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Hörmal | 03.10.2021 | 07:45 Uhr

Land des Deutschen

Heute ist ja unser Nationalfeiertag. Der Tag der Deutschen – sozusagen. Und ich musste 42 Jahre alt werden, um etwas über unser Land zu erfahren, das mir vorher noch nie aufgefallen war. Und damit Sie nicht weiter warten müssen, verrate ich Ihnen das mal – am Tag der Deutschen Einheit.

Deutschland ist das einzige Land in Europa, das seinen Namen nicht über eine bestimmte Region, geografische Besonderheit oder über einen bestimmten Volksstamm erhielt, sondern: der Name Deutschland bezieht sich auf die Sprache, die hier gesprochen wird. Frankreich ist benannt nach den Franken. Österreich ist das Land im Osten. Deutschland ist das Land, in dem Deutsch gesprochen wird. Was uns eint, ist unsere Sprache[1].

Und das ist gleich auf zwei Arten bemerkenswert – und hat beides Mal mit der Bibel zu tun. Glauben Sie nicht? Ich sag Ihnen, warum: Das Ur-Wort für Deutsch taucht nämlich das erste Mal in der Bibel auf. Also nicht im Urtext der Bibel; da war an die Deutschen noch nicht zu denken. Aber in einer Bibelübersetzung. Und zwar in der Gotenbibel des Missionars Wulfila. Der übersetzte im Brief des Apostels Paulus an die Galater das Wort „Heiden“ ungefähr wie folgt: „Wenn Du als Jude nach Art der Juden lebst, wie kannst Du dann die Deutschen zwingen, wie Juden zu leben?“ (Gal 2,14). Ok, er benutzte nicht das Wort „Deutsche“, sondern das gotische Wort „Thiuda“[2], um seinen Volksgenossen zu vermitteln, was mit „Heiden“ gemeint war. „Thiuda“ heißt übrigens übersetzt: „Volk“. Und daraus entwickelte sich mit der Zeit das Wort „Deutsch“ und meint: „zum Volk gehörig“.

Was insofern ein wenig verwundert, als dass die Deutschen ein Volk sind, das sich lange Zeit gar nicht richtig als Volk verstanden hat. Ziemlich spät erst wurden wir eine Nation, das ist noch nicht mal 150 Jahre her. Zuvor herrschte im „Deutschen Land“ der bekannte Flickenteppich aus vielen Kleinstaaten. Und jeder dieser Flicken sprach dazu noch seine ganz eigene Art von Deutsch. Noch heute ist der friesische Dialekt ja nur schwer in eins zu bringen mit dem der Bayern, zum Beispiel.

Und es war noch mal die Bibel, die beim Einig-Werden der Deutschen in ihrer Sprache half. Genauer: Es war Martin Luthers einmalig gute Bibelübersetzung in die Sächsische Kanzleisprache. Und weil die Luther-Bibel so stark angenommen wurde, von Friesen wie von Bayern, setzte sich ausgerechnet diese sächsische Prägung der deutschen Sprache durch. So verdanken wir unseren Tag der Deutschen Einheit ein wenig der Bibel, den Goten, Martin Luther und ja, auch den Sachsen….und sicher noch vielen mehr – aber vor allem verdanken wir unser Deutsch-Sein unserer Sprache.

Und ich gestehe, ich bin Fan dieser, meiner, unserer Sprache: durch und durch. Und ich freue mich z.B. jedes Mal an einem Sonntag, dass ich Gott loben und preisen kann in dieser meiner Muttersprache – und nicht, wie noch die Generation meiner Großeltern. Die hörten und beteten im Gottesdienst Latein, eine Sprache, die sie nicht verstanden. Und sowieso: Mit die schönsten Lieder zum Lobe Gottes sind eh in deutscher Sprache verpasst. „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!“ – Diese wunderbaren Zeilen dichtete übrigens ein Wahl-Düsseldorfer, Joachim Neander, nachdem der Neandertaler benannt ist J…aber das ist eine andere Geschichte.  Und sowieso: heute geht’s nicht um Köln versus Düsseldorf, heut ist der Tag der Einheit im Land des Deutschen.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_(Etymologie) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Thiuda

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