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Kirche in WDR 2 | 04.03.2014 | 05:55 Uhr

Einsteigen

Hauptbahnhof Osnabrück, Gleis 3. Meine Frau wartet mit den Kindern auf den ICE in Richtung Kiel. Kinderkarre, Rucksack, Koffer du Handgepäck. Ich habe sie zum Bahnhof gebracht. Aber jetzt hat der Zug Verspätung und ich muss eigentlich schon wieder nach Hause. Wird es klappen mit dem Einsteigen, auch ohne meine Hilfe? Während ich noch nachdenke, ob ich mich verabschieden darf, steht plötzlich ein freundlicher Mann vor uns. Von der Bahnhofsmission. Ob wir vielleicht Hilfe beim Einsteigen brauchten? Es müsse dann ja alles immer ganz schnell gehen. Den Mann schickt der Himmel, denke ich und verabschiede mich.

Meine Frau liebt es, mit der Bahn zu fahren. Besonders, wenn sie mit den Kindern unterwegs ist. Es gibt Abteile, extra für Familien. Dort trifft man manchmal interessante Leute und kommt ins Gespräch. Die Kinder können sich bewegen. Entspannt eine große Etappe zurücklegen. Schwierig ist eigentlich nur das Einsteigen. Es gibt nur einen kurzen Moment, in dem es möglich ist. Man muss schnell einen großen Schritt machen, über einen über einen kleinen Abgrund hinweg.

Gut, wenn es Menschen gibt, die dabei helfen. Wie der Mann von der Bahnhofsmission. Ehrenamtlich bietet er seine Unterstützung an. Beim Ein- und Umsteigen. Als Begleiter von Kindern oder Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Meist haben die von der Bahnhofsmission auch ein offenes Ohr. An über einhundert Bahnhöfen in Deutschland sind fast 2.000 Menschen wie er im Einsatz.

Bei der Fahrt nach Hause denke ich: Wäre es nicht großartig, wenn es überall solche Unterstützer gäbe? Leute, die einem im entscheidenden Moment helfen, den ersten Schritt zu wagen. Die einen guten Blick für den richtigen Augenblick haben. Die sehen, wenn jemand Begleitung braucht.

Meistens ist das Leben ja wie im Zug. Es verläuft in den gewohnten Gleisen. Oft weiß ich ziemlich genau, wo ich am Ende der Reise durch den Tag ankommen werde. Wenn es ein guter Tag war, bin ich interessanten Menschen begegnet. Habe gute Gespräche geführt. Und kann entspannt zurückblicken. Aber manchmal möchte ich auch umsteigen. Die Richtung wechseln. Mit neuen Menschen, neuen Gruppen in Kontakt kommen. Dann muss ich den Absprung wagen. Mit all dem Gepäck, das ich so mit mir herumschleppe.

Oft sind das ganz wichtige Momente im Leben. Zum Beispiel als ich mich für meine neue Arbeitsstelle entschieden habe. Für einen Ortswechsel. Oder für eine neue Partnerschaft. Je länger ich darüber nachdenke, je gründlicher ich mich vorbereiten möchte – umso größer scheint der Abgrund zu werden, über den ich springen muss. Umso schwerer das Gepäck. Umso größer die Zweifel, ob ich den richtigen Zeitpunkt erwischen werde. Wenn ich Pech habe, ist dann die Gelegenheit zum Springen längst verstrichen.

Gut, wenn es Leute gibt, die dabei helfen. Meine Erfahrung ist: Wenn ich mich auf den ersten Schritt einlasse, dann kommen solche Menschen oft von selbst. Ganz unerwartet. Aber genau im richtigen Moment. Wie am Gleis 3 in Osnabrück.

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