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Hörmal | 25.12.2021 | 07:45 Uhr

Die Hürden nehmen

Irgendjemand hat mich mal gefragt: Was sind eigentlich diese „Hürden“, von denen in der Weihnachtsgeschichte die Rede ist. Dort heißt es doch: „Es waren Hirten auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.“ Ich habe nur die Schultern gezuckt. Zu Hause habe ich dann den griechischen Text des Neuen Testaments aus dem Regal geholt. Und siehe da: Im Urtext ist gar keine Rede von irgendwelchen Hürden. Die hat Martin Luther wohl hinzugedichtet. „Hürden sind tragbare Umzäunungen, mit denen Hirten ihre Schafe einpferchen können“, heißt es im Duden. Also Barrieren, die schnell aufgebaut sind und vor der Außenwelt, vor Wölfen und Löwen und Viehdieben schützen.

 

Ich bin kein Schäfer, aber ich habe so etwas auch. Ich trage in mir drin auch solche schnell verfügbaren Abgrenzungsmechanismen. Und die kann ich blitzschnell aufbauen, wenn mir etwas zu nahe zu gehen droht. Und meistens funktioniert das. Wenn ich abends bei der Tagesschau Bilder von Flüchtlingen in Schlauchbooten sehe, Covid-Patienten auf Intensivstationen, dann schalte ich innerlich um, denke an etwas anderes. Wenn mir jemand etwas sagt, das mir an die Nieren geht, bringe ich eine ganze Reihe von Argumenten, die mich beruhigen.

 

Die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem machen beim ersten Weihnachten die Erfahrung: ihre Hürden schützen zwar vor Wölfen und Löwen, aber nicht vor Engeln. Die erscheinen einfach so auf der Bildfläche, kümmern sich nicht um Zäune und Wachhunde und versetzen die Hirten erst einmal in Angst und Schrecken.

 

Für mich ist das eine gute und gleichzeitig auch eine etwas beunruhigende Nachricht. Beunruhigend deshalb, weil ich ahne, dass Gott mir vor allem dort begegnet, wo mir das nicht so recht ist. Die Geschichten der Bibel sind sich in einer Sache einig: Gott begegnet den Menschen außerhalb unserer Komfortzonen, auf nächtlichen Feldern, in Wüsten und Höhlen, in kleinen Booten auf sturmgepeitschter See und auf der Flucht. Das heißt für mich: Wenn ich etwas von Gott erfahren will, dann muss ich mich wohl oder übel dorthin aufmachen, wo der Boden unter meinen Füßen schwankt und ich die Hand nicht vor Augen sehe.

 

Und gleichzeitig ist das für mich eine gute Nachricht. Gott nimmt unsere Hürden. Er findet seinen Weg an unseren Zäunen vorbei, durch unsere Mauern hindurch und unter die Verkrustungen auf unseren Herzen. Und das, was er da zu sagen hat, ist dasselbe, was die Hirten auf dem Feld hören: Fürchtet euch nicht. Frohe Weihnachten!

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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