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Kirche in WDR 2 | 21.04.2022 | 07:45 Uhr

Menstruationsartikel

„Du hast nicht denselben Stift wie Julia, du hast den gleichen Stift wie sie.“

Meine Freundin im Kindergarten guckt mich triumphierend an. Ich fühle mich dumm.

35 Jahre später mag ich es immer noch nicht, berichtigt zu werden.

Ok, das war jetzt ziemlich untertrieben. Ich würde fast sagen: Ich hasse es, wenn jemand meine Sprache korrigiert. Vor allem, wenn noch andere dabeistehen und mitbekommen, dass ich nicht weiß, wie man es richtig sagt.

Und erst recht, wenn mich jemand schon richtig verstanden hat, aber zeigen will, dass er oder sie es einfach besser weiß, wie ich es hätte sagen sollen.

Ich meine, Sprache soll dem Verständnis dienen und zwar hier und heute im April 2022. Da kann man schon mal über eine falsche Betonung, Aussprache, Grammatik oder Wortwahl hinwegsehen.

Trotzdem bin ich oft dankbar, wenn man mich berichtigt.

Ich weiß, das klingt unlogisch. Klar, habe ich mir nicht gewünscht, dass sich mein Kollege über die Etiketten auf den Hygieneartikeln in unseren Unisextoiletten beschwert. Stolz wie Oskar, dass wir sowas überhaupt auf unseren Toiletten haben, habe ich mit dem Etikettiergerät „Mädchenkram“ drauf geschrieben. Aber mein Kollege hat Recht, auch Menschen, die sich nicht als Mädchen fühlen, haben ihre Periode. Also habe ich das Gerät wieder rausgeholt und „Menstruationsartikel“ draufgeklebt. Das Wort an sich finde ich nicht schön. Aber wenn es bewirkt, dass sich eine Person, die sich mit ihrer Identität und körperlichen Merkmalen sowieso schon intensiver und vielleicht auch schmerzhafter auseinandersetzten muss, sich ein bisschen wohler in unseren Jugendräumen fühlt, dann ist es das wert. Das meine Wortwahl an dem Punkt in Frage gestellt wird, finde ich gut. Weil sie vielleicht zum Ausdruck bringt, was ich eigentlich sagen will: „Willkommen bei uns – so wie du bist!“

In solchen Fällen bin ich dankbar, dass mich jemand darauf hinweist, dass und wie es besser geht.

 

Ev.streichen: Es bleibt natürlich etwas ärgerlich, dass ich nicht allwissend geboren worden bin und mich immer mal wieder etwas dumm fühle. Auch dass sich die Welt nicht nur um mich dreht und was mir wichtig ist, ist höchst bedauerlich. Aber mal Ironie beiseite.

 

Ich wünsche mir doch auch in allen Aspekten des Lebens wahrgenommen zu werden mit meinen Bedürfnissen und meiner Persönlichkeit –da ist es für mich selbstverständlich, dass ich das anderen auch ermöglichen möchte. Die Goldene Regel lässt grüßen: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ sagt Jesus (Mt 7,12)

 

Ja, ich mag es nicht, wenn man mich vor anderen sprachlich korrigiert, aber ich bin dankbar dafür, wenn es verhindert, dass sich deshalb jemand anderes blöd fühlt.

 

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

 

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