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Kirche in WDR 2 | 29.10.2021 | 05:55 Uhr

Der Muezzin ruft

Bald ist es soweit: der Muezzin ruft zum Freitagsgebet in der Kölner Moschee. In Deutschland passiert das bis jetzt erst in etwa dreißig Moscheegemeinden, in Düren schon seit über zwanzig Jahren.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker bezeichnet den Kölner Modellversuch als Zeichen der gegenseitigen Akzeptanz. Sie sagt: "Wenn wir in unserer Stadt neben dem Kirchengeläut auch den Ruf des Muezzins hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und ge­lebt wird".

Die Moscheegemeinden können nun Anträge bei der Stadt stellen. Erlaubt werden sollen Muezzinrufe am Freitag von bis zu fünf Minuten in der Zeit von 12 bis 15 Uhr. Interessant finde ich, welche Lautstärken dann nach dem Immissionsschutzgesetz möglich sind. In Wohngebieten 55 Dezibel, etwa das Geräusch eines Kühlschranks. Im Gewerbegebiet 65 Dezibel, etwa so laut wie ein Fernsehgerät, im Industriegebiet darf es so laut sein wie ein Staubsauger, nämlich 70 Dezibel.

Das Vorhaben unserer Oberbürgermeisterin finde ich gut. Ich sehe das wie der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Aiman Mazyek sagt: "Es ist ein konsequenter Ausdruck der Religionsfreiheit, die durch unsere Verfassung garantiert wird".

In unserem Stadtviertel sind nicht die Christen die größte Religions­gemeinschaft, sondern die Muslime. In unserer Gesamtschule haben gut 85 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund; die meisten sind Muslime. Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien ist ein multireligiöser Gottesdienst mit über 500 jungen Menschen.

Bei dem Gottesdienst ertönt der muslimische Gebetsruf "Allahu akbar" zum Beginn genauso wie auch "Maria durch ein Dornwald ging", a capella von Lehrerinnen und Lehrern vorgetragen, alles im gegenseitigen Respekt und zur Freude aller. Zur Moschee pflegen wir einen freundschaftlichen Kontakt.

Ich bin gespannt, ob unsere Moschee nun den Muezzinruf beantragt.

Wann läuten bei uns die Glocken?

Als ich vor fast dreißig Jahren als Pfarrer ins Pfarrhaus eingezogen war, rief nach sechs Wochen ein Mann an.Er sagte, dass er im Hochhaus direkt gegenüber der Kirche Wohne, vorletzte Etage, Das Haus ist höher als der Kirchturm. Er sei Inhaber einer Diskothek und käme morgens um 5 Uhr nach Haus. Um 6 Uhr läuteten dann die Glocken, wenn er gerade fest schlafe. Sein Schlafzimmer ist etwa 25 Meter von der Glockenstube entfernt, nur die Straße ist dazwischen. Natürlich haben wir das Läuten frühmorgens sogleich beendet, die Gesundheit dieses Menschen geht vor. Wahrscheinlich haben andere im Hochhaus auch aufgeatmet, so schön Glockengeläut auch sein kann.

Um es mal so zu sagen: Das Abendland geht nicht unter, wenn ich als Pfarrer die Glocken morgens aussetze, damit die Nachbarn ausschlafen können. Es geht auch nicht unter, wenn ein Muezzin ruft. Das Abendland lebt von Toleranz und Nächstenliebe. Und grad in den Debatten um den Kölner Muezzinruf kann man wunderbar sehen, wer etwas von diesen Werten des Abendlandes verstanden hat und wer nicht.

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