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Kirche in WDR 2 | 02.02.2022 | 05:55 Uhr

Gast sein

Die Pandemie macht mir noch was aus. Merke ich. Und manchmal besonders. Am Wochenende war mein dreijähriger Sohn das allererste Mal bei jemandem zum Abendessen. Allein. Und um seinetwillen. Er war nicht mit uns bei unseren engsten Freunden. Er war bei seiner eigenen Freundin. Wobei ich nicht sicher bin, ob es schon Freundschaft ist, wenn man sich das erste Mal besucht. Aber in der Pandemie ist jemanden bei sich zu Hause reinlassen schon ein Akt, der viel Vertrauen braucht.

Und als ich ihn abgeholt habe, war er selig. Er hat mir von seinem Wochenende erzählt: Wo er überall war und wie schön das alles gewesen ist. Beim Nasen-Kitzel-Mann, also dem Testzentrum, auf dem Markt, im Wohnzimmer-Zelt, in der Kirche, und dann noch beim Abendessen bei seiner Freundin.

In mir ist dabei eine Mischung aus Rührung und Wut. Dass dieses Kind so dankbar ist, rührt mich. Dass der Besuch in der Wohnung eines anderen Kindes eine solche Besonderheit bedeutet, macht mich wütend.

Wie oft bin ich selbst in meiner Kindheit zum Spielen und Abendessen bei meiner Freundin gewesen? Wie oft habe ich bei schlechtem Wetter in ihrem Kinderzimmer gespielt? Unzählige Male.

Und mein eigenes Kind erlebt das kurz vor seinem vierten Geburtstag das erste Mal – und spürt, dass das etwas ganz, ganz Besonderes ist.

Bei Menschen zu Gast sein, sich anvertrauen und sich zumuten: Das ist tief in der Menschheit verwoben. Und in jeder Religion spielt gemeinsames Essen eine Rolle für das beieinander Sein. Zu jedem religiösen Fest gibt es typisches Essen, an jedem Sonntag wird in der Kirche das Brot gebrochen und gemeinsam gegessen – als Zeichen der Verbundenheit mit Gott und untereinander.

Die Bibel ist voller Geschichten, in denen Jesus mit Leuten isst. Und meistens geschieht dabei eine Veränderung: Etwas wird wieder gut, jemand wird heil.

Ein Beispiel: Jesus geht beim Zöllner Zachäus essen, die erbetene Gastfreundschaft verändert das Leben des gierigen Mannes für immer. Er erlebt, dass ihm jemand etwas zutraut, dass jemand in ihm etwas Gutes sieht. Und er gibt mit vollem Herzen gern den Gastgeber. Weil es ein Geschenk ist, Gäste haben zu dürfen. Für beide Seiten. Jesus fühlt sich wohl. Zachäus ist stolz. Und am Ende lässt er von seiner Geldgier ab – weil er Teilen schöner findet.

Ums Teilen ging es ja auch beim allerersten Essen von meinem Sohn mit seiner Freundin. Sie haben ihr Essen geteilt. Es gab Schinken, Frischkäse, Knäckebrot, und Wasser, hat er mir gesagt. Und er hat etwas ganz Besonderes von ihr kennengelernt: das eigene zu Hause, den sicheren Ort, den wir in der Pandemie nur noch wenigen zur Verfügung stellen.

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