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Kirche in WDR 2 | 25.03.2022 | 05:55 Uhr

Darauf liegt kein Segen – die Aufrüstung der Bundeswehr

Mein Vater ist 96 Jahre alt geworden. Bis zu seinem Tod hatte er Alpträume vom Krieg. Er schrie im Schlaf und wachte schweißgebadet auf. Die Erfahrungen von zwei Weltkriegen hatten ihn traumatisiert. Krieg sei Wahnsinn, sagte er immer wieder. 1955 stimmte er gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik.


Dass die internationale Diplomatie im Russland-Ukraine-Nato-Konflikt komplett versagt hat, macht Angst. Überhaupt: Vieles macht gerade Angst. Bundeskanzler Scholz nannte den Überfall Russlands auf die Ukraine eine "Zeitenwende". Mit dieser Einschätzung soll eine historisch unvergleichbare Aufrüstung der Bundeswehr mit 100 Milliarden Euro gerechtfertigt werden.


Was wir gerade erleben, ist keine „Zeitenwende“. Die Welt nach dem 24. Februar ist keine andere als vorher! Es gab in der Geschichte immer Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss. Es gab immer knallharte wirtschaftliche und geopolitische Interessen. Aufgerüstet wird bereits seit Jahren wieder auf allen Seiten! Sprachlich, ideologisch, militärisch. Neu ist nur, dass wir heute mit nuklearen Waffen unseren Planeten sprengen können.


Als die Weltmacht Rom vor 2000 Jahren die halbe Welt eigenen Interessen unterwarf und ausbeutete, setzte Jesus in einer entfernten Provinz ein paar Ideen in die Welt: Selig, wer auf Gewalt verzichtet! Selig, wer sich für Gerechtigkeit einsetzt! Selig, wer für den Frieden arbeitet! Denn: Gott ist nur auf ihrer Seite! Der römischen Besatzungsmacht empfahl Jesus sogar zur Verblüffung aller, die Feinde zu lieben. Eine moralische Entwaffnung.


Damit könne man keine Politik machen, sagen die, die das Sagen haben. Das sei völlig naiv. Der Krieg als Mittel der Politik wieder gesellschafts- und talkshowfähig. Verzeihung? Wer ist denn hier naiv? Hat der Einsatz von Waffen jemals Konflikte nachhaltig gelöst? Der Krieg vor unserer Haustüre zeigt einmal mehr, dass wir völlig neue politische Ziele und Strategien brauchen. Ein völlig neues Denken. Visionen im Sinne des Nazareners vielleicht. Dass wir Frieden nie wieder geopolitischen oder wirtschaftlichen Interessen unterordnen. Dass der Aufbau von Feindbildern im 21. Jahrhundert interkulturell boykottiert werden muss. Dass wir die 100 Milliarden Euro dringend zur Bekämpfung von Armut und der Rettung unseres Planeten brauchen. Alles andere ist naiv und gefährlich und unterliegt fragwürdigen Interessen.


Es ist gut, dass mein Vater die aktuellen Entwicklungen nicht mehr mitbekommt. „Darauf liegt kein Segen!“ hätte er gesagt. Es ist furchtbar, dass wir sie unseren Kindern zumuten.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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