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Kirche in WDR 2 | 16.04.2020 | 05:55 Uhr

Magnolie

Sie hat es irgendwie geschafft. Ich hätte fast nicht mehr daran geglaubt. Dabei war sie doch eins unserer Hochzeitgeschenke. Die Baumschule hatte die Magnolie perfekt aufgepimpt geliefert. Wir hatten noch Spezialerde besorgt und sie behutsam eingepflanzt, vor unserem Haus. Und wir haben geträumt vom Blütenmeer. Kennen Sie Magnolienbäume? Wie die im Frühjahr als erstes nur aus pinken Blüten bestehen und überquellen vor Pracht?

Aber Pustekuchen. Seit die Magnolie bei uns stand, ging es mit ihr bergab. 20 Blüten, dann zehn, dann drei und in einem Jahr tatsächlich nur noch eine einzige. Keine Ahnung was los war. Eine Gärtnerin könnte das wahrscheinlich erklären, würde eine Bodenanalyse machen noch mal genau die Sorte allein analysieren, oder was auch immer. Mein Mann und ich: Wir haben den Boden gedüngt, das Unkraut entfernt und einer von uns hat weiter dran geglaubt. Das war mein Mann. Ich wollte aufgeben. Und das tat weh – denn schließlich war das ein Traum: ein Magnolienbaum vor dem Haus. Für mich war der irgendwie auch ein Symbol. Pink denken, großzügig sein, an die Fülle des Lebens glauben und sie weitergeben, als Paar für mehr als die Summe von zwei Leuten stehen, selbst wenn man wie wir keine Kinder bekommt. Zumindest für mich stand diese Magnolie dafür. Und dafür sollte sie blühen. Tat sie aber nicht. Irgendwann wollte ich gar nicht mehr zu dem Busch rüber gucken. Aber dann hat sie es irgendwie geschafft. Unsere Magnolie. Letztes Jahr ging die Zeit der Blüten wieder nach oben. 20 waren es bestimmt. Und danach gab es Blätter, - nicht viele. Aber sie hielten sich übers Jahr. Und dieses Jahr blüht die Magnolie wieder. Ein kleines Lehrstück über Geduld – darüber: Träume nicht aufzugeben.

1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, schrieb Schalom Ben Chorin folgende Zeilen:

Freunde, dass der Mandelzweig

Wieder blüht und treibt,

Ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?

Als Jude musste er 1935 aus Berlin fliehen. In Jerusalem fand er eine neue Heimat. Aus dem Text wurde ein bekanntes Lied. Wohlgemerkt: Ben Chorim schrieb, das nicht, als der Krieg vorbei war. Als der Staat Israel gegründet war. Er schrieb es, als er die ersten Knospen sah – wenn man so will. "Muss man nicht ein bisschen verrückt sein, um die Hoffnung nicht aufzugeben in dieser Welt?" So sagte er selbst.

Ich bin so froh, dass mein Mann weiter an unsere Magnolie geglaubt hat. Denn darum geht es doch: Dem Leben trauen. Dem Leben noch eine Chance geben. Ostern weiter feiern.

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