Konzept geht nicht auf. Denn dann muss Personal für sieben Tage angestellt werden. Mit allen Feiertagszuschlägen. Und das bezahlt letztlich der Kunde. Die Preise in den Geschäften steigen weiter. Und wer profitiert? Der billigere Onlinehandel!

Das Argument gefällt mir. Denn es bleibt in der Logik des Handels. Ich finde zwar die religiösen und die sozialen Gründe eigentlich noch wichtiger. Menschen brauchen einfach einen freien Tag in der Woche. Nicht nur, um sich zu erholen. Sondern auch um gemeinsam etwas zu unternehmen. Wie zum Beispiel Gottesdienste feiern. Und das geht nicht, wenn der Eine montags frei hat, der Nächste dienstags und so weiter. Und vor allem ist der Sonntag der christliche Feiertag. Der Tag der Auferstehung. Ostern kann man ja auch nicht zum Ausgleich mal mittwochs und mal samstags feiern.

Aber diese Argumente scheinen den Handelsverband nicht zu interessieren. Und deshalb ist der Hinweis auf die Kosten so stark: Die Sonntagsöffnung wäre letztlich ein Eigentor. Ein Kostentreiber und deshalb ein Kundenschreck.

„Deshalb denke ich, dass die Panik regiert“, meint die Einzelhändlerin. „Die Kollegen verlieren den Kopf und rechnen die Sache nicht mehr durch. Aber Angst hilft nicht weiter. Das haben wir eben doch auch in der Predigt gehört.“ Stimmt, denke ich. Da ging es um den Satz von Johannes: Furcht ist nicht in der Liebe. Sondern die Liebe vertreibt die Furcht! So etwas hört man sonntags nicht im Laden, sondern im Gottesdienst.

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