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Hörmal | 09.01.2022 | 07:45 Uhr

Unser Garten Eden

Und dann schaut er ziemlich beschämt weg. Er, der seit Jahrzehnten das Licht der Kamera nicht scheut, verliert den Augenkontakt zu den Zuschauern. Diese Szene ist herzzerreißend. Finde ich zumindest. Und sie ist nicht aus einem Spielfilm, sondern Teil einer Dokumentation. „Mein Leben auf unserem Planeten“, heißt dieser Film. Er ist von 2020 und ich habe ihn kürzlich erst gesehen. Sie finden ihn im Netz. Und ich kann Ihnen diesen Film nur ans Herz legen – gerade jetzt zu dieser Zeit, wo bei manchen von uns der Mut zu guten Vorsätzen am Jahresanfang noch nicht geschwunden ist.

„Er“, das ist David Attenborough. Der gefeierte Naturfilmer. Quasi seit 70 Jahren „auf Sendung“ – vor allem für die britische BBC. Für sie hat er alle Teile der Welt besucht: Von den Urwäldern Papua Neuguineas bis zum Ewigen Eis am Nordpol. David Attenborough war an vielen Plätzen der Welt der Erste mit einer Kamera. Davon zeugt auch die Dokumentation mit Schwarz-Weiß-Bildern.

Dieser Film, „Mein Leben auf unserem Planeten“, ist sein Vermächtnis „meine Zeugenaussage“ nennt er es. Attenborough ist 94, als er 2020 erscheint. Den Film hat er zusammen gedreht mit dem WWF, dem World Wildlife Found for Animals. Und er ist ein Hilfeschrei. Kann man nicht anders sagen.

Attenborough blickt zurück auf die Zeit seines Schaffens und er zeigt auf die verheerenden Veränderungen in der Natur. Und dann kommt der Moment, wo er sich eingesteht, dass auch er Teil dessen ist, was er den „Verlust unseres Garten Edens“ nennt.

Als Attenborough klein war, lebten 2,3 Milliarden Menschen auf der Erdkugel. Heute sind es 8 Milliarden. Von 66 Prozent intakter Wildnis damals sind im Jahr 2020 noch gerade mal 35 Prozent übrig. Zwei Drittel sind zerstört. „Wir haben das Wilde durch das Zahme ersetzt“, sagt er. Ein Beispiel aus dem Film? Zwei Drittel aller lebenden Vögel auf der Welt sind mittlerweile: Hühner. In Käfigen. Sie leben, damit Menschen sie essen.

Die Zahlen sind vernichtend. Die Aussicht ist düster. Attenborough prophezeit – gestützt durch wissenschaftliche Belege: Wenn er heute noch mal so lange leben würde wie jetzt, würde er sich auf einem Planeten wiederfinden, der für Menschen unbewohnbar ist. Schon jetzt sind allein schon 90 Prozent der großen Meeresfische weg. Der Urwald ist zur Hälfte abgeholzt. Alles das hat immense Auswirkungen auf dieses, unser Ökosystem, auf den Planeten Erde.

„Unser Planet kann keine Milliarden an grossen Fleischesserinnen und -essern erhalten. Dafür ist kein Platz“ – sagt er klip und klar. Und immer wieder: die Scham darüber, dass er im Rückblick sieht, wie er selbst mit seinen Dokumentationen dazu beigetragen hat, dass die Wildnis vom Menschen durchdrungen wurde. Denn erst kamen die Naturforscher, um die Wildnis zu erkunden, dann die Kreissägen, um die Wildnis zu fällen. Um es grob zu sagen. Und immer wieder nimmt Attenborough dabei dieses Wort aus der Bibel in den Mund: „Unseren Garten Eden.“ Und je mehr ich ihn da reden höre und je mehr ich die Bäume fallen sehe, umso mehr merke ich, wie ein Teil der Erzählung aus der Bibel vom Garten Eden auf heute zutrifft; auf das, was auf unserem Planeten gerade passiert.

Denn: Was ist der Grund, dass Adam und Eva vertrieben wurden aus dem paradiesischen Garten? Sie hatten, so erzählt es die biblische Geschichte, vom Baum der Erkenntnis gegessen. Und in dieser Dokumentation wird klar, wie in der Lebensspanne von David Attenborough der Mensch seine umfassende Erkenntnis vom Zusammenwirken der Natur auf diesem Planeten gewonnen hat: die Erkenntnis über die Wildnis, die uns seit Menschengedenken umgibt, von den Polkappen bis zu den Pilzgeflechten am Amazonas. Und dass genau an diesem Zeitpunkt, wo wir diese umfassende Erkenntnis über diesen „Garten Eden“ haben, da genau steht die „Vertreibung“ quasi auch an. Selbstverschuldet. Weil wir dieses Ökosystem systematisch kaputt gemacht haben, schließen wir Menschen uns bald selber von der Natur aus.

Nun bleibt Attenborough aber nicht bei dieser düsteren Beschreibung. Kurz nach der herzzerreißenden Szene, in der er den Blick zu uns verliert, da schaut er uns fest an und sagt, was zu tun ist, um diese Erde nicht zu verlieren. Aber das schauen Sie sich am besten einmal selbst an in der Dokumentation. Am Ende fragt Attenborough noch: Kennen Sie Menschen, die diesen Film sehen sollten? Und ich habe das wörtlich genommen. Daher habe ich ihnen davon erzählt. Von „Mein Leben auf unserem Planeten“. Halten Sie einmal Ausschau danach.

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