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Kirche in WDR 2 | 18.08.2017 | 05:55 Uhr

Genug Ehe für alle

Seit dem 30. Juni 2017 ist auch in Deutschland möglich, was in Frankreich und Finnland, in den USA und Uruguay, in den Niederlanden und Neuseeland längst geltendes Recht ist: Die Ehe für alle.

Männer und Frauen, die einander heiraten wollen, können das nun tun - mit allen Rechten und Pflichten.

Die Gleichstellung von hetero- und homosexueller Liebe ist nicht vom Himmel gefallen. Es war ein langer Weg bis zur Abstimmung.

Noch vor 70 Jahren, während der Diktatur der Nationalsozialisten, wurden schwule Männer verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt, ermordet.

Und noch bis 1994 galt in der Bundesrepublik der Schwulenparagraph von 1872, der Homosexualität unter Männern unter Strafe stellte.

Zwar habe ich mich schon zu Schulzeiten gefragt, was denn an schwulen Beziehungen so anders sei, als an lesbischen? Warum wurden Schwule verfolgt und Lesben nicht?

Ein früher Akt der Emanzipation? Oder doch finsterstes Patriarchat?

Wie homosexuelles Leben theologisch zu bewerten sei, habe ich mich aber zum ersten mal während meines Theologiestudiums gefragt.

Die Antworten, die ich dabei fand, waren für mich genau so überraschend, wie befreiend.

Die Bibelstellen, die sich gegen den Beischlaf zwischen Männern richten, haben ausschließlich ungleiche Beziehungen mit Schutzbefohlenen im Blick. Da geht es nicht um Liebe, um Partnerschaft, sondern um sexuelle Ausbeutung und Unterdrückung. Und zwar gegen homosexuelle genauso, wie gegen heterosexuelle.

Die Ausbeutung anderer Menschen – das ist Gott ein Gräuel.

Diese Erkenntnis war überraschend für mich, hatte ich die Bibel doch für sehr viel enger und konservativer gehalten hatte, als sie es tatsächlich ist. Ich lernte, dass die Bibel wirklich das Buch des Lebens ist, dass ihr keine Spielart menschlichen Lebens fremd ist und dass sie das Leben immer fördert und unterstützt.

Gott ist die Liebe, heißt es dort. Die Liebe ist für die Bibel der allererste Maßstab, das Leben zu gestalten. Und Paulus definiert in seinem grandiosen Brief an die Christen in Korinth, was Liebe ausmacht: Sie verurteilt nicht, sie erdrückt nicht, sie drückt niemandem ihren Stempel auf, sie glaubt und hofft und erträgt alles.

393 zu 226. Das war das Abstimmungsergebnis im Bundestag.

Ja, das ist ein Triumph der Liebe.

Und 393 zu 226 bedeutet aber auch, dass uns die Diskussion über hetero- oder homosexuelles Leben weiterhin begleiten wird. Denn: Kontroverse gesellschaftliche Prozesse dauern lange. Diejenigen, die –egal welcher Couleur- eine andere Meinung haben als man selber, zu verteufeln, würde aber dem Geist der Liebe widersprechen.

Liebe erträgt alles schreibt Paulus.

Das bedeutet: Sie erträgt 393. Und sie erträgt 226.

Aber vor allem, so schreibt der Apostel auch, sie stirbt nie.

Weil die Liebe nämlich die Größte ist.

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