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katholisch

Hörmal | 16.06.2022 | 07:45 Uhr

Wanderer durch die Zeit

Fronleichnam feiern die Katholiken heute. Und ich denke an Vergänglichkeit. Warum? Mitte Mai hat ein Freund von mir eine Reise gemacht, die hat mich sehr bewegt. Der Freund stammt aus Köln, lebt aber schon seit geraumer Zeit in Erfurt. Und weil seine Eltern irgendwann alt und krank wurden, da hat er sie zu sich und seiner Familie nach Erfurt geholt. Ende April war dann der Vater gestorben. Mit Anfang 80. Das Herz hatte nicht mehr mitgemacht. Er wollte eine Urnenbestattung. Aber nicht in Erfurt, sondern auf Melaten, dem Kölner Friedhof.

Und so kam es, dass der Freund mit der Urne des Vaters noch einmal durch Deutschland gereist ist. Mit der Bahn. Die Kinder hatten die Urne zuvor schön bemalt. Sein Vater stammte ursprünglich aus Magdeburg und hatte schon 1955 „rübergemacht“, als noch „niemand die Absicht hatte, eine Mauer zu bauen“. Jahrelang hatte er dann mit seiner Frau in Frechen bei Köln gelebt. Und jetzt hat die letzte gemeinsame Bahnfahrt quasi noch einmal die Lebensbewegung des Vaters vom Osten Deutschlands in den Westen aufgegriffen.

Katholisch beheimatet war der Vater mit seiner Familie in der Kirche Maria Lyskirchen, am Kölner Schokoladenmuseum. Die mit den schönen Deckengemälden. Das ist eine ganz besondere Kirchengemeinde, die wunderbar Gottesdienste feiert, . mit einem Gesang, der mir jedes Mal zu Herzen geht.

Mitte Mai war dann Begräbnisgottesdienst und der Vater meines Freundes war noch mal anwesend in der Urne, in seiner alten Heimatgemeinde. Und die Urne stand im sonnengetränkten Licht. Und es wurde noch einmal Abendmahl gefeiert, Eucharistie mit dem wunderbaren Gesang: „Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit! (…) Geh nicht vorüber, kehre bei uns ein. Sei unser Gast und teile Brot und Wein …“ Mir kamen die Tränen. Denn das alles hatte etwas vorrübergehend Schönes. Alles in dem Moment war im besten Wortsinn: „vergänglich“.

Ja, und an diese Reise und die Beerdigung muss ich heute irgendwie noch mal denken, denn heute ist Fronleichnam. Da feiern die Katholiken das Abendmahl, die Eucharistie – näherhin: Das eucharistische Brot, den gewandelten Leib Christi. Und mit dem wandeln sie an diesem Tag in Prozessionen durch die Innenstädte, Dörfer, über Felder. Blumenschmuck gehört dazu, manchmal noch Blumenteppiche. Und das alles hat auch etwas von dem „Vergänglichen“. Fronleichnam ist zwar der Tag, an dem so viel Gold und Pomp wie möglich aus den Kirchen hervor geholt wird, aber auch das ist vergänglich: von den festlichen Gewändern, bis zur Monstranz – dem Schaugefäß, in dem die Brot-Hostie eingefügt wird. Und so schön das alles im Augenschein ist – oder übertrieben für einige Zeitgenossen: Das Materielle, das kann vielleicht noch für eine Zeit den Anschein geben, dass da etwas bleibt. Aber: Im Windhauch der Geschichte vergeht doch eigentlich alles. Wie das Leben an sich. Wie in einer Urne am Ende nur Asche bleibt.

Was mich an diesem Fest aber dennoch fasziniert, wie an der letzten Reise des Freundes mit seinem Vater, ist das, was bleibt, ist: Beziehung. Das habe ich ganz stark gemerkt, bei dieser Beerdigung. Und das ist etwas, das auch den Kern des Fronleichnamsfestes ausmacht: die Eucharistie. Jesus hat damals beim Abendmahl eine Beziehungshandlung gestiftet. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, hat er gesagt. Und von den Jüngerinnen und Jüngern gewünscht, dass sie, so oft es geht, zusammen kommen sollten, um das zu feiern: Beziehung. Gemeinschaft. Kommunion. Christen feiern diese Beziehungshandlung bis heute. Und für Katholiken wird das besonders anschaulich heute, an Fronleichnam. Dabei ist das im Kern kein „die Katholiken machen auf dicke Hose“-Fest. Es ist einfach ein Fest der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Und die ist unvergänglicher als das Leben hier auf Erden. Fronleichnam macht nur denen Sinn, die daran glauben, dass Gott bei den Menschen ist: Unverbrüchlich, unvergänglich. „Als Wandrer durch die Zeit,“ als „Gast, in Brot, in Wein“.

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