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Hörmal | 13.02.2022 | 07:45 Uhr

Schlummern und Schlafen

„Schlummern?“ so steht es einladend groß und breit auf dem Display, wenn der Wecker im Morgengrauen klingelt. „Schlummern“ ich liebe diese Taste. Sie schenkt mir ein kleines bisschen Zeit wach zu werden. Halb schlafend, halb wach bekomme ich schon das ein oder andere mit: Ich spüre den Fuß meines Sohnes am Schulterblatt und höre den Nachbarn, der mit der Schürze seines übermotorisierten Kleinwagens wieder einmal aufsetzt. Ich schlummere gerne – die Welt für ein paar Minuten nur gedämpft wahrnehmen. Außerdem gefällt mir das Wort, weil es so lautmalerisch klingt.


„Schlummern“ – ich tue das gerne, Gott tut es nicht. So steht es jedenfalls im Gebetbuch der Bibel, den Psalmen. Gott, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht, heißt es da in Psalm 121. Anders ausgedrückt: Gott ist wach. Ja, hellwach und aufmerksam. Interessant. Kommt mir gar nicht immer so vor, wenn ich ehrlich bin. Die Vorstellung, dass Gott mal wieder ein Nickerchen macht, während die Welt den Bach runtergeht, ist mir deutlich plausibler.
Ich bringe Gott oft nur mit dem Guten, mit allem, was dem Leben dient, in Verbindung. Aber ist Gott nur für das Schöne und Gute zuständig? Was ist mit all dem anderen?

Wenn das Chaos wieder einmal ausbricht, suche ich gerne nach Gründen, statt das Chaos einfach nur auszuhalten. „Der war ja auch schon vorerkrankt“, sage ich. Statt: „Der war doch noch jung und gesund und jetzt ist er plötzlich tot.“ Geht es Ihnen auch so? Ich tue so, als könnte ich alles kontrollieren. Dann muss ich mir nicht eingestehen, dem Chaos hilflos ausgesetzt zu sein. Unser Leben kann von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt werden. Hat Gott damit gar nichts zu tun?


Menschen, die das erlebt haben, widersprechen. Gott hat auch mit dem Chaos zu tun. Ihr Erleben hat auch in den Psalmen seinen Ausdruck gefunden. „Gott, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.“ Gott ist wach. Hellwach ist Gott und schlummert nicht einmal. Wenn ich das ernst nehme, dann kann ich Gott nicht nur mit dem Schönen und Guten in Verbindung bringen, sondern auch mit all dem anderen Zeug nicht in Ruhe lassen. Es provoziert mich, die Hände zu falten und Gott das Leid zu klagen – geradeheraus. Wenn, ich darauf vertraue, dass Gott meine ganze Wirklichkeit umfasst und es ernst mit uns meint, dann darf ich Gott nicht aus der Verantwortung entlassen.


Martin Luther hat die Psalmen der Bibel einmal mit der Schule verglichen, in der man den „Glauben an Gott lernt, übt und stärkt“. Die Psalmworte geben der Hoffnung eine Sprache, die meiner Lebenserfahrung vielleicht ein Stück voraus sind. Ich kann diese Sprache einüben und hoffen, dass sie zu meiner eigenen wird. Einfach ist das nicht. Aber wir haben ja Zeit zum Üben. Jeden Tag aufs Neue. Wenn Sie also das nächste Mal auf die Schlummertaste Ihres Weckers hauen, denken Sie daran: Einer schläft und schlummert auch an diesem Tag nicht, komme was wolle. Bleiben Sie behütet.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius





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